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25.12.2017

Bethlehem: Pizzaballa übt bei Mette indirekt Kritik an Trump

Nach Einschätzung der örtlichen Franziskaner kamen weniger Menschen zur Bethlehemer Christmette als in früheren Jahren.

Mit einer Messe in der Bethlehemer Katharinenkirche haben die katholischen Christen am Sonntagabend, 24. Dezember 2017 der Geburt Christi vor über 2.000 Jahren gedacht In seiner Predigt forderte der Leiter des Jerusalemer Patriarchats, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa, die Politik zu mehr Mut auf. Er wich in seiner Predigt vom Manuskript ab und kritisierte indirekt US-Präsident Donald Trump für seine Jerusalem-Entscheidung.

"Mehr denn je brauchen wir heute eine echte und ernsthafte Politik", sagte der oberste katholische Kirchenvertreter des Heiligen Landes bei der Mitternachtsmesse in der Geburtsstadt Jesu. Es sei an der Zeit, das "Abenteuer von Frieden und Brüderlichkeit zu wagen".

Mit Blick auf die aktuelle Lage nach der Jerusalem-Erklärung Trumps betonte Pizzaballa: "Das Heilige Land ist ein faszinierendes Land, reich an Geschichte und Tradition, das wir nicht besitzen, sondern dem wir dienen sollen - für die gesamte Menschheit." Ausdrücklich verwies er auf Papst Franziskus, der Jerusalem als Stadt des Friedens bezeichnet hatte. "Das ist sie aber nicht, wenn eine Seite davon ausgeschlossen wird." - An dem Gottesdienst nahm auch Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas teil.

Zu mehr Mut rief Pizzaballa auch die Christen im Heiligen Land auf. Sie sollten ihre Heimat nicht verlassen. Sie sollten sich nicht von ihren kleiner werdenden Gemeinden, von unzureichenden Mitteln und der Unsicherheit des täglichen Lebens einschüchtern lassen. Eingezwängt zwischen Gegnern und mitunter Opfer von fremden Strategien, die ihre Kapazitäten überstiegen, dürften sie sich nicht verleiten lassen, dem Weg von Stärke und Macht zu folgen.

Nach Einschätzung der örtlichen Franziskaner kamen weniger Menschen zur Bethlehemer Christmette als in früheren Jahren. Und einmal mehr waren die Sicherheitsmaßnahmen und die Polizeipräsenz rund um die 1.500 Jahre alte Geburtsbasilika verstärkt.

2017 war dennoch ein gutes Jahr für Bethlehem - und auch für die Christen, die hier zu einem nicht geringen Teil vom Tourismus leben. Mit 2,7 Millionen Besuchern erreichten die Palästinensergebiete einen Besucherrekord, von dem besonders Bethlehem profitierte.

Doch der Boom endete abrupt mit dem 6. Dezember, als Trump Jerusalem als Hauptstadt Israels ausrief - und damit eine Protestwelle unter den Palästinensern und in der Arabischen Welt auslöste. Auch in Bethlehem kam es zu Zusammenstößen, die zwar bald abebbten - aber nicht komplett. Noch am Samstag gab es Demonstrationen am Hauptübergang nach Jerusalem, bei dem Israels Militär auch Tränengas einsetzte.

In der Stadt begann Weihnachten - wie traditionell - mit dem Einzug des Lateinischen Patriarchen von Jerusalem. Interims-Verwalter Pizzaballa kam zu Mittag über den israelischen Checkpoint. Viel Zeit nahm er sich für den Gang durch die von Tausenden Menschen gesäumten Straßen. Angeführt von Hunderten Pfadfindern mit Musikgruppen zog er bei kühlem und windigen Wetter durch die engen Gassen zur Geburtskirche. Immer wieder stockte der Zug, vor allem auf dem überfüllten Krippenplatz. Pizzaballa schüttelte Hände, die Menschen applaudierten. Nachdem sich der Patriarchatsleiter und sein Gefolge ins Franziskanerkloster zurückgezogen hatten, verteilte sich die Menschenmenge.

Rund um den Weihnachtsbaum gab es einen kleinen Weihnachtsmarkt, wo man vor der Mitternachtsmette noch Tee, Nüsse oder Popcorn erstehen konnte. Jene, die eine der 1.300 Zugangskarten erhalten hatten, mussten sich einer gründlichen Kontrolle unterziehen und Metalldetektoren durchschreiten.