Die Ökumene in Österreich trauert um den Pionier des Dialogs mit der Russisch-Orthodoxen Kirche, P. Bonifaz Tittel OSB. Der dem Wiener Schottenstift angehörige Benediktiner starb am Morgen des Mittwoch 28. März 2018 nach langer Krankheit im 71. Lebensjahr in Wien. Tittel leitete zuletzt die Stiftspfarre Breitenlee in Wien-Donaustadt.
Reinhard (Bonifaz) Tittel wurde 12. August 1947 in Wien geboren. Er trat nach der Matura im Schottenstift ein, studierte in Wien Theologie und wurde am 6. Jänner 1972 zum Priester geweiht. Er absolvierte auch das Lehramtsstudium für Russisch und Religion. Im Anschluss ging Tittel bis 1978 als einer der ersten Westeuropäer zum Studium an die Geistliche Akademie der Russisch-Orthodoxen Kirche in St. Petersburg (damals Leningrad).
Nach seiner Rückkehr richtete Tittel das Lehrfach Russisch am Wiener Schottengymnasium der Benediktiner ein. 1989 startete er eine pädagogische Pionierarbeit: Als damals einzige Schule im deutschsprachigen Raum (ohne DDR) führten die "Schotten" ein Schüleraustauschprogramm mit einer russischen Partnerschule durch. Es läuft seit damals ohne Unterbrechung. An dem Austausch-Programm können sich jene Schüler beteiligen, die ab der 5. Klasse Russisch als Wahlpflichtfach belegen. Seit der Einführung wählen immer zwischen zehn und 20 Schüler diese Sprache.
Die Gymnasiasten werden im Wintersemester in Russland bei Familien untergebracht, besuchen am Vormittag ihre Moskauer Gastschule und nehmen an den Nachmittagen an Lehrausgängen, Besichtigungen und Kulturveranstaltungen teil. Im Sommersemester erfolgt jeweils der Gegenbesuch der jungen Russen in Wien. Die Kosten für ihren Transfer und Aufenthalt wird von den österreichischen Gastfamilien mitgetragen.
Pater Bonifaz scheute in der Gorbatschow-Zeit auch nicht davor zurück, dass Kontakte mit der kommunistischen Parteijugend zustande kamen. "Kathpress" gegenüber berichtete er 1989, dass sich schon der Beginn eines Pluralismus zeige. Neben vielen Privatkontakten der österreichischen Besucher mit den sowjetischen Einwohnern gab es in dieser Zeit auch offizielle Gesprächsabende, an dem auch Kontroversen unter den Sowjetbürgern diskutiert wurden.
Als die Caritas der Erzdiözese Wien unter dem damaligen Direktor Helmut Schüller nach dem Armenien-Erdbeben 1988 eine umfassende Hilfe für die orthodoxe Kirche in Armenien, Russland und Weißrussland startete, wurde P. Tittel als Koordinator und späterer GUS-Beauftragter geholt. Der Ordensmann wurde mehrfach vom Moskauer Patriarchen Aleksij II. (1990-2008) empfangen, organisierte den Russland-Besuch von Kardinal Christoph Schönborn 1997 sowie die Österreich-Visite Aleksijs, die den Patriarchen im selben Jahr nach Wien und Melk führte. 2007 wurde Bonifaz Tittel für seine Pionierarbeit von der Russischen Föderation mit der Goldenen Lomonossow-Universitäts-Medaille ausgezeichnet.
Das Requiem wird am Freitag, dem 6. April 2018 um 18 Uhr in der Abteikirche Unserer Lieben Frau zu den Schotten in Wien (Aufbahrung ab 16.30 Uhr) und am 7. April 2018 um 15 Uhr in der Pfarrkirche St. Anna Breitenlee gefeiert (Aufbahrung ab 10 Uhr in der Kirche), im Anschluss wird P. Bonifaz Tittel auf dem Geistlichen Friedhof des Schottenstifts in Breitenlee bestattet
Der Dialog mit der russisch-orthodoxen Kirche hat im Leben und Wirken des am 27. März verstorbenen Wiener Benediktiners P. Bonifaz Tittel eine zentrale Rolle gespielt: Daran erinnerte die Stiftung "Pro Oriente" am Samstag, 31. März. Tittel, der 70 Jahre alt wurde, war auch Kurator der Stiftung. Das Begräbnis ist am 7. April in Breitenlee (Wien 22). Bonifaz Tittel sei auch als Übersetzer tätig gewesen, etwa des Buchs von Ilarion Domratschew über das Jesus-Gebet, so "Pro Oriente".