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04.11.2017

Historischer Besuch: Patriarch Rai reist nach Saudi-Arabien

Maronitischer Kardinal-Patriach wird auch mit König Salman und Kronprinz Mohammed bin Salman zusammentreffen.

Der libanesische Patriarch Bechara Boutros Rai hat einen offiziellen Besuch in Saudi-Arabien angekündigt. Das Oberhaupt der mit Rom verbundenen maronitischen Kirche bestätigte am Freitag, 3. November 2017, dass er auf Einladung von König Salman und Kronprinz Mohammed bin Salman schon "innerhalb der kommenden zwei Wochen" in das streng islamische Königreich reisen werde. Rai, der auch Kardinal der katholischen Kirche ist, sagte laut dem Pressedienst "Asianews" im libanesischen Fernsehen, es handle sich um eine eintägige Visite. Die Gastgeber hätten "keine besonderen Bedingungen" gestellt. Rai erinnerte weiter daran, er habe bereits 2013 eine Einladung nach Riad von dem damaligen König Abdullah (1924-2015) erhalten; die Reise habe jedoch "aus verschiedenen Gründen" nie stattgefunden.

Der Besuch von Patriarch wäre die erste offizielle Visite eines christlichen Kirchenoberhauptes in Riad seit langer Zeit. Nach Angaben des Pressedienstes der Wiener Stiftung "Pro Oriente" hat bisher nur der damalige griechisch-orthodoxe Patriarch von Antiochien, Elias IV., im Jahr 1975 offiziell Saudi-Arabien besucht. Jedenfalls wäre Rai der erste Kardinal, der offiziell als Gast der Regierung nach Saudi-Arabien kommt.

Der Besuch könnte der Beginn einer neuen Haltung Saudi-Arabiens gegenüber anderen Religionen sein", sagte der Apostolische Vikar für das südliche Arabien, Bischof Camillo Ballin, am Freitag im Gespräch mit der katholischen Nachrichtenagentur "Fides". Zu dem Besuch wurde Patriarch Rai demnach vom Geschäftsträger der saudischen Botschaft im Libanon, Walid Bukhari, eingeladen. Er hatte Rai am 1. November in dessen