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14.01.2018

Kirchen in Österreich erinnern an die jüdischen Wurzeln des Christentums

„Tag des Judentums“ als Auftakt zur „Weltgebetswoche für die Einheit der Christen“ am 17. Jänner.

Die christlichen Kirchen in Österreich begehen am Mittwoch, 17. Jänner 2018, den „Tag des Judentums“, um an die jüdischen Wurzeln des Christentums zu erinnern. Der 17. Jänner – Auftakt zur „Weltgebetswoche für die Einheit der Christen“, die alljährlich von 18. bis 25. Jänner gefeiert wird – wurde im Jahr 2000 vom Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) als „Tag des Judentums“ eingeführt. Der ÖRKÖ nahm damit einen Vorschlag der Zweiten Europäischen Ökumenischen Versammlung (EÖV2) auf, die 1997 in Graz getagt hat. Auch in Italien, Polen und den Niederlanden wird am 17. Jänner der „Tag des Judentums“ begangen. Die Kirchen gehen davon aus, dass man nicht Christ sein kann, wenn man das jüdische Erbe nicht hochschätzt. Wie es in den letzten Jahren üblich geworden ist, stattet der ÖRKÖ-Vorstand am Vormittag des 17. Jänner der Israelitischen Kultusgemeinde einen Besuch ab.

 

Der offizielle ÖRKÖ-Gottesdienst zum „Tag des Judentums“ findet am 17. Jänner um 18 Uhr in der altkatholischen Heilandskirche (1150 Wien, Rauchfangkehrergasse 12) statt, die Predigt hält die evangelisch-lutherische Oberkirchenrätin Ingrid Bachler. Der Gottesdienst steht unter einem Motto aus dem Psalm 36: „Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen“.

 

In Vorbereitung auf den „Tag des Judentums“ gibt es mehrere Veranstaltungen. So findet am Montag, 15. Jänner, 15 Uhr, an der Katholisch-Theologischen Fakultät Salzburg der Studiennachmittag „Gerechtigkeit als Anspruch“ statt. Ausgangspunkt ist die Tatsache, dass Gerechtigkeit ein zentraler Inhalt des Ersten Testaments, der hebräischen Bibel, wie auch des jüdischen Denkens ist. Das Streben nach Gerechtigkeit verbindet aber auch Judentum und Christentum. Bei der Salzburger Veranstaltung soll auch der Frage nachgegangen werden, wo „bei allem Verbindenden“ Unterschiede in den beiden Traditionen zu sehen sind. Referenten sind der Rabbinatsbeauftragte Michel Bollag und P. Christian Rutishauser SJ, beide aus Zürich, bei der Podiumsdiskussion wirken auch Prof. Kristin De Troyer und Prof. Susanne Plietzsch mit (beide aus Salzburg).

 

Am Dienstag, 16. Jänner, findet in der Bezirksvorstehung Wien-Hernals (1170 Wien, Elterleinplatz 14) um 19 Uhr zur Einstimmung auf den „Tag des Judentums“ eine Veranstaltung „in Erinnerung an das jüdische Gemeindehaus in Hernals“ statt, die der Darstellung des jüdischen Gemeindelebens in diesem Wiener Bezirk vor 1938 gilt. Dechant Karl Engelmann und die evangelische Pfarrerin Barbara Heyse-Schaefer führen durch den Abend, sie sprechen auch das christliche Schuldbekenntnis mit dem berühmten Gebet von Papst Johannes XXIII. Referierende sind u.a. der Generalsekretär der Israelitischen Kultusgemeinde, Raimund Fastenbauer, Elisabeth Lutter vom Ökumene-Ausschuss des Vikariats Wien-Stadt, die Autorin Evelyn Adunka und Michael Bubik von der „Diakonie“. Das jüdische Totengebet wird auf hebräisch gesungen und auf deutsch gelesen. Friedensbitten werden u.a. vom Vorsitzenden des ÖRKÖ, dem evangelisch-reformierten Landessuperintendenten Thomas Hennefeld, und dem katholischen Pfarrer Wolfgang Kimmel vorgetragen. Das Schlusswort spricht der Präsident des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit, em. Prof. Martin Jäggle.

 

Ebenfalls am 16. Jänner werden um 19:30 Uhr in der Grazer Synagoge am David Herzog-Platz unter dem Titel „Wenn dein Kind dich fragt…“ jüdische und christliche Zugänge zu religiöser Erziehung heute dargelegt. Es referieren der Präsident der Jüdischen Gemeinde Graz, Elie Rosen, und Prof. Andrea Lehner-Hartmann von der Katholisch-Theologischen Fakultät Wien. Die Moderation bei der gemeinsamen Veranstaltung der Jüdischen Gemeinde Graz und des Grazer Komitees für christlich-jüdische Zusammenarbeit hat die Bildungsreferentin der Katholischen Hochschulgemeinde Graz, Christine Rajic.

 

Am 17. Jänner gibt es in vielen österreichischen Städten Gottesdienste und Veranstaltungen zum „Tag des Judentums“. Das Ökumenische Forum Steiermark lädt um 19 Uhr zu einem Gottesdienst unter dem Motto "Unsere gemeinsame Hoffnung" in die Grazer Stadtpfarrkirche (Herrengasse 23) ein. Die Predigt hält Prof. Martin Jäggle.

 

In St. Pölten spricht der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker um 19 Uhr im Bildungshaus St. Hippolyt zum Thema „Martin Luther und die Juden“. Martin Luthers Äußerungen zu den Juden gehören zu den Schattenseiten des Reformators. Bischof Bünker behandelt die Frage, wie die evangelischen Kirche heute dazu stehen und was dieses belastende Erbe für ihren Einsatz gegen Antisemitismus und für den christlich-jüdischen Dialog bedeutet.