Der Europäische Karlspreis der Sudetendeutschen geht in diesem Jahr an Kardinal Christoph Schönborn. Der Wiener Erzbischof habe sich "nachdrücklich für die europäische Einigung, für die Völkerverständigung sowie für die christliche Erneuerung unserer europäischen Kultur eingesetzt", begründete der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgrupppe, Bernd Posselt, die Verleihung am Donnerstag in München. Sie findet am 19. Mai 2018 in Augsburg statt.
"Mit klaren Worten" habe der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz vielfach die Vertreibung verurteilt und sich auch gegen Widerstände unerschrocken für Frieden und Menschenrechte eingesetzt, fügte Posselt hinzu. Der aus dem böhmischen Adel entstammende Dominikaner zähle "zu den bedeutendsten Theologen der Gegenwart". "Wir sind stolz auf diesen Landsmann", erklärte der CSU-Politiker. Schönborns Vater habe Widerstand gegen die Nationalsozialisten geleistet und seine Mutter "tapfer das klassische Schicksal einer Vertriebenenfamilie gemeistert".
Die heute 97-jährige Eleonore Schönborn musste 1945 als Mutter von zwei kleinen Kindern, unter ihnen der erst neun Monate alte Sohn Christoph, in Folge der Benes-Dekrete binnen einer Stunde ihre Heimat in Skalken (Skalsko) nahe der tschechischen Stadt Litomerice (Leitmeritz) verlassen. Ihre Flucht führte sie über viele Umwege schließlich nach Schruns in Vorarlberg, wo die Familie eine neue Heimat fand.
Der Europäische Karlspreis der Sudetendeutschen erinnert an den böhmischen König und römisch-deutschen Kaiser Karl IV. und wird jährlich beim Pfingsttreffen der Sudetendeutschen verliehen. Geehrt werden "Verdienste um eine gerechte Völkerordnung in Mitteleuropa". Zu den Preisträgern zählen etliche deutsche, tschechische, slowakische und auch österreichische Politiker wie Julius Raab (1959), Otto Habsburg (1970), Alois Mock (1995), Wolfgang Schüssel (2001), Josef Pühringer (2006) und der hohe Repräsentant für Bosnien und Herzegowina Valentin Inzko (2015), sowie mit Josef Mindeszety (1975) auch ein weiterer Kardinal.