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18.12.2017

Die Kunst des Illustrierens – Gina Müller im Gespräch

Über ihre Karte sagt sie: „Im Zentrum steht eine arme Familie, die eine Unterkunft sucht.“

 

 

Der SONNTAG, die Zeitung der Erzdiözese Wien, traf Gina Müller und sprach mit ihr über ihre kreative Arbeit, über ihren Weg zur Illustratorin und darüber, was sie persönlich mit Weihnachten verbindet.

 

 

Wie geht man an die Gestaltung einer Weihnachtskarte heran?

Diese konkrete Weihnachtskarte hier ist in Anlehnung an eine Bildreihe zum Thema Geborgenheit entstanden, die ich letzten Dezember für „Megaphon“, das Straßenmagazin der Caritas in Graz, angefertigt habe.

 

Wichtig war mir, dass die heilige Familie als einfaches, Schutz suchendes Paar mit neugeborenem Kind erkennbar ist, - ohne Prunk.

 

In diesem Falle habe ich meine Idee als Collage umgesetzt, - für andere Aufträge arbeite ich aber auch mit Tusche oder Aquarell.

 

Was verbinden Sie persönlich mit Weihnachten?

Frieden, Nächstenliebe, Wärme, Geborgenheit - im Idealfall. Das gelingt leider nicht immer.

 

Wie wurden Sie Illustratorin und wollten Sie diesem Beruf schon immer ausüben?

Ich habe Grafik Design an der Universität für angewandte Kunst bei Prof. Tino Erben studiert und eigentlich erst dort das Berufsfeld Illustration besser kennengelernt.

 

Ich habe schon immer gerne gezeichnet und war während des Studiums schon eher auf die bildnerische Ebene fokusiert, - habe verschiedenste Techniken ausprobiert. Schliesslich habe ich auch mein Diplom als Siebdruckserie gestaltet. Kurz nach dem Studium kamen dann bald die ersten Illustrationsaufträge.

 

Caroline Seidler wurde auf mich aufmerksam und seither arbeite ich mit der Agentur. carolineseidler.com sehr gut zusammen.

 

Welche Themen bearbeiten Sie besonders gerne?

Ich bearbeite sehr gerne soziale Themen, wie zum Beispiel für "Megaphon", das ich zu Beginn erwähnte.

 

Auch gesellschaftspolitische Positionen in Bildern umzusetzen finde ich spannend. Für ein Buchprojekt von Klaus Zapotocky konnte ich 36 Begriffe ganz frei und assoziativ illustrieren. Solche Aufträge sind natürlich reizvoll, vor allem, wenn man gerne in Serien arbeitet, wie ich das tue.

 

Es gibt aber natürlich auch spannende Aufträge, wo die Vorgaben ganz konkret sind, Illustrationen zu Wirschaftsthemen wie in Brandeins zum Beispiel.

 

Letztes Jahr habe ich die Zeichnungen für den Folder zur Gewaltprävention für die Erzdiözese Wien angefertigt. Auch das war eine konkrete und sehr interessante Aufgabe.

 

Warum brauchen die Menschen Bilder? Wie können Illustrationen den Zugang z. B. zu schwierigen Themen erleichtern?

Das ist die Kunst des Illustrierens - ein Gefühl oder einen Sachverhalt in einem Bild zum Ausdruck bringen. Das funktioniert über Farben, sorgsam gewählte Elemente, Gesichtsausdrücke, Perspektiven ...

 

Das Bild soll erst einmal den Betrachter neugierig machen, so dass er sich in Folge mit dem Text beschäftigen möchte.

 

Gibt es ein Wunschprojekt, das Sie gerne einmal umsetzen würden?

Im Grunde alle Projekte, wo es wenig Vorgaben gibt und ich stilistisch frei arbeiten und experimentieren kann. Toll sind natürlich auch Wandbilder, wo man die Entwürfe grosszügig und detailreich umsetzen kann.

 

Wie tanken Sie auf? Was sind Ihre Kraftquellen?

Reisen – z. B. nach Marokko ans Meer, im Sommer auf eine kroatische Insel oder auf eine Berghütte. Am wichtigsten ist, dass es still und ursprünglich ist.

 

Danke für das Gespräch!