
Fast vier Millionen Mal wird im November 2016, mitten im Bundespräsidentschaftswahlkampf, ein Videoclip einer „Frau Gertrude“ angeklickt und auf Facebook geteilt.
Was war da passiert? Die damals 89-jährige Gertrude Pressburger kritisierte die Wahlkampfrhetorik der FPÖ. Wer das Buch der Holocaust-Überlebenden Gertrude Pressburger liest – „Gelebt, erlebt, überlebt“ – versteht das leidenschaftliche Engagement dieser Zeitzeugin in diesem Wahlkampf.
Anfang 2016 erzählte Gertrude Pressburger ihre Geschichte erstmals öffentlich, in einem Radioporträt für unser „radio klassik Stephansdom“. Groihofer hat nun die Erinnerungen von „Frau Gertrude“ aufgezeichnet.
Nach dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland vor 80 Jahren flüchtet die Familie durch halb Europa, wird in Italien gefangengenommen und nach Auschwitz deportiert. Dort kommt Gertrude Pressburgers Familie, die Eltern und zwei Brüder, ums Leben.
Sie überlebt und kehrt nach einem Aufenthalt in Schweden 1947 nach Wien zurück. Im Nachwort des Buches sagt „Frau Gertrude“: „Diesmal wird es kein Hitler sein, der kommt. Aber irgendjemand anderer, der den Unmut der Menschen ausnützt, irgendjemand anderer, auf den zu viele hereinfallen.“
Mein Fazit: Ein äußerst empfehlenswertes Bedenkbuch im heurigen Gedenkjahr, 80 Jahre nach dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland.