Papst Franziskus hat zu Weihnachten eine "Zuspitzung der Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern" beklagt und eindringlich zu Frieden im Nahen Osten aufgerufen. "An diesem Festtag flehen wir zum Herrn um Frieden für Jerusalem und für das ganze Heilige Land; wir beten, dass sich bei den Kontrahenten der Wille durchsetze, den Dialog wiederaufzunehmen", sagte der Papst am Montagmittag, 25. Dezember 2017 auf dem Petersplatz.
Erneut forderte er eine Zwei-Staaten-Lösung in friedlicher Koexistenz, basierend auf "miteinander vereinbarten und international anerkannten Grenzen". Neben Franziskus auf der Mittelloggia des Petersdoms war auch der Vorsitzende der vatikanischen Ostkirchenkongregation, Kardinal Leonardo Sandri, zu sehen.
Außerdem geißelte das 81-jährige Kirchenoberhaupt in seiner von TV-Stationen weltweit übertragenen Weihnachtsbotschaft vor dem Segen "Urbi et orbi" Menschenhandel sowie den Einsatz von Kindersoldaten und rief erneut zur Hilfe für Migranten und Flüchtlinge auf. Konkret verwies er auf das "Drama vieler Zwangsmigranten, die sogar ihr Leben riskieren, um kräftezehrende Reisen auf sich zu nehmen, die zuweilen in Tragödien enden". Mitgefühl und eine Willkommenskultur für Vertriebene waren bereits am Sonntagabend Schwerpunkte seiner Predigt in der Christmette.
Frieden mahnte Franziskus zudem explizit in Syrien, Irak, Jemen, Afrika, Korea, Venezuela und der Ukraine an. Es gelte, Jesus in allen Kindern auf der Welt zu sehen, "wo der Frieden und die Sicherheit von der Gefahr durch Spannungen und neue Konflikte bedroht werden" sowie besonders in all denen, "für die wie für Jesus kein Platz in der Herberge ist", sagte der Papst. "Während heute Kriegsstürme über die Welt hinwegfegen und ein inzwischen überholtes Entwicklungskonzept weiterhin zum Niedergang des Menschen, des Sozialgefüges und der Umwelt führt, ruft uns Weihnachten zum Zeichen des Kindes zurück", so Franziskus wörtlich.
Es ist das fünfte Weihnachtsfest, das Franziskus als Oberhaupt von weltweit 1,2 Milliarden Katholiken feiert. Der Papstsegen "Urbi et orbi" von der Mittelloggia des Petersdoms gehört zu den Höhepunkten der Feierlichkeiten. Wie auch im Vorjahr sprach Franziskus direkt nach seiner Weihnachtsbotschaft das Angelusgebet, bevor er den Segen spendete. Rund 120 Sendeanstalten übertrugen die Zeremonie live.
Am zweiten Weihnachtsfeiertag hat Papst Franziskus Christen aufgerufen, ihren Glauben so treu zu bezeugen, wie der Heilige Stephanus. Der erste christliche Märtyrer sei bis zu seinem Tod in der Botschaft Jesu "verankert" gewesen, obwohl diese herausfordere, sagte das Kirchenoberhaupt am Dienstag, 26. Dezember 2017 nach dem Angelus-Gebet auf dem Petersplatz. "In der Tat ist die Botschaft Jesu unbequem, sie stört unsere Bequemlichkeit, denn sie fordert die weltliche religiöse Macht heraus und provoziert das Gewissen", so Franziskus. Es sei daher nötig, altes Denken aufzugeben und sich zu wandeln. Nächstenliebe und Gottvertrauen machten das Menschen der Leben reicher.
Das Angelus-Gebet sprach Franziskus wie üblich vom Fenster des päpstlichen Appartements im Apostolischen Palast aus. Anlass war das Fest des ersten christlichen Märtyrers Stephanus, das die katholische Kirche am 26. Dezember begeht. Der Petersplatz war nicht völlig gefüllt die vatikanische Gendarmerie schätzte die Teilnehmer auf 20.000. Die Weihnachtsfeiern im Vatikan finden, wie inzwischen üblich, unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt. Zugang zum Petersplatz wird nur nach Kontrolle gewährt; rund um den Vatikan sind verstärkt Polizei und Armee zu sehen.
