Experten zum kirchlichen Finanzwesen und der deutsche "Bund Katholischer Unternehmer" (BKU) haben sich am Mittwoch, 7. Februar 2018 zum Eichstätter Diözesanskandal um ungesicherte Darlehen in Millionenhöhe geäußert. Der Münchner Rechtsanwalt Ulrich Wastl, der die Diözese Eichstätt seit Herbst 2015 berät, betonte: "Wir sind Opfer und nicht Täter." Gleichwohl bescheinigte er der Diözese auch Missstände und Versäumnisse in den Mechanismen der Vermögensverwaltung. Zu lange sei nach dem Prinzip "Vertrauen ersetzt Kontrolle" gehandelt worden.
Generalvikar Isidor Vollnhalls sprach von einer "schmerzlichen Erfahrung". Das Vertrauen in einen ehemaligen leitenden Mitarbeiter der Finanzkammer sei "schwerwiegend enttäuscht worden".
Laut Wastl fädelte dieser inzwischen verhaftete Mitarbeiter zwischen März 2014 und Mai 2016 insgesamt 31 großteils unbesicherte Darlehensgeschäfte mit US-Immobilienprojektierern über eine Gesamtsumme von umgerechnet 48,2 Millionen Euro ein. Diese Summe entspricht nach den Worten des Juristen dem höchsten denkbaren Schaden, der sich derzeit aber noch nicht endgültig beziffern lasse. Allerdings seien bereits fällige Kredite in Höhe von 21,5 Millionen Euro bis heute nicht zurückgezahlt worden.
Wastl bestätigte Medienberichte, wonach das Gesamtvolumen der Darlehen etwa einem Sechstel der Finanzanlagen der Diözese entspreche. Dies sei aber nicht gleichbedeutend mit dem Vermögen der Diözese.
Die Projektgrundstücke befänden sich überwiegend in und um Dallas/Texas sowie in Florida. Der Diözese seien bei den Geschäften sieben bis zehn Prozent Zinsen in Aussicht gestellt worden. Alle Verträge seien nach dem Vieraugenprinzip getätigt worden. Das bedeutet, dass sie auch vom damaligen Finanzdirektor abgesegnet wurden. Dieser sei von seinem Mitarbeiter womöglich getäuscht worden, fügte der Anwalt hinzu. Eine Genehmigung der Geschäfte durch den Diözesanvermögensverwaltungsrat sei nicht erforderlich gewesen.
Wastl und Vollnhalls stellten klar, dass der entstandene Schaden weder die Stellen und Löhne von Mitarbeitern in der Diözese noch Projekte der Pfarrgemeinden gefährde. Der Schaden sei dem Vermögen der Diözese entstanden, Kirchensteuereinnahmen, aus denen die laufenden Ausgaben bestritten werden, seien nicht betroffen.
Der Diözesanberater führte außerdem aus, welche Maßnahmen inzwischen auch auf Betreiben von Bischof Gregor Maria Hanke zur Neuordnung der Vermögensverwaltung ergriffen worden seien. So laute eine Vorgabe des Bischofs, künftig Geistliche von der Kontrolle des Vermögens fernzuhalten. Dies sei im neu besetzten Diözesanvermögensverwaltungsrat bereits realisiert worden, in den ausschließlich externe Fachleute berufen worden seien.
Neue Anlagerichtlinien sähen außerdem das Verbot von Eigenanlagen vor. Alle von Dienstleistern getätigten Investments müssten ethischen Grundsätzen entsprechen. In den nächsten Tagen werde ein Statut in Kraft gesetzt, das die Verantwortlichkeiten, Befugnisse und Zustimmungsvorbehalte in der Vermögensverwaltung des Bistums völlig neu regle.
Der Bund Katholischer Unternehmer (BKU) verlangte als Folge des Skandals eine stärkere Einbindung von Fachleuten in kirchliche Finanzgeschäfte. "Wo kirchliche Würdenträger oder ihre Mitarbeiter mit der Verantwortung für wirtschaftliche Aufgaben überfordert sind, sollten sie Aufgaben delegieren", teilte der BKU am Mittwoch in Köln mit.
Zwar gebe es bereits entsprechende Kooperationen. "Wir haben aber auch erlebt, dass engagierte katholische Unternehmer ihren Sachverstand anboten und auf wenig Interesse stießen. Unternehmer sind in der Kirche noch immer zu oft nicht willkommen", sagte der BKU-Vorsitzende Ulrich Hemel.
Hemel ergänzte, der Eichstätter Finanzskandal sorge zu Recht für öffentliche Empörung. "So etwas darf in den Bistümern nicht vorkommen. Kirchliche Institutionen müssen auch in ihrem Finanzmarktverhalten ihrer besonderen Vorbildfunktion und ihren eigenen Werten gerecht werden." Vielerorts bestehe Handlungsbedarf für mehr Transparenz, Professionalität und Good Governance in der Verwaltung und Finanzverwaltung der Kirche und ihrer Institutionen.
"Doch es ist positiv und anerkennenswert, dass viele Bistümer hier inzwischen auf einem guten Weg sind", so Hemel. Schließlich sei das Aufkommen des Verdachts auf Untreue im Bistum Eichstätt gerade das Ergebnis einer von den deutschen Diözesen vereinbarten Transparenzoffensive. Hemel fügte hinzu, generell müsse bei kirchlichen Finanzgeschäften darauf geachtet werden, dass dabei christliche Werte die Leitlinie blieben.