Am Sonntag, 21. Jänner 2018, fand in der Canisius-Kirche in Wien ein „Friedensgottesdienst“ statt, mit dem Pfarrer der Canisius-Kirche, Johannes Gönner, Diakon Fritz Krull, Bundesseelsorger der Katholischen ArbeitnehmerInnenbewegung (KAB) und dem als „Arbeiterpriester“ im niederösterreichischen Mostviertel bekannt gewordenen Kaplan Franz Sieder, der Anfang Jänner seinen 80. Geburtstag feierte.
Kaplan Franz Sieder sagte in seiner Predigt: „Reich Gottes im Sinne von Jesus muss immer gedacht werden auf dem Hintergrund der großen Menschheitsfragen nach Gerechtigkeit, nach Freiheit, nach Solidarität, nach einem menschenwürdigen Leben für alle Menschen unserer Erde.“
Der Kaplan zeigte die Fortschritte wie z. B. die Ächtung der Angriffskriege auf, und stellte die Frage, warum das Werden des Reiches Gottes so langsam geht: „Meine Antwort auf diese Frage ist, dass nicht Gott allein das Reich Gottes herbeiführt, sondern dass er die Menschen einlädt, am Werden einer gerechteren und menschlicheren Welt mitzuarbeiten. Viele Menschen aber sind nicht dazu bereit. Viele Menschen sind zu egoistisch und manche auch zu gleichgültig.“
Als großen Herausforderungen nannte Kaplan Sieder: „Ich denke da an die weltweite Ungerechtigkeit, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht. Ich denke an die Millionen von Hungertoten. Ich denke an den Krieg in Syrien und an den Israel-Palästina-Konflikt. Ich denke an die Flüchtlingsströme und ich denke an die fortschreitende ökologische Zerstörung unserer Erde. Warum geht da nichts weiter im Wachstumsprozess des Reiches Gottes?“
Die Ursache sieht Kaplan Sieder im Wirtschaftssystem, in dem, was er unter dem Begriff „Kapitalismus“ zusammenfasst: „Der Kapitalismus ist für mich in Strukturen gegossener Egoismus oder in Strukturen gegossene Ungerechtigkeit.“ Dieser Kapitalismus produziere „Millionen von Hungertoten“ und zerstöre die Natur. Sieder kritisierte „rechte Regierungen, wie wir sie heute in Österreich haben“, weil sie sich mit „diesem neoliberalen Wirtschaftssystem“ identifizierten.
Weil Friede im Verständnis und in der Gesinnung von Jesus die „fortschreitende Realisierung der demokratischen und sozialen Grundrechte des Menschen“ sei, forderte Sieder in seiner Predigt die Zerstörung der „weltweiten kapitalistischen Wirtschaftsstrukturen, die zutiefst ungerecht sind“. Und es gäbe auch „weltweit schon Kräfte, die daran arbeiten, diese Unrechtswand niederzureißen“ Wer diese Kräfte unterstütze, auch mit Gebet, gehöre „zu den Friedensstifterinnen und Friedensstiftern, die Jesus selig preist“.
Der Gottesdienst wurde von Pax Christi Wien und dem Wiener Friedensbüro organisiert.