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29.03.2018

Trauer um Russlandexperten und Ökumenepionier P. Bonifaz Tittel OSB

Pionier des Dialogs mit der Russisch-Orthodoxen Kirche.

Die Ökumene in Österreich trauert um den Pionier des Dialogs mit der Russisch-Orthodoxen Kirche, P. Bonifaz Tittel OSB. Der dem Wiener Schottenstift angehörige  Benediktiner starb am Morgen des Mittwoch 28. März 2018 nach langer Krankheit im 71. Lebensjahr in Wien. Tittel leitete zuletzt die Stiftspfarre Breitenlee in Wien-Donaustadt.

 

Reinhard (Bonifaz) Tittel wurde 12. August 1947 in Wien geboren. Er trat nach der Matura im Schottenstift ein, studierte in Wien Theologie und wurde am 6. Jänner 1972 zum Priester geweiht. Er absolvierte auch das Lehramtsstudium für Russisch und Religion. Im Anschluss ging Tittel bis 1978 als einer der ersten Westeuropäer zum Studium an die Geistliche Akademie der Russisch-Orthodoxen Kirche in St. Petersburg (damals Leningrad).

 

Nach seiner Rückkehr richtete Tittel das Lehrfach Russisch am Wiener Schottengymnasium der Benediktiner ein. 1989 startete er eine pädagogische Pionierarbeit: Als damals einzige Schule im deutschsprachigen Raum (ohne DDR) führten die "Schotten" ein Schüleraustauschprogramm mit einer russischen Partnerschule durch. Es läuft seit damals ohne Unterbrechung. An dem Austausch-Programm können sich jene Schüler beteiligen, die ab der 5. Klasse Russisch als Wahlpflichtfach belegen. Seit der Einführung  wählen immer zwischen zehn und 20 Schüler diese Sprache.

 

Die Gymnasiasten werden im Wintersemester in Russland bei Familien untergebracht, besuchen am Vormittag ihre Moskauer Gastschule und nehmen an den Nachmittagen an Lehrausgängen, Besichtigungen und Kulturveranstaltungen teil. Im Sommersemester erfolgt jeweils der Gegenbesuch der jungen Russen in Wien. Die Kosten für ihren Transfer und Aufenthalt wird von den österreichischen Gastfamilien mitgetragen.

 

Pater Bonifaz scheute in der Gorbatschow-Zeit auch nicht davor zurück, dass Kontakte mit der kommunistischen Parteijugend zustande kamen. "Kathpress" gegenüber berichtete er 1989, dass sich schon der Beginn eines Pluralismus zeige. Neben vielen Privatkontakten der österreichischen Besucher mit den sowjetischen Einwohnern gab es in dieser Zeit auch offizielle Gesprächsabende, an dem auch Kontroversen unter den Sowjetbürgern diskutiert wurden.

 

Als die Caritas der Erzdiözese Wien unter dem damaligen Direktor Helmut Schüller nach dem Armenien-Erdbeben 1988 eine umfassende Hilfe für die orthodoxe Kirche in Armenien, Russland und Weißrussland startete, wurde P. Tittel als Koordinator und späterer GUS-Beauftragter geholt. Der Ordensmann wurde mehrfach vom Moskauer Patriarchen Aleksij II. (1990-2008) empfangen, organisierte den Russland-Besuch von Kardinal Christoph Schönborn 1997 sowie die Österreich-Visite Aleksijs, die den Patriarchen im selben Jahr nach Wien und Melk führte. 2007 wurde Bonifaz Tittel für seine Pionierarbeit von der Russischen Föderation mit der Goldenen Lomonossow-Universitäts-Medaille ausgezeichnet.

 

Das Requiem wird am Freitag, dem 6. April 2018 um 18 Uhr in der Abteikirche Unserer Lieben Frau zu den Schotten in Wien (Aufbahrung ab 16.30 Uhr) und am 7. April 2018 um 15 Uhr in der Pfarrkirche St. Anna Breitenlee gefeiert (Aufbahrung ab 10 Uhr in der Kirche), im Anschluss wird P. Bonifaz Tittel auf dem Geistlichen Friedhof des Schottenstifts in Breitenlee bestattet

 

Der Dialog mit der russisch-orthodoxen Kirche hat im Leben und Wirken des am 27. März verstorbenen Wiener Benediktiners P. Bonifaz Tittel eine zentrale Rolle gespielt: Daran erinnerte die Stiftung "Pro Oriente" am Samstag, 31. März. Tittel, der 70 Jahre alt wurde, war auch Kurator der Stiftung. Das Begräbnis ist am 7. April in Breitenlee (Wien 22). Bonifaz Tittel sei auch als Übersetzer tätig gewesen, etwa des Buchs von Ilarion Domratschew über das Jesus-Gebet, so "Pro Oriente".


