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21.12.2017

Weihnachten bei Kardinal Schönborn

Kardinal Christoph Schönborn teilt mit dem SONNTAG seine Gedanken rund um Weihnachten.

 

Wir treffen unseren Kardinal Christoph Schönborn in seinem Erzbischöflichen Palais zum Interview. Doch kurz bevor wir beginnen, entzündet er noch die Kerzen seines Adventkranzes. „Damit wir in eine weihnachtliche Stimmung kommen“, sagt er lächelnd.

 

Gleichzeitig verrät er, dass für ihn Weihnachten eine ganz besondere Zeit ist, auf die er sich das gesamte Jahr über freut: „Weihnachten ist das Geburtsfest Jesu. Ich stehe jedes Jahr staunend vor der Krippe und denke mir: Dieses kleine Kind in der Krippe ist der menschgewordene Gott. Dieses Gefühl ist dann unerschöpflich für das Staunen und macht für mich den Zauber der Weihnacht aus.“

 

Wie viel bedeutet Ihnen das Christkind?

Weihnachten hat eine unglaubliche Kraft, die aus genau dem heraus wirkt. Auch wenn noch so viele Elche und Weihnachtsmänner herumlaufen – das Christkind ist und bleibt das Herzstück von Weihnachten.


Ist das Christkind auch ein Symbol der Hoffnung?

Man sagt ja zu Recht, dass Weihnachten das Fest der Kinder ist. Das wird mir immer bewusst, wenn ich mir das kleine Kind in der Krippe ansehe. Und natürlich sind die Kindheitserinnerungen an Weihnachten bei vielen sehr verklärte und schöne.

 

Bei einigen sind sie aber auch mit großen Schmerzen verbunden und zu Weihnachten spürt man ganz besonders, wenn in der Familie etwas nicht stimmt. Dann kommen die Bruchlinien besonders deutlich zum Ausdruck. Darum fürchten sich viele vor Weihnachten und vor diesen Tagen, in denen die Familie eigentlich heil sein sollte. Für alle, denen es so ergeht und für uns alle, ist gerade Weihnachten und das Christkind die Hoffnung, dass es Heilung gibt.

 

Wie feiern Sie Weihnachten?
Der Weihnachtsabend schaut bei mir seit vielen Jahren gleich aus. Ich habe zuerst die Weihnachtsvesper im Dom – ein sehr schöner Beginn. Dann machen wir im Bischofshaus eine Bescherung, zu der ich immer auch ein paar alleinstehende Menschen einlade, die sonst niemanden zum Feiern hätten. Das ist schon Tradition.

 

Dabei lesen wir das Weihnachtsevangelium vor dem Christbaum und sitzen gemeinsam zu Tisch. Dann kommt immer mein persönlicher Höhepunkt: die Mette. Diese feiere ich seit mehr als 20 Jahren mit der Caritasgemeinde, also mit Menschen, denen es im Leben nicht gut geht und für die Weihnachten deshalb oft ein besonders schwieriges Datum ist.

 

Weihnachten ist ja auch das Fest der Familie. Wie ist das in Ihrem Fall? Sie haben ja zwei Brüder und eine Mutter, die in Vorarlberg lebt...

Meine Geschwister haben ihre eigenen Familien und Lebenskreise, mit denen sie Weihnachten feiern. Wir hören uns aber immer zu den Feiertagen.

 

Und meine Mutter, mit ihren 97 Jahren, feiert immer abwechselnd bei einem anderen Enkelkind zuhause. Sie ist also nie alleine. Trotzdem freue ich mich, dass ich sie nach Weihnachten ein paar Tage in Vorarlberg besuchen kann. Das ist auch schon eine schöne Tradition und sie möge noch ein paar Jahre anhalten.

 

Bekommen Sie viel Weihnachtspost?
Ja, ich freue mich über sehr viel Weihnachtspost. Oft sind das Standard-Gratulationen, aber manchmal sind es auch ganz persönliche Weihnachtsgrüße, die mich besonders berühren. Ich gestehe, dass ich selbst nicht viel Weihnachtspost schreibe, weil es in der Vorweihnachtszeit einfach viel zu tun gibt.

 

Aber ich schreibe auf jeden Fall immer einen persönlichen Brief an all meine Priester, die in der Weihnachtszeit ja besonders gefordert sind. Und ich versuche auf die persönlichen Weihnachtsgrüße zu antworten und mich zu bedanken.

 

Und wie sieht es mit Geschenken aus?
An Geschenken kommt alles Mögliche: Von Sekt, über Wein, über Krippen jeglicher Sorte, sehr viele Kekse sind dabei  – und auch Bücher. Der Weihnachtstisch ist immer ziemlich voll. Ich versuche das, was gut verteilbar ist, zu verschenken, es Menschen zu geben, die deutlich weniger bekommen als ich.

 

Haben Sie einen Tipp für Menschen, die zu Weihnachten einsam sind?

Wir haben in unserer Diözese Pfarren, die zu Weihnachten etwas für Menschen bieten, die sonst alleine feiern müssten.

 

In der Pfarre Nikolaus von der Flüe im 2. Wiener Bezirk gibt es heuer zu Weihnachten zum Beispiel eine Feier für Alleinstehende. Und ich freue mich sehr zu hören, dass diese Weihnachtsfeier sehr gut aufgenommen wird und großen Trost für viele Menschen zu bieten scheint. Ich begrüße diese Initiativen, weil sie vielen Menschen zu Weihnachten eine Hoffnung geben.


(Anmerkung der Redaktion: Liste mit einigen Weihnachtsfeiern für Alleinstehende in unseren Pfarren und Ordensgemeinschaften)

 

Gibt es ein besonderes Erlebnis in der heurigen Advent- und Weihnachtszeit, an das Sie gerne denken?
Das ist kein Ereignis, über das man in der Zeitung gelesen hätte. Sondern es sind ganz viele persönliche Begegnungen mit Menschen, die mich mit ihrem Glauben stark beeindruckt haben. Das sind persönliche Begegnungen, bei denen man merkt, dass das Evangelium angekommen ist, dass es gelebt wird, dass die Gegenwart Gottes spürbar ist. Diese Begegnungen sind für mich eine große Stärkung.

 

Ihre Weihnachtswünsche?

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern ein gesegnetes Weihnachtsfest. Möge es ein Fest der Freude sein.

Möge es ein Fest des Friedens in der Familie und in unseren Herzen sein. Und möge es auch ein Fest der Versöhnung sein.