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17.11.2017

Kirchliche NGOs zu COP23: Trotz Finanzstreit Fortschritte in Bonn

Zwei Woche lang hatten rund 25.000 Delegierte in der Bundesstadt am Rhein über die Umsetzung des 2015 abgeschlossenen Klima-Abkommens von Paris beraten.

Die Weltklimakonferenz in Bonn ("Cop23") geht am Freitagabend, 17. November 2017 zu Ende. Die nächste Konferenz im Herbst 2018 findet im polnischen Kattowitz statt. Freitagnachmittag waren noch einige Streitfragen hinsichtlich der Finanzhilfen für Entwicklungsländer ungeklärt. Nach Ansicht des deutschen kirchlichen Hilfswerks "Misereor" und weiterer katholischer NGOs habe es in Bonn insgesamt aber Fortschritte bei der Umsetzung des Klima-Abkommens von Paris gegeben. 

 

"Dieser Prozess braucht eine Struktur, und daran haben die Delegierten gearbeitet", sagte Kathrin Schroeder, Klima-Expertin des katholischen Werks für Entwicklungszusammenarbeit am Freitag in einem Interview der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA.

 

Zwei Woche lang hatten rund 25.000 Delegierte in der Bundesstadt am Rhein über die Umsetzung des 2015 abgeschlossenen Klima-Abkommens von Paris beraten. Abgesteckt wurde ein Rahmen für ein Regelbuch, dass beispielsweise die Fortschritte beim Klimaschutz transparent machen soll. Ziel bleibt, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf deutlich unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Niveau zu begrenzen.

 

Drei weitere Punkte halte sie davon abgesehen inhaltlich für "spannend", so Schroeder. "Auf der Konferenz wurde erstens klar, dass wir weitere wissenschaftliche Analysen zum Klimawandel brauchen, und zweitens, dass wir noch mehr auf besonders verwundbare Gruppen wie etwa die Indigenen schauen müssen." Drittens hätten die Delegierten nach langwierigen Verhandlungen ein Arbeitsprogramm zur Landwirtschaft auf den Weg gebracht.

 

Kritisch äußerte sich die Misereor-Mitarbeiterin mit Blick auf die finanzielle Unterstützung von Entwicklungsländern bei Anpassungsmaßnahmen und der Bewältigung der jetzt schon eingetretenen Schäden durch den Klimawandel. Hier herrsche noch "große Uneinigkeit", so Schroeder. "Das Thema Klimafinanzen steht oft wie der weiße Elefant im Raum." Ohne zusätzliches Geld oder entsprechende Zusagen könnten jedoch gerade Entwicklungsländer weder Klimaschutzpläne aufstellen noch umsetzen. "Und dann kommen eben noch die Schäden und Verluste hinzu, die sich gar nicht mehr aufhalten lassen."

 

Auf die Frage, wie sich Deutschland bei der Weltklimakonferenz präsentiert habe, antwortete die Klima-Expertin: "Dass Deutschland seine Klimaziele für 2020 aller Voraussicht nach verfehlen wird, ist wirklich ein Problem." Das hätten viele Entwicklungsländer deutlich gemacht. "Insgesamt müssen die Industriestaaten deutlich mehr tun beim Klimaschutz und zwar vor 2020, also bevor das Abkommen von Paris und die nationalen Klimapläne greifen."

 

Der auch in die Erstellung der Papstenzyklika "Laudato si" einbezogene Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans Joachim Schellnhuber, bilanzierte am Freitag in Bonn, es habe "eine starke Symbolik" gegeben. Das reiche Deutschland habe als technischer Gastgeber die Klimakonferenz mit und für den armen Inselstaat Fidschi organisiert, der "durch den Klimawandel wortwörtlich vom Untergang bedroht" sei.

 

"Damit dies aber nicht bloße Symbolpolitik bleibt, muss Deutschland jetzt auch wirklich seine CO2-Emissionen schnell und stark senken", mahnte Schellnhuber. "Den Betroffenen des Klimawandels auf der Bühne zu applaudieren und dann aber weiter ungehemmt Kohle zu verbrennen, wäre wirklich verlogen."

 

"Herbe Enttäuschung" für kleine Inselstaaten

Die Klimareferentin des evangelischen Hilfswerks "Brot für die Welt", Sabine Minninger, sagte am Freitag, für die kleinen Inselstaaten, zu denen Gastgeber Fischi gehört, sei das Ergebnis der Bonner Klimakonferenz eine "herbe Enttäuschung". Das für die Pazifikstaaten so wichtige Thema der klimabedingten Schäden und Verluste ("Loss and Damage") sei "erneut unter den Tisch gefallen", kritisierte die Klimareferentin. Der Versuch, bereits eingetretene Schäden in Folge des Klimawandels höher auf die klimapolitische Agenda zu setzen, seien am Desinteresse der reicheren Staaten gescheitert.

 

"Es ist eine klimapolitische Bankrotterklärung, dass die kleinen Inselstaaten mit leeren Händen nach Hause fahren", so Minninger. Die vom Anstieg des Meeresspiegels bereits jetzt bedrohten Länder wollten ernst genommen werden und über Geldquellen zur Finanzierung der Schäden verhandeln. "Die Menschen im Pazifik, in der Karibik und anderen von Stürmen und Überschwemmungen besonders betroffenen Regionen warten vergeblich auf weltweite Solidarität", sagte die Klimaexpertin.