Domratschew (1845-1916) lebte mehr als 20 Jahre im russischen Panteleimon-Kloster auf dem Berg Athos, dort war er Schüler des Starez Desiderij. Dann übersiedelte er in das neugegründete Kloster Neu-Athos in Abchasien, lebte aber vorwiegend als Einsiedler. In dem Buch stellt er die Gebetserfahrung des Starez Desiderij und seine persönlichen Erfahrungen dar.

Weitere Publikationen von P. Bonifaz galten u.a. dem Heiligen Seraphim von Sarow, dem Heiligen Paisij Welitschkowskij, dem großen Mystiker und Starzen ("Lilien auf dem Felde"). Ein Buch über den Heiligen Lukas von der Krim, der als Arzt und Bischof der bolschewistischen Kirchenverfolgung Widerstand leistete, war in Vorbereitung.

Die Begegnung mit der russisch-orthodoxen Kirche prägte den geistlichen Weg von P. Bonifaz, der von 1975 bis 2011 am Wiener Schottengymnasium Professor für Religion und Russisch war, schon ab dem Studium. Nach dem Noviziat im Schottenstift studierte er an den Universitäten Wien und Salzburg, wo er sich wissenschaftlich auch mit der orthodoxen Theologie beschäftigte. In Salzburg wurde Abt Emmanuel Heufelder von Niederaltaich, ein Vorkämpfer des ökumenischen Gedankens, sein geistlicher Begleiter und Ratgeber. Am 6. Jänner 1972 wurde Tittel zum Priester geweiht.

In der Vorbereitung zur Priesterweihe am Tag davor luden Abt Heufelder und Schotten-Abt Bonifaz Sellinger den jungen Mönch ein, sich für den Aufbau von tieferen Beziehungen zwischen der russisch-orthodoxen Kirche und der römisch-katholischen Kirche einzusetzen. So studierte er 1972-1977 das Fach Kombinierte Religionspädagogik/Lehramt Russisch an der Universität Wien.

Auf Vermittlung des Betreuers seiner Diplomarbeit, Prof. Ernst Ch. Suttner, verbrachte Tittel 1977/78 ein Studienjahr im Rahmen der Kooperation zwischen dem vatikanischen Sekretariat zur Förderung der Einheit der Christen und dem Außenamt des Moskauer Patriarchats in der Geistlichen Akademie von St. Petersburg. 1979 führte P. Bonifaz das Fach Russisch im Schottengymnasium ein. 1989 startete er das bahnbrechende Schüleraustauschprogramm mit einer Moskauer Schule. Kardinal König und Kardinal Schönborn unterstützten das Engagement von P. Bonifaz für den Dialog. 1997 war er an der Organisation des Besuchs von Patriarch Aleksij II. in Österreich beteiligt. Er bereitete 1997 das Besuchsprogramm von Kardinal Schönborn in Russland vor. Als Konsultor von "Pro Oriente" (seit 1989), als Berater der österreichischen Caritas und in freundschaftlichen Beziehungen zu russischen Geistlichen pflegte er zeitlebens Kontakte zur russisch-orthodoxen Kirche. Das Wirken von P. Bonifaz wurde vom Moskauer Patriarchen Aleksij II. durch die Verleihung des Ordens des Hl. Sergius von Radonesch gewürdigt. Auch die Russische Föderation und die Republik Österreich zeichneten den Wiener Benediktiner aus.

In der Schottenabtei wird am 6. April um 18 Uhr das Requiem für Bonifaz Tittel gefeiert, die Begräbnisfeierlichkeiten folgen am 7. April um 15 Uhr in der Pfarrkirche St. Anna in Breitenlee im 22. Bezirk (Aufbahrung ab 10 Uhr). Die Beisetzung erfolgt auf dem Friedhof des Schottenstifts in Breitenlee. Im Sinn von P. Bonifaz wird gebeten, von Blumenspenden abzusehen und stattdessen für die Priesterausbildung in der russisch-orthodoxen Kirche zu spenden (Konto Pfarre Breitenlee Volksbank Wien, IBAN AT08 4300 0302 0724 0000, Kennwort P. Bonifaz).