Am frühen Samstagmorgen, 18. November 2017 ist in Bonn der Weltklimagipfel zu Ende gegangen. Kurz vor Abschluss der Verhandlungen einigten sich die Delegierten darauf, den sogenannten Anpassungsfonds unter das Dach des Pariser Klima-Abkommens zu nehmen. Mit dem Geld aus dem Fonds sollen die Folgen des Klimawandels in armen Ländern abgemildert werden. Da er im 2020 auslaufenden Kyoto-Protokoll verankert ist, war seine Zukunft zunächst ungewiss; nun gilt er weiter. Wegen Unstimmigkeiten über den Anpassungsfonds hatte sich der Konferenzabschluss verzögert. Kirchliche Organisationen zogen nach dem Gipfel eine gemischte Bilanz. "Einen halben Schritt weiter, aber die Uhr tickt", resümierte etwa die Koordinierungstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für Internationale Entwicklung und Mission (KOO).
Ein wesentliches Ergebnis der zweiwöchigen Verhandlungen ist die Einführung des sogenannten Talanoa-Dialogs - auf den Fidschi-Inseln ein Begriff für den Austausch mit allen Beteiligten. Das Instrument soll den Staaten eine Bestandsaufnahme zur Wirkung bisheriger Klimaschutzmaßnahmen ermöglichen und zu ehrgeizigerem Handeln motivieren, um die globale Klimaschutzlücke zu schließen. Fortschritte gab es auch beim sogenannten Regelbuch, also den Ausführungsbestimmungen für das Pariser Abkommen. Dabei geht es zum Beispiel um die Frage, wie die Staaten ihre Treibhausgasemissionen messen und darüber berichten.
An der Konferenz hatten 25.000 Delegierte aus 197 Nationen unter der Präsidentschaft der Republik Fidschi teilgenommen. Das nächste Treffen findet im Herbst 2018 im polnischen Kattowitz statt.
Mit Lob und Kritik reagierte die Koordinierungstelle der Bischofskonferenz auf die Ergebnisse des Klimagipfels. Man sei "einen halben Schritt weiter, aber die Uhr tickt", resümierte die KOO. So sei zu begrüßen, dass die Verhandlungen bisher in einigen Bereichen Fortschritte erzielt haben und dass die Österreichische Delegation dabei erfolgreich mitgewirkt hat. Dennoch sei der Ausgangspunkt für den Abschluss der Verhandlungen zum Regelbuch im nächsten Jahr in Polen unter der EU Ratspräsidentschaft von Österreich sehr schwierig.
Gleichzeitig erinnerte die KOO daran, dass Österreich bei der Klimakonferenz massiv in Kritik geraten sei, nachdem zahlreiche Berichte die schlechte Klimabilanz der letzten Jahre offenbarten. So zeigte der Klimaschutzbericht des Umweltbundesamts einen ansteigenden Trend bei den Treibhausgasemissionen, die zuletzt deutlich um 3,2 Prozent gestiegen sind. Bei der Klimakonferenz in Bonn werde festgehalten, dass auch die Zeit vor 2020 und insbesondere die für 2018 vorgesehene Überprüfung des globalen Fortschritts genutzt werden soll, um sinnvolle Maßnahmen auf den Weg zu bringen. "Diesen Passus sollte sich vor allem die kommende Regierung in Österreich dringend zu Herzen nehmen", hielt die KOO in ihrer Aussendung fest.
Positiv sei zu bewerten, dass nach jahrelangem Ringen die heurige Konferenz beim Thema Landwirtschaft im Klimawandel endlich einen Durchbruch erzielen konnte. Auf der Haben-Seite bei der Bilanz des Klimagipfels stehe auch der Gender-Aktionsplan und die Wissensplattform für indigene Bevölkerung, auf die sich die 195 Vertragsstaaten der UN-Klimarahmenkonvention einigen konnten.
Besonders reiche Staaten müssten ihre Zusagen und Zahlungen für Klimafinanzierung erhöhen, betonte die KOO. Da der österreichischen Regierung mit der EU Ratspräsidentschaft im nächsten Jahr eine ganz besondere Rolle bei der Klimakonferenz zukommt, "muss Österreich jetzt schon zeigen, dass es ein verlässlicher Klima-Partner für Entwicklungsländer ist und seine Zusagen für die Finanzierung von Klimaanpassung erhöht und über 'Loss and Damage' nachdenkt", erklärte Heinz Hödl, Geschäftsführer der KOO.
Bei der Klimakonferenz COP24 in Katowice (Polen) sei Österreich aufgrund der EU Ratspräsidentschaft besonders gefordert: Es gelte den offenen Geist der heurigen Fidschi-Präsidentschaft in das nächste Jahr mitzunehmen und in Polen zu einem ambitionierten und zielführenden Ergebnis zur Umsetzung des Pariser Abkommens zu führen. "Nur wenn wissenschaftliche Fakten, die ethische Verantwortung und politischer Wille gemeinsam in die Verhandlungen einfließen, werden die Klimaziele von Paris erreicht werden können", heißt es in der Aussendung.