 

Für 2017 rechnen Forscher erstmals nach drei Jahren wieder mit einem Anstieg der CO2-Emissionen. Wie dramatisch die Folgen des Klimawandels bereits jetzt sind, zeigte der während der Konferenz in Bonn vorgestellte Klima-Risiko-Index von Germanwatch: Demnach starben in den vergangenen 20 Jahren 524.000 Menschen durch extreme Wetterereignisse. Die wiederum stünden in einem Zusammenhang mit dem Klimawandel: So spielten steigende Meerestemperaturen bei der zunehmenden Intensität von Stürmen eine entscheidende Rolle.

 

Technische Verhandlungen statt spektakulärer Botschaften und Bilder - darauf stimmte Deutschland als "technischer Gastgeber" die Teilnehmer und Journalisten zu Beginn des Treffens ein. Eines der wichtigsten Ziele wurde tatsächlich erreicht: den Rahmen für ein "Regelbuch" zur praktischen Umsetzung des Abkommens von Paris abzustecken.

 

Dass der Ausstieg aus der fossilen Energie im Kampf gegen den Klimawandel unumgänglich ist, scheint sich auf internationaler Ebene weitgehend durchgesetzt zu haben. Schließlich lassen sich nur so die CO2-Emmissionen tatsächlich substanziell zurückfahren. Der Druck, von Kohle und Co Abschied zu nehmen, wächst.

 

In Bonn formierte sich auf Betreiben von Kanada und Großbritannien ein Bündnis, das diesen Schritt beschleunigen will. Allerdings hielten sich die Initiatoren mit konkreten Ansagen zurück. Außerdem traten erst 16 Staaten bei, darunter die nicht gerade als "Klimasünder" bekannten Marschallinseln oder Costa Rica.

 

Dauerthemen Ausstieg und Finanzen

Zu einer Art Dauerthema ist neben dem Fossilausstieg das Thema Klimafinanzen geworden. Dabei geht es um die Frage, wie vor allem die armen Staaten finanziell unterstützt werden, um sich an den Klimawandel anzupassen und selbst Klimaschutz anzugehen. Noch immer sehr vage ist der zukünftige Umgang mit den Schäden und Verluste durch den Klimawandel.

 

Mit Spannung erwartet wird schon jetzt der Bericht, den der Weltklimarat IPCC vor dem Treffen in Kattowitz vorlegen will. Diese Zusammenfassung und Bewertung der weltweiten Forschungsergebnisse soll die wissenschaftliche Basis für die weiteren Gespräche auf politischer Ebene legen und dabei helfen, den mit dem Abkommen von Paris 2015 in Gang gesetzten Verhandlungsprozess voranzubringen.

 

Brief an Trump

In einem Brief an US-Präsident Donald Trump und den Kongress forderten 161 katholische Organisationen in den USA die Rückkehr zu einer Klimaschutzpolitik. Das Schreiben wurde symbolisch zum Abschluss der Weltklimaschutzkonferenz verschickt. Zu den Unterzeichnern des Briefes zählen mehrere Führungspersönlichkeiten katholischer Wohltätigkeitsorganisationen der USA, Hilfsdienste sowie Pax Christi USA.

 

Für die katholische Kirche sei die Bekämpfung des Klimawandels "eine moralische Frage", heißt es in dem Brief. Ausdrücklich forderten die Unterzeichner die US-Regierung auf, sich wieder am internationalen Klimaschutz zu beteiligen. Trump hatte im Juni angekündigt, zum frühestmöglichen Termin aus dem Pariser Klimaschutzabkommen auszusteigen.

 

Das Schreiben an die US-Regierung ist das zweite seitens der US-Katholiken zum Umweltschutz binnen weniger Tage. Vergangene Woche hatte die US-Bischofskonferenz den Kongress aufgefordert, die für den Klimaschutz zuständigen Institutionen weiter finanziell zu unterstützen.

 

Die katholische US-Frauenorganisation (LCWR) erklärte, der Brief belege, dass die katholische US-Gemeinde den Aufruf von Papst Franziskus und seinen Vorgängern respektiere, eine ganzheitliche, "integrale Ökologie" zu fördern.

 

Mit seiner Ankündigung, das Pariser Abkommen verlassen zu wollen, sorgte US-Präsident Donald Trump im Sommer für Schlagzeilen. Konsequenterweise spielte die US-Delegation in Bonn eine schwache Rolle. Dass man das Land beim Klimaschutz trotzdem nicht abschreiben sollte, belegten zahlreiche Initiativen auf Ebene etwa der Städte und Bundesstaaten. Dazu kamen Auftritte von Prominenten wie Ex-Vizepräsident Al Gore, Hollywoodlegende Arnold Schwarzenegger oder New Yorks Ex-Bürgermeister Michael Bloomberg. Einzig der im Vorfeld immer wieder angekündigte Filmstar Leonardo DiCaprio fehlte.

 

In Bonn wurde zudem deutlich, dass viele Akteure aus ganz unterschiedlichen Bereichen - von Nichtregierungsorganisationen über Wissenschaft bis hin zu Gemeinden - längst auf dem Weg zu mehr Klimaschutz sind. Diese Akteure besser miteinander zu vernetzen und die mitunter verwirrende Vielfalt von Initiativen zu bündeln, ist eine Herausforderung, die sich lohne, hieß es.