Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat am Donnerstag, 16. November 2017 den Malteserorden in Rom besucht. Angesichts der vielen derzeitigen Konflikte seien sich Österreich und der Malteserorden einig, dass dringend "neue und wirksame Modelle humanitärer Hilfe" gesucht werden müssten, so Van der Bellen laut einer Pressemitteilung des Malteserordens. Es war der erste Besuch des neuen österreichischen Bundespräsidenten in der Ordens-Zentrale auf dem Aventin-Hügel in Rom.
Bei seinem Treffen mit Großmeister Fra Giacomo Dalla Torre del Tempio di Sanguinetto ging es den Angaben nach um die vielfältigen Möglichkeiten einer Zusammenarbeit im Medizin- und Gesundheitsbereich, sowie bei der Hilfe für Flüchtlinge und Migranten. Beide Seiten lobten die guten Beziehungen, die seit mehr als 200 Jahren bestehen. Dalla Torre dankte Van der Bellen für die Unterstützung des Ordens durch Österreich, der etwa das Wirken des Malteser Hospitaldienstes ermögliche.
Besonders würdigte der Großmeister ebenso ein 2006 von Österreich mit dem Orden geschlossenes Abkommen zur Zusammenarbeit. Dies sei auch heute noch wirksam und trage etwa zur Finanzierung eines Krankenhauses in Bethlehem bei.
Malteser-Großkanzler Albrecht von Boeselager warnte bei dem Besuch vor einer Eskalation der Flüchtlingssituation in Jordanien und im Libanon. "Europa muss sich noch mehr engagieren. Wenn diese Länder fallen, dann gnade uns Gott", sagte er. Die Zahl der Flüchtlinge im Libanon entspreche bereits rund einem Drittel der Bevölkerung des Libanon. Aktiver Grenzschutz sei zwar "schon in Ordnung", er sehe das Problem bei der aktuellen europäischen Politik vor allem darin, "dass sie zwar dichtmacht, sich aber nicht darum kümmert, dass die Menschen wieder in ihre Herkunftsländer zurückkehren können."
Am Abend besucht Österreichs Staatsoberhaupt die katholische Gemeinschaft Sant'Egidio im römischen Stadtteil Trastevere. Im Gespräch mit deren Leitung wollte sich Van der Bellen über die Arbeit der Gemeinschaft mit Flüchtlingen und Migranten informieren.
Am Morgen hatte Van der Bellen Papst Franziskus getroffen. Beide sprachen seiner Aussage nach bei der 25-minütigen privaten Begegnung über Umweltschutz, die Flüchtlingsfrage sowie Friedenspolitik. Einig seien sie sich auch bei der Forderung eines Atomwaffenverbotes und der Abschaffung der Todesstrafe gewesen.
Zum Abschluss seines eintägigen Besuches in Rom hat sich Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen am Donnerstagabend mit der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio getroffen. In den Gesprächen mit Sant'Egidio-Gründer Andrea Riccardi und dem aktuellen Leiter der Gemeinschaft, Marco Impagliazzo, ging es um die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen und Migranten sowie um Friedensvermittlungen in Krisengebieten. Auf beiden Gebieten ist Sant'Egidio international tätig.
Teil des Programms von Van der Bellen am Hauptsitz der mit dem Vatikan eng kooperierenden Gemeinschaft im römischen Stadtteil Trastevere war ein Gespräch mit 16 Flüchtlingen aus 15 Ländern, die dem Bundespräsidenten von ihren Schicksalen berichteten. Einige leben sind schon lange in Italien, sind teilweise selber als Sprachlehrer und Integrationslotsen tätig.
Van der Bellen bekräftigte dabei noch einmal, dass Integration nur gelinge, wenn beide Seiten ihren Teil dazu beitrügen. Dazu brauche es Respekt und Hilfe vonseiten der Gastgeber sowie Anstrengung und das Bemühen um Verständnis auf der Seite der Neuankömmlinge. Dann könne daraus eine "eine wunderbare Vielfalt" entstehen. Integration sei allerdings ein langwieriger Prozess, der Ausdauer erfordere. Da dürfe man sich keine Illusionen machen, so Van der Bellen.
Bei einem Treffen mit der Spitze des Souveränen Malteserordens am Nachmittag hatte sich Van der Bellen laut Medienberichten unter anderem dafür stark gemacht, den Brennerpass offen zu halten. Dieser sei "nicht nur eine Grenze zwischen Italien und Österreich", sondern habe für die Europäische Union auch eine symbolische Bedeutung. "Ich werde alles, was in meiner Macht steht, tun, damit diese Grenze offen bleibt", sagte der Bundespräsident.