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Ordensgemeinschaften Österreichs/ Katrin Bruder
22.11.2017

Erziehung als Auftrag - Kongregation der „Armen Schulschwestern von unserer lieben Frau“

Die Kongregation der „Armen Schulschwestern von unserer lieben Frau“.

 

Beten

im Geist der seligen Maria Theresia

 

Wir  haben von unserer Ordensgründerin kein bestimmtes Gebet auf den Weg mitbekommen, aber eine spezielle Gebetspraxis“, sagt Sr. Beatrix Mayrhofer:

 

„Mutter Theresia hat sehr viel und sehr oft  auch in der Nacht gebetet. Dabei hat sie sich ganz bewusst auf den Platz eines besonders armen Kindes in der Klasse gesetzt.“

 

So ähnlich werde das auch heute von den „Armen Schulschwestern“ gemacht: „Wir setzen uns zwar nicht auf einen bestimmten Platz in einem Klassenzimmer, aber wir bewegen uns sozusagen im Gebet geistig dorthin, wo die sind, die uns am meisten brauchen.“


 

Wir ,Armen Schulschwestern‘ von unserer lieben Frau“ sind in der augustinischen Tradition beheimatet“, erklärt Sr. Beatrix Mayrhofer, Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden Österreichs und selbst Angehörige des Ordens:

 

„Unsere Ordensregel ist eine Fortsetzung, eine Neubelebung der Augustinusregel der Augustiner Chorfrauen.

 

Dazu muss man wissen, dass unsere Gründerin Maria Theresia von Jesu jahrelang bei den Augustiner Chorfrauen in die Schule gegangen ist. Das Leben der Schwestern hat sie wohl sehr geprägt.“


Nach dem II. Vatikanum wurde diese Ordensregel überarbeitet. „Genau genommen haben wir uns entschieden, sie ganz neu zu schreiben“, erzählt Sr. Beatrix: „Ganz neu meint dabei natürlich nicht, dass wir uns vom Geist, der die Regel prägt, verabschiedet hätten. Ganz neu meint vielmehr, dass wir die Ordensregel so geschrieben haben, dass sie uns als Anleitung dient, wie wir als internationale Gemeinschaft, den Herausforderungen der modernen Welt begegnen können.“

 

Dieses Neumachen sei eine echte Bereicherung gewesen, so Schwester Beatrix, „denn Veränderung ist notwendig. Das Bestreben, möglichst treu zum alten zu stehen, ist der Punkt an dem wir uns ganz schnell untreu werden.“

 

Die vorliegende Ordensregel hat nun immer noch einen sehr spirituellen Teil und auch einen sehr praktischen. „Im spirituellen Text findet sich unser Verständnis von Gelübde, von Gemeinschaftsleben. Der augustinische Geist ist dabei schon in der Anordnung der Ordensregel sichtbar, denn der erste Punkt, nach der Einleitung, ist gleich die Gemeinschaft. Dieses ,Ein-Herz-und-eine-Seele-Sein‘ prägt uns sehr“, sagt Sr. Beatrix.


Erziehung – für sich selbst und die Welt

Der Teil, bei dem es um die praktischen Aspekte des Lebens geht, beinhaltet vor allem den Auftrag durch den Dienst der Erziehung Menschen hinzuführen ,zu ihrer vollen Entfaltung als Geschöpf und Abbild Gottes, und sie zu befähigen, ihre Gaben einzusetzen, um die Erde menschenwürdig zu gestalten‘.

 

So steht es wörtlich in unserer Ordensregel“, sagt Sr. Beatrix: „Erziehung bedeutet für uns ,Arme Schulschwestern von unserer lieben Frau‘ also in einem ersten Schritt, Menschen zu ihrer vollen Entfaltung hinzuführen als Geschöpf und Abbild Gottes.

 

Und in einem zweiten Schritt sie zu befähigen, ihre Gaben einzusetzen, um die Erde menschenwürdig zu gestalten. Das bedeutet: Nicht ich will für mich allein viel lernen, damit ich viel weiß und viel verdiene, sondern ich will viel können, um das, was ich kann, einzusetzen zur Gestaltung unserer Welt im Geist des Evangeliums.“


Und: „Mit Erziehung meine ich in diesem Zusammenhang nicht nur formale Erziehung im Klassenzimmer. Denn Erziehung geschieht in jeder persönlichen Begegnung und wir sollten uns also immer die Frage stellen: Was tut ein Christ, wenn er einem anderen begegnet?

 

In unserer Tradition ist jede einzelne Ordensschwester Erzieherin – und zwar ganz unabhängig davon, was ihre konkrete berufliche Tätigkeit ist.“

 

Die Armut von heute hat viele Gesichter

Für Mutter Maria Theresia von Jesu war vor allem die Erziehung, die Bildung der Mädchen aus ärmeren Bevölkerungsschichten ein großes Anliegen. Sie ging immer dorthin, wo die Armen waren, dorthin, wo Menschen in Not waren.

 

„Deswegen ist unsere Gemeinschaft hier in Wien ja auch in Rudolfsheim-Fünfhaus. Der 15. Bezirk – das ist nicht gerade der Nobelbezirk“, sagt Sr. Beatrix.

 

1860 habe man hier mit drei Schwestern und 20 Waisenkindern angefangen. „Nach den Weltkriegen, in denen viel zerstört wurde, haben sich die Schwestern entschieden, alles wieder aufzubauen“, erzählt Sr. Beatrix.

 

Begonnen wurde mit einer Mädchenschule. Dann kam bald die Nachfrage, ob nicht Buben auch aufgenommen werden können. „Dann war der Balkankrieg mit den vielen Flüchtlingen und wir mussten die Entscheidung treffen, ob wir die Schule öffnen.“

 

Eine Entscheidung, die nicht schwer gefallen ist, wie Sr. Beatrix betont: „Wir haben gesagt: Bevor ein Kind nur im Asylantenheim sitzt, sitzt es bei uns auf der Schulbank.

 

Und ich frage jemanden, der aus dem Krieg kommt, ja auch nicht: Bist du katholisch? Ich frage: Brauchst du etwas?“ Die Schule habe sich also aus der Not des Krieges in eine katholische Privatschule gewandelt, die grundsätzlich offen ist, für Kinder aller Religionen.

 

Es gibt im Haus katholischen, evangelischen, koptischen, orthodoxen, syrisch-orthodoxen Religionsunterricht. Jeder junge Mensch geht dabei in seine religiöse Bildungseinheit. „Auch weil wir überzeugt davon sind, dass wir das ganz dringend brauchen, dass Menschen religiöse Bildung, religiöse Erziehung bekommen und religiöses Wissen erwerben.

 

Wir sollten uns doch in unserer eigenen Religion, unserer eigenen Tradition zu Hause fühlen. Denn ganz ehrlich: Nur dann wenn ich diese kenne, bin ich überhaupt gesprächsfähig, dialogfähig mit den anderen. Wenn ich von meiner Religion nichts weiß, kann ich mir eine Menge einreden lassen, wenn ich Bescheid weiß, nicht.“


Welche gesellschaftlichen Nöte die erfahrene Ordensfrau heute außerdem sieht?

 

„Wir Schulschwestern begegnen hier Tag für Tag der Bildungsnot“, sagt Sr. Beatrix: „Wenn etwa das staatliche Bildungssystem zwar da ist, aber es auch darum geht, den Kindern eine gute, ganzheitliche Bildung anzubieten und sie, wenn nötig, aufzufangen, ihnen Geborgenheit zu vermitteln, und das Gefühl, geliebt zu sein.

 

Wenn es also darum geht, dass Schule auch so etwas ist, wie Lebensgemeinschaft – also nicht nur Lernort. Ich glaube, dass viele Kinder heute die Not haben, dass kaum jemand für sie Zeit hat. Ich sehe da ganz große Herausforderungen für jetzt aber auch für die Zukunft.“