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17.01.2018

Missionar der Barmherzigkeit

Priester Martin Sinnhuber erzählt er, wie er mit 18 Jahren zum „lebendig gelebten Glauben“ fand.

 

Martin Sinnhuber ist sehr froh darüber, dass er trotz anfänglicher Zweifel und Krisen Priester geworden ist. „Ich habe den schönsten Beruf, den es gibt“, ist er überzeugt. „Priester zu sein ist so vielfältig und bereitet mir nach wie vor unglaublich viel Freude.“ Seit  20 Jahren übt er diesen Beruf mittlerweile aus. Obwohl Sinnhuber lange Zeit den Wunsch nach einer eigenen Familie hegte, entschied er sich für ein Leben mit Gott.


Die erste Lebenskrise

Martin Sinnhuber stammt ursprünglich aus einem Dorf in Nord-Deutschland. Dort ist der Großteil der Bevölkerung evangelisch. So auch Sinnhubers Vater. „Meine Mutter ist allerdings katholisch, deshalb bin ich mit beiden Konfessionen aufgewachsen“, berichtet er. In seiner Kindheit erzählten ihm die Eltern immer wieder von ihrem Glauben und beteten gemeinsam mit ihrem Sohn und seinen zwei älteren Schwestern.

 

Trotzdem spielte die Religion lange keine allzu große Rolle in Martin Sinnhubers Leben. Stattdessen galt seine Leidenschaft dem Sport, vor allem Handball. „Daraus ist recht schnell Leistungssport geworden“, berichtet der heute 49-Jährige. Aus seinem Traum, den Sport zum Beruf zu machen, wurde jedoch nichts. Denn mit 18 Jahren erlebte der Geistliche seine „erste große Lebenskrise“. Damals zerbrach nicht nur seine erste Beziehung, er verlor außerdem die Freude am Handball.

 

Wenn Angst einen lähmt

„Nachdem mich als Torwart ein Ball sehr hart am Kopf getroffen hatte, konnte ich den Sport aufgrund meiner Angst vor einem erneuten Vorfall nicht mehr auf demselben Niveau wie zuvor ausüben“, erzählt er. „Somit sind in relativ kurzer Zeit zwei wesentliche Inhalte in meinem Leben weggebrochen.“


In dieser Krisensituation begann Sinnhuber mit Gott zu sprechen. An einem Abend ging es ihm besonders schlecht. „Ich sagte zu Gott: Wenn es dich wirklich gibt, dann brauche ich dich jetzt, dann möchte ich dich erfahren.“ Den tiefen inneren Frieden, den der damals 18-Jährige daraufhin verspürte, sieht er heute als den Moment an, „in dem mich Gott erreicht hat“.

 

Kurz darauf kaufte er sich seine erste Bibel und begleitete seine Schwestern zu einer Gruppe der charismatischen Erneuerung. „Dort habe ich Kirche zum ersten Mal in dieser lebendigen Form erfahren“, erzählt er. Beim Priester der charismatischen Gruppe legte er außerdem zum ersten Mal eine „befreiende Lebensbeichte“ ab.

 

Missionar der Barmherzigkeit

Kurz vor seinem Schulabschluss ging Martin Sinnhuber eine Beziehung mit einer Schulkollegin ein, die wie er erst kurz zuvor zum Glauben gefunden hatte. Gemeinsam mit ihr lernte er die Gemeinschaft Emmanuel kennen. „Diese Erfahrung war unglaublich stark für mich“, sagt der gebürtige Deutsche rückblickend.

 

Trotz seiner wachsenden Begeisterung für den Glauben stand für Martin Sinnhuber nach wie vor fest, eines Tages eine Familie gründen zu wollen. Doch schon als er sich mit seiner Freundin verlobte, spürte er tief in sich, dass das nicht der richtige Weg für ihn war. Das Paar trennte sich und Sinnhuber ging für ein Jahr in eine Glaubensschule nach Frankreich. „Am Ende dieses Jahres entschloss ich mich, ins Priesterseminar einzutreten“, erzählt der 49-Jährige.

 

Eine Entscheidung, die bis heute steht

Er überwand eine heftige Krise im vierten Studienjahr und blieb seinem Entschluss, Priester zu werden, treu. Eine Entscheidung, die er bis heute nicht bereut.


Nach einigen Jahren als Pfarrer in Münster wurde er 2015 von der Gemeinschaft Emmanuel nach Wien geschickt. Hier ist er in der Pfarre zur Frohen Botschaft tätig und geht gemeinsam mit seinem Missionsteam auf die Straße und unter die Menschen, um mit ihnen über den Glauben zu sprechen.

 

Außerdem ist er einer von tausend vom Papst gesendeten Missionaren der Barmherzigkeit. Diese dürfen Menschen von Sünden lossprechen, deren Vergebung normalerweise dem Apostolischen Stuhl vorbehalten ist. „Papst Franziskus möchte nicht, dass auf die Sünden der Menschen gepocht wird. Deswegen hat er unsere Aufgabe als Botschafter der Barmherzigekeit verlängert“, sagt Sinnhuber.

 

Denn: „Die Kirche ist zuerst eine Mutter mit offenen Armen, zu der man immer wieder kommen kann.“