Der Papst lud dazu ein, zu Weihnachten vor der Krippe dafür zu beten, ein gutes Leben gemäß dem Evangelium zu leben. Christus versöhne die Menschen nicht nur mit Gott, sondern auch untereinander, erklärte Franziskus: "Er ist die Quelle der Liebe, die uns für die Gemeinschaft mit den Brüdern öffnet und jeglichen Konflikt oder Groll auslöscht."
Papst Franziskus hat dem emeritierten Papst Benedikt XVI. (2005-2013) einen Weihnachtsbesuch abgestattet - wie in den Vorjahren auch. Das Treffen mit seinem 90-jährigen Vorgänger im Amt erfolgte bereits am Donnerstag und dauerte etwa eine halbe Stunde, wie das vatikanische Presseamt am Dienstag, 26. Dezember 2017 mitteilte. Franziskus traf den emeritierten Papst demnach an dessen Alterssitz in den Vatikanischen Gärten, um ihm die traditionellen Glückwünsche zum Fest zu übermitteln.
Nach den Worten des deutschen Journalisten Peter Seewald ist Benedikt XVI. generell weiterhin ein begehrter Gesprächspartner. "Bischöfe, Wissenschaftler, Wegbegleiter, einfache Gläubige, Staatsmänner, alle Welt will ihn noch sehen", sagte Seewald, der Benedikt kurz vor Weihnachten in Rom besucht hat, in einem Interview mit der Tageszeitung "Kurier" am Sonntag. Benedikt habe eine besondere Ausstrahlung. "Er hat die Aura eines Menschen, der Gott ganz nahe gekommen ist", sagte Seewald.
Auf die Frage, welchen Eindruck er vom Gesundheitszustand des 90-Jährigen gewonnen habe, sagte der Publizist und Buchautor: "Auf den ersten Blick keinen guten." Im Oktober sei Benedikt gestürzt und habe sich im Gesicht verletzt. Zuvor habe er sich einen Wirbel angebrochen. "Die Blessuren sind inzwischen verheilt, aber das Gehen fällt ihm zunehmend schwerer." Benedikt spreche "leise, ist dabei aber sehr wach und konzentriert und immer freundlich und humorvoll", so Seewald.
Er berichtete zudem, dass die Treffen zwischen Papst Franziskus und seinem Vorgänger inzwischen "relativ selten" seien. Franziskus schreibe aber gerne an Benedikt XVI., beide verstünden sich nach den Worten Benedikts gut. Auf die Frage, ob sich Benedikt in wichtige Fragen im Vatikan einmische, sagte Seewald: "Es gibt nur einen Papst. Aber natürlich sorgt sich der Papa emerito über die Lage des Christentums in Europa, vor allem über die Situation seiner Kirche."
Der Journalist fügte hinzu: "Die Unterschiede zwischen dem Pontifikat Benedikts und dem von Franziskus treten immer deutlicher zu Tage. Es ist nicht nur ein anderer Stil, es geht auch um Identität und Linie, um die Frage, gibt es überhaupt noch Sicherheiten im Glauben der katholischen Kirche?" Benedikt sei aber kein "Schattenpapst", er kommentiere die Handlungen von Papst Franziskus nicht und mische sich nicht ein.
Versuche, die beiden Päpste gegeneinander auszuspielen bezeichnete Seewald als "lächerlich". Er erinnerte daran, dass Franziskus bereits als Bischof von Buenos Aires kein Problem mit Autorität gehabt habe und damals hart durchgreifen konnte. Seewald fügte hinzu: "Was Personalentscheidungen und Personalführung von Franziskus betrifft, sind viele Beobachter nachdenklich geworden. Dass frühere Vertraute Papst Benedikts ins Hintertreffen geraten, ist nicht zu übersehen."
Seewald hatte 2016 unter dem Titel "Letzte Gespräche" ein längeres Interview mit Benedikt XVI. in Buchform veröffentlicht.