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29.12.2017

Mindestens neun Tote nach Terroranschlag auf Kirche bei Kairo

Zwei bewaffnete Angreifer attackierten koptisches Gotteshaus im Ort Helwan.

 

Bei einem Anschlag auf eine koptische Kirche nahe der ägyptischen Hauptstadt Kairo sind am Freitag, 29. Dezember 2017 laut Behördenangaben mindestens neun Menschen getötet worden. Bei dem Angriff auf die Mar-Mina-Kirche im rund 25 Kilometer südlich von Kairo gelegenen Ort Helwan seien acht Christen und ein Muslim ums Leben gekommen, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums nach Angaben der Zeitung "Al Ahram". Fünf weitere Menschen seien verletzt worden.

Laut örtlichen Medienberichten sollen zwei bislang unbekannte bewaffnete Angreifer versucht haben, in das Gotteshaus einzudringen. Einer der Täter wurde den Angaben zufolge von Sicherheitskräften erschossen. Der andere habe fliehen können, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Mena unter Berufung auf eine Quelle aus dem ägyptischen Innenministerium.

Ägyptens Kirchen sind seit Monaten in Sorge wegen drohender Anschläge durch Islamisten. "Wir nähern uns schwierigen Zeiten. Ein Ereignis wird dem anderen folgen", hatte der griechisch-orthodoxe Patriarch von Alexandrien, Theodoros II., kürzlich gewarnt.

Im vergangenen Frühjahr waren bei Terroranschlägen am Palmsonntag auf die Markus-Kathedrale in Alexandria, dem Sitz des koptisch-orthodoxen Papst-Patriarchen Tawadros II., sowie auf die Georgs-Kirche in Tanta 45 Menschen getötet worden. Ende Mai ermordeten islamistische Terroristen bei einem weiteren Angriff auf einen mit Christen besetzen Bus nahe der Stadt Al-Minya mehr als 20 Menschen. Im November forderte ein Attentat auf muslimische Gläubige in einer Sufi-Moschee im nördlichen Sinai mehr als 300 Todesopfer.

Die Kopten sind die größte christliche Gemeinschaft in Ägypten. Realistische Angaben über Mitgliederzahlen schwanken zwischen 7 und 10 Millionen unter den rund 95 Millionen Einwohnern. Nach dem Sturz von Ägyptens Diktator Hosni Mubarak 2011 wurde die Lage für die Christen unter der Herrschaft der Muslimbruderschaft (bis 2013) zunehmend prekär.

 

Für die Opfer des Anschlags auf eine koptische Kirche nahe der ägyptischen Hauptstadt Kairo am Freitag soll es ein gemeinsames Begräbnis geben. Das berichtete die Zeitung "Egypt Independent" nach Angaben der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur KNA am Samstag unter Berufung auf einen Sprecher der koptischen Kirche. Zur Zahl der Opfer gab es zunächst unterschiedliche Angaben, das Innenministerium sprach von neun Toten und weiteren Verletzten.

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi sowie Politiker weltweit verurteilten die Tat. Das Oberhaupt der koptischen Kirche, Papst-Patriarch Tawadros II., sprach den Opfern sein Beileid aus. Der Großimam der Al-Azhar-Universität, Ahmed al-Tayyeb, verurteilte die Tat und betonte laut Medienberichten, derartige Angriffe zielten darauf ab, die Einheit des Landes zu zerstören. Er forderte die Muslime in Ägypten auf, gemeinsam mit den Kopten Weihnachten zu feiern. Das koptische Weihnachtsfest fällt wie in Teilen der orthodoxen Kirche auf den 7. Jänner.

Auch der Weltkirchenrat verurteilte die Tat, ebenso das in Wien ansässige Abdullah-Dialogzentrum, das sich in einer Stellungnahme gegen Gewalt im Namen der Religion aussprach. Seine Gedanken seien bei den Opfern, ihren Familien und Freunden, schrieb Österreichs Kanzler Sebastian Kurz im Nachrichtendienst Twitter in einer Reaktion auf den Anschlag. Der Schutz von Christen in der Region habe große Dringlichkeit.

Die Behörden gehen inzwischen von einem Täter aus, der verletzt festgenommen worden sei. Medienberichten zufolge war er bereits polizeilich bekannt. Zuvor hatten Medien unter Berufung auf Augenzeugen berichtet, der Angriff sei von zwei Tätern verübt worden, einer sei von Sicherheitskräften erschossen worden.

Der Angreifer hatte am Freitagmittag versucht, in die koptische Kirche Mar Mina im Ort Helwan einzudringen, in der sich laut Medienberichten zu dieser Zeit zahlreiche Gläubige aufhielten. Dabei wurde er von Sicherheitskräften gestoppt. Der Mann soll neben einer Schusswaffe auch Sprengstoff bei sich gehabt haben. Kurz vor dem Anschlag wurden laut Medienberichten in einem Geschäft in Helwan zwei Christen erschossen. Ein Zusammenhang zwischen den Taten wird nicht ausgeschlossen. Wenige Stunden nach dem Angriff reklamierte die Terrormiliz IS die Tat für sich.

Ägyptens Kirchen sind seit Monaten in Sorge wegen drohender Anschläge durch Islamisten. Erst am vergangenen Wochenende hatte ein muslimischer Mob die koptische Kirche von Gizeh überfallen. Im Frühjahr waren bei Terroranschlägen am Palmsonntag auf die Markus-Kathedrale in Alexandria, dem Sitz des koptisch-orthodoxen Papst-Patriarchen Tawadros II., sowie auf die Georgs-Kirche in Tanta 45 Menschen getötet worden. Ende Mai töteten islamistische Terroristen bei einem weiteren Angriff auf einen mit koptischen Christen besetzen Bus nahe der Stadt Al-Minya mehr als 20 Menschen. Im November forderte ein Attentat auf muslimische Gläubige in einer Sufi-Moschee im nördlichen Sinai mehr als 300 Todesopfer.