Mittwoch 1. Juli 2026

Schnellsuche auf der Website

18.01.2018

Papst fordert in Chile Gastfreundschaft gegenüber Migranten und traut überraschend Paar

Appell an Gläubige: Christliche Solidarität soll allen Menschen zugute kommen.

Kurz vor dem Ende seines dreitägigen Besuches in Chile hat Papst Franziskus das Land erneut zur Einheit aufgerufen. In seiner Predigt in einem großen Gottesdienst nahe der nordchilenischen Stadt Iquique am Donnerstagmittag (Ortszeit), 18. Jänner 2018 forderte der Papst die Gläubigen besonders zur Gastfreundschaft gegenüber Migranten auf. Ebenso warb er für mehr Aufmerksamkeit gegenüber Formen der Ausbeutung, der Prekarisierung oder für fehlenden Wohnraum.

 

Iquique, was in der lokalen Sprache Aymara "Land der Träume" bedeute, wurde vom Papst beschrieben als ein "Einwanderungsgebiet" und als Ziel vieler Menschen, die eine bessere Zukunft suchen. Daher sollten die Christen "keine Angst davor haben mit anzupacken", so dass Solidarität und der Einsatz für Gerechtigkeit im christlichen Sinne allen zugutekämen.

 

Besonders würdigte Franziskus die in Nordchile verbreitete Volksfrömmigkeit. Deren Lebens- und Feierfreude sei ein großes und wichtiges Reservoir zum Einsatz für den Nächsten. Wenn die Christen Freude, Weisheit und Lebenserfahrung der verschiedenen Menschen teilten, dann geschehe das Gleiche wie bei der im Neuen Testament beschriebenen Hochzeit zu Kana: "Aus Wasser wird Wein", so der Papst.

 

Zu dem Gottesdienst auf dem Strandgelände "Playa Lobito" kamen nur wenige Zehntausend Teilnehmer, deutlich weniger als erwartet. Als Grund nannte der Chef-Organisator des Papstbesuchs in Chile, Javier Peralta, dass deutlich weniger ausländische Pilger gekommen seien als einkalkuliert. Der Park am Strand des Pazifik liegt am Rande der Atacama-Wüste; die Stadt ist eines der beliebtesten Touristenziele in Chile.

 

Zum Abschluss des Gottesdienstes verabschiedete sich Papst Franziskus von den Chilenen und dankte allen, die mit immenser Arbeit zum Gelingen des Besuches beigetragen hätten. Bei einem anschließenden Mittagessen will Franziskus noch zwei Opfer der Militärdiktatur (1973-1989) unter Augusto Pinochet (1915-2006) treffen, bevor er am Nachmittag (Ortszeit) nach Peru weiterfliegt.

 

Papst traut Paar während seines Flugs in Chile

Blitzhochzeit im Papstflugzeug: Zwei Besatzungsmitglieder eines Flugs mit Papst Franziskus nutzten die Gelegenheit, ihre kirchliche Trauung nachzuholen. Paula Podest (39) und Carlos Ciuffardi (41) aus Chile gaben sich am Donnerstag vor dem Kirchenoberhaupt noch einmal ihr Ja-Wort, nachdem sie seit acht Jahren zivil verheiratet sind. Die beiden haben bereits zwei Kinder, Raffaela (6) und Isabella (3).

 

Es war ein Vorschlag des Papstes, als sich die Besatzung während des Flugs von Santiago nach Iquique bei ihm vorstellte. Auf die Frage, ob die beiden verheiratet seien, erzählte Ciuffardi, dass ihre 2010 geplante kirchliche Hochzeit ausfallen musste, weil ihre Kirche durch ein Erdbeben zerstört worden war. Darauf fragte Franziskus laut Ciuffardi: "Wollt ihr heiraten? Dann machen wir das jetzt." Die nötigen Nachweise für die zivile Heirat waren vorhanden, ein mitreisender Kardinal stellte das Dokument über die kirchliche Eheschließung aus. Als Trauzeuge fungierte u.a. der Päpstliche Reisemarschall Mauricio Rueda Beltz.

 

Laut Vatikansprecher Greg Burke ist es das erste Mal, dass eine Trauung unter derartigen Umständen stattfand. Der päpstliche Tross war von der Aktion selber überrascht. "Ich denke, dass die Eheschließung gültig ist", meinte Burke.