Papst Franziskus hat am Donnerstag, 21. Dezember 2017 in seiner Weihnachtsansprache vor der Kurie wie bereits in den vergangenen Jahren Intrigen und Illoyalität angeprangert. Es gebe kleine Gruppen, die von ihren vermeintlich guten Absichten überzeugt seien und sich auch zu rechtfertigen wüssten, die aber in Wahrheit "ein Krebsgeschwür" darstellten, das zur "Autoreferentialiät" führe und und ekklesiale Organismen und die darin Tätigen infiltriere, sagte der Papst laut dem vom Vatikan verbreiteten Redemanuskript.
"Wenn das passiert, dann verliert man die Freude des Evangeliums, die Freude, mit Christus zu kommunizieren und in Gemeinschaft mit ihm zu sein, das Geschenk unserer Weihe ist dann verloren", warnte der Papst.
In seiner vorjährigen Weihnachtsansprache an die Kurie hatte sich Franziskus ebenfalls zu den Widerständen in der Kurie gegen die Prioritäten seines Pontifikats geäußert und betont, dass es neben konstruktiver Kritik, Angst und Trägheit "auch böswillige Widerstände" gebe, die "oft im Schafspelz" daherkämen und sich "hinter Traditionen, Schein, Formalität und Bekanntem" versteckten. Konkrete Beispiele hatte er nicht genannt, auch diesmal tat er dies nicht. 2014 hatte der argentinische Papst seinen leitenden Mitarbeitern sogar "geistliches Alzheimer" vorgehalten und "15 Krankheiten" diagnostiziert. Franziskus brach damals erstmals mit einer Tradition: Seine Vorgänger hatten beim Vorweihnachtsempfang die Ereignisse des Jahrs Revue passieren lassen oder einen theologischen Vortrag gehalten.
Im Redetext der Ansprache von Donnerstag findet sich weiters Kritik des Papstes an "selbsternannten Märtyrern", die jedoch in Wahrheit ihren Auftrag missachteten, "Antennen im doppelten Sinn" zu sein, nämlich Instrumente zur Signal-Sendung und Instrumente zur Signal-Aufnahme. Es gebe in der Kurie beiden Gruppen, die Genannten, aber auch jene große Mehrheit treuer Menschen, die dort "mit bewundernswerter Hingabe, Loyalität, Kompetenz, Hingabe und auch mit wirklicher Heiligkeit" arbeiteten.
Ausführlich entfaltete Franziskus sein Bild der Antenne und wies auf deren Funktion zur Signaltreue - "High Fidelity" - hin: "Das Wort 'Treue' bekommt für alle, die beim Heiligen Stuhl arbeiten, einen besonderen Charakter, von dem Moment an, an dem sie sich in den Dienst des Nachfolgers Petri stellen und diesem Dienst einen guten Teil ihrer Energie, ihrer Zeit und ihrer täglichen Verpflichtungen schenken. Es ist eine ernsthafte Verantwortung, aber auch ein besonderes Geschenk, das mit der Zeit eine affektive Bindung an den Papst, ein inneres Vertrauen, einen 'sensus naturalis' entwickelt, der sich gerade mit dem Wort 'Treue' ausdrückt", so der Papst. Ausgestattet mit einer tiefen Empfänglichkeit, müssten die Dikasterien der Römischen Kurie deshalb "großzügig in den Prozess des Zuhörens und der Synodalität eintreten", skizzierte Franziskus sein Reformprojekt.
In seiner Weihnachtsansprache vor der Kurie ging der Papst auch auf die Beziehung der katholischen Kirche zu anderen Konfessionen ein und bezeichnete den Weg der Ökumene als unumkehrbar. Eine endgültige Einheit sei nur erreichbar auf dem Weg des gemeinsamen Gebets, des Dienstes an anderen und der Verkündigung des Evangeliums. An dem müssten sich alle beteiligen.
Die Beziehung der Kurie zu den einzelnen Diözesen weltweit müsse auf Zusammenarbeit und Vertrauen basieren und frei sein von Überlegenheit oder Abneigungen. Die Kurie diene nicht nur dem Papst, sondern auch den Ortskirchen und deren Hirten weltweit. Viele Bischöfe, die ihn im vergangenen Jahr besuchten, hätten sich positiv darüber geäußert, wie offen und dialogbereit sie in der Kurie empfangen worden seien. "Das freut mich sehr. Und dafür danke ich euch", lobte Franziskus.
Für den Dialog der Kurie mit anderen Religionen benannte Franziskus drei grundlegende Orientierungen: die Pflicht, zur eigenen Identität zu stehen, den Mut, der Andersartigkeit zu begegnen, sowie die Ernsthaftigkeit in den Absichten.
Insgesamt gebe es die Kurie nur, damit der Papst als Nachfolger des Petrus sein Amt ausüben könne. Wie für den Papst gelte auch die Kurie ein "Primat des Dienstes".