Beten im Geist und mit den Worten von
P. Franziskus Maria vom Kreuze Jordan
O Gott,
mein bester Vater,
hilf mir,
Du weißt alles.
Auf dich vertraue ich,
Du vermagst ja alles.
Dein bin ich.
GT, III, S. 35-36
P. Jordans Tagebuch ist durchzogen von Stoßgebeten. Er ermutigt sich immer wieder neu zum Vertrauen und wirft sich gleichsam in die Arme Gottes. Ein anderes Wort lautet: „Tauche ein in den Ozean der Liebe deines Gottes.“

In enger Beziehung und aus der tiefen Verbundenheit mit Jesus Christus zu leben und zu handeln – das ist jeder Salvatorianerin ein Herzensanliegen, sagt Schwester Brigitte Thalhammer SDS über „ihre“ Ordensgemeinschaft der Salvatorianerinnen.
„Wir sehen Jesus Christus als den Heiland in der Mitte unserer Glaubenspraxis – als den, der aufrichtet und zum Leben befreit.“
Den Salvatorianerinnen gehe es stets um eine ganzheitliche Sicht, um das Heil des ganzen Menschen.
Das Hochfest der Ordensgemeinschaft ist wohl auch deshalb Weihnachten – das Fest der Menschwerdung: „Gott ist uns Menschen in allem liebend nahe. Das wird in Jesus Christus zutiefst erfahrbar. Er eröffnet uns eine Nähe und Beziehung zu Gott, unserem Ursprung, die uns zutiefst leben lässt – hier und jetzt und über den Tod hinaus! So sind wir Zeuginnen des Lebens und der Hoffnung.
Das Wort Gottes ist dabei das „tägliche Brot“. „Unsere Gebetsweisen sind vielfältig und umspannen das kirchliche Stundengebet bis hin zu kontemplativer Stille“, sagt Sr. Brigitte Thalhammer. Das Beten des Rosenkranzes, regelmäßige Bibelgespräche, freies Beten und das Feiern von Wortgottesfeiern werden ebenfalls gepflegt. „Die tägliche Eucharistiefeier wird in jenen Gemeinschaften gefeiert, wo ein Priester vor Ort lebt. Viele Salvatorianerinnen sind auch in örtlichen Pfarren beheimatet.“
Das alles ist den Salvatorianerinnen von ihrem Gründer P. Franziskus Maria vom Kreuze Jordan mitgegeben worden. 1881 gründet P. Jordan die „Apostolische Lehrgesellschaft“ und formuliert dafür eine eigene Regel.
Aufgrund kirchlicher Vorgaben musste er diese Ursprungsregel aber überarbeiten und legte damit den Grundstein für die neue Ordensgemeinschaft der Salvatorianer. Am 8.12.1888 gründete er, gemeinsam mit Therese von Wüllenweber, die Salvatorianerinnen.
Im Zuge des 2. Vatikanischen Konzils wurde die Regel dann nochmals überarbeitet und 1985 vom Vatikan anerkannt. „Sie ist sehr christuszentriert formuliert und ist für uns Salvatorianerinnen Inspiration, Ermutigung, Richtschnur und gemeinsame Verständigungsrichtlinie. Gleichzeitig eröffnet unsere Lebensregel eine große Weite und Gestaltungsspielraum für jede einzelne Schwester“, sagt Sr. Brigitte Thalhammer.
Beide Gründungsgestalten bezeichnet sie als bemerkenswerte Persönlichkeiten: „An P. Jordan fasziniert mich, wie offen und modern er denkt. Gegen die Nationalstaatlichkeit seiner Zeit hatte er das ,Alle‘ im Blick.
In einer Zeit, wo Frauen noch wenig Rechte haben, sieht er pastorale Aufgaben auch für Frauen und er weiß nicht nur um die Notwendigkeit für soziales Engagement, sondern will Not an der Wurzel bekämpfen, indem sich der Mensch seiner eigenen Würde bewusst wird – und der Würde des Nächsten.“
An Therese von Wüllenweber berührt sie vor allem, dass sie eine Frau gewesen ist, die ihrer Sehnsucht treu geblieben ist. „Über viele scheinbare Umwege führte sie ihr Weg, bis sie dann mit knapp 50 Jahren dem 34-jährigen P. Jordan begegnete – und wusste: Das ist mein Platz! Auch wenn sie noch einige Jahre warten musste, bis die Gründung der Salvatorianerinnen tatsächlich Form annahm.“
„Unsere Ordensregel wurde sehr weise formuliert: weit und klar“, betont Sr. Brigitte Thalhammer: „Und so erlaubt sie jeweils neue Deutungen und Interpretationen, die den Herausforderungen der Zeit gerecht werden.“
Die Lebensregel dient demnach dem Leben mit einem guten Rahmen und zugleich Freiraum. „Lebenslang gebunden an Jesus Christus in der Gemeinschaft der Salvatorianerinnen leben wir einen einfachen, solidarischen und verfügbaren Lebensstil.
Wir leben in Gütergemeinschaft und teilen, was wir haben. Beim Treffen von weitreichenden Entscheidungen hören wir aufeinander und auf die Verantwortlichen. Unsere Verfügbarkeit zeigt sich dadurch, dass wir uns an Jesus binden, nicht an Menschen. Selbstverständlich ist, dass wir uns durch ,unserer Hände Arbeit‘ erhalten.“
Die Ordensregel der Salvatorianerinnen ist auf jeden Fall auch heute noch „höchst aktuell“, betont Sr. Brigitte Thalhammer: „Wir sind ja wieder in Umbruchszeiten und auch heute sind viele Menschen ,unbehaust‘.“ Sich die Frage zu stellen, „was Orientierung gibt oder wo heilsame Begegnung möglich ist – im Gegensatz zu hohem Leistungsdruck und Selbstoptimierung, ist dabei sehr wichtig“.
Ebenso sei das Anliegen der sogenannten Universalität hochaktuell. „P. Jordan war das ,Alle‘ wichtig. In Zeiten, wo wieder Nationalismen auftauchen und Grenzen hochgezogen werden, ist das ein wichtiger Kontrapunkt.“ Und auch in der Kirche bleibe P. Jordan aktuell. „Ihm war es ein Herzensanliegen, dass auch Laien das Evangelium, die Frohe Botschaft verkünden – auch im Wirtshaus, am Stammtisch.
Das ,zu den Menschen gehen‘, ,bei und mit den Menschen sein‘ sowie ,die Presse miteinzubeziehen‘ – heute Social Media – war und ist Thema!“, sagt Sr. Brigitte Thalhammer: „Frauen und Männer sollen das Evangelium verkünden. Alle sollen die Liebe Gottes erfahren. Mit allen Mitteln, die die Liebe Christi eingibt.“
Die weltweite Gemeinschaft, bestehend aus Salvatorianern, Salvatorianerinnen und Salvatorianischen Laien ist bereits auf allen fünf Kontinenten verbreitet.
„Wichtig ist uns auch, dass durch unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ,der Geist‘, ,das Charisma‘, ,das Salvatorianische‘, sprich ,heilsam da sein für die Menschen‘, weitergetragen wird und lebendig erfahrbar bleibt.“
Durch ihren Gründer sind die Salvatorianerinnen mit verschiedenen großen Ordensspiritualitäten verbunden. P. Jordan war geprägt von ignatianischer Spiritualität. Zugleich war er auch vom Heiligen Franziskus fasziniert und nahm nicht von ungefähr den Ordensnamen Franziskus Maria vom Kreuze Jordan an.