Dieser Tage pilgern Millionen Katholiken in Mexiko zur Marienbasilika in Guadalupe. Denn zwischen 9. und 12. Dezember im Jahr 1531 erschien dort der Überlieferung nach einem Indigenen vier Mal eine Frau, die sich als Mutter Gottes bezeichnete - die Jungfrau von Guadalupe. Dem damals 57-jährigen Juan Diego erschien die Mutter Gottes auf dem Tepeyac-Hügel, wo sie ihn mit dem Bau einer Kirche beauftragte, um den Menschen "Liebe, Hilfe und Mitgefühl" geben zu können.
Damit dem Indigenen geglaubt werde, ließ sie Juan Diego trotz des Winters "kastilische Rosen" finden und hinterließ auf seinem Umhang ("Tilma") das später verehrte Bild der Madonna von Guadalupe mit Gesichtszügen einer Mestizin. Bis heute gilt als ungeklärt, wie das Bild der "Morenita" (Dunkelhäutige) auf das Gewebe gelangt ist.
Am Ort der Erscheinung wurde schließlich eine Kapelle errichtet und danach eine große Kirche. Zwischen 1974 und 1976 wurde an einer angrenzenden Seite zur alten Basilika die Nueva Basilica de Nuestra Senora de Guadalupe als Zentralbau mit einem kreisförmigen Grundriss errichtet. Architekten waren Jose Luis Benlliure, Pedro Ramírez Vazquez, Alejandro Schoenhofer, Gabriel Chavez de la Mora und Javier Garcia Lascurain. Die neue Basilika wurde gebaut unter der Prämisse, dass das Bild der Jungfrau von jedem Punkt innerhalb des Gebäudes zu sehen ist und sie eine große Anzahl von Besuchern aufnehmen kann. Sie fasst unter der 42 Meter hohen Kuppel mit ihrem Durchmesser von 100 Metern bis zu 40.000 Menschen, für die 10.000 Sitzplätze zur Verfügung stehen und gilt damit als größte katholischer Kirchenbau der Welt.
Einen Rekord verzeichnete die Pilgerstätte im vergangenen Jahr. 7,2 Millionen registrierte Pilger - so viele wie noch nie - erreichten zwischen 9. und 12. Dezember die im nördlichen Stadtteil La Villa von Mexiko-Stadt gelegene Guadalupe-Wallfahrtsbasilika. Die Gläubigen kommen aus allen Teilen Mexikos, viele davon sind zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs. 2016 kamen rund 70.000 Pilger aus dem Ausland.
Das Guadalupe-Madonnenbild hat auch in Europa Eingang in Gotteshäuser und auf Altäre gefunden. In der Wiener Votivkirche wird seit 1954 eine Kopie des Gnadenbildes verehrt, das hier im Hinblick auf die Gestalt des Bruders von Kaiser Franz Joseph I., Maximilian, Eingang fand.
Maximilian, der Initiator der Votivkirchen-Errichtung war und dessen kurze Regierungszeit als Kaiser von Mexiko 1867 tragisch endete, galt als großer Verehrer der Muttergottes von Guadalupe. Daran erinnert eine Tafel beim Altar im nördlichen Seitenschiff. Am Guadalupe-Tag, dem 12. Dezember, feiert die lateinamerikanische Community in Wien in der Votivkirche alljährlich ihre "Virgencita".
Die Guadalupe-Messe in der Votivkirche am Dienstag, 12. Dezember 2017 um 18.30 Uhr wird von zwei in Wien tätigen Priestern aus Mexiko - Jorge Francisco Curiel und Alfonso de la Parra - geleitet. Die Kollekte erfolgt zur Gänze für ein Wiederaufbauprojekt in der Folge des Erdbebens im Süden Mexikos von September 2017.
Papst Franziskus feiert am Dienstag, 12. Dezember, im Petersdom einen großen Gottesdienst mit Kardinälen aus Nord-, Mittel- und Südamerika aus Anlass des Festes der Muttergottes von Guadalupe, der Patronin Amerikas. Konzelebranten sind u.a. der Präfekt der vatikanischen Lateinamerika-Kommission, Kardinal Marc Ouellet, der Bostoner Erzbischof Kardinal Sean-O'Malley, der chilenische Kardinal Francisco Javier Errazuriz Ossa sowie der honduranische Kardinal Oscar Andres Rodriguez Maradiaga.
Zu der Messfeier um 18 Uhr werden zahlreiche in Italien lebende Lateinamerikaner erwartet. Wie in den Vorjahren wird der Papst zuvor - ab 17.15 Uhr - das Rosenkranzgebet auf Spanisch leiten. Die Fürbitten werden in den vier Hauptsprachen Amerikas - Spanisch, Französisch, Portugiesisch und Englisch - vorgetragen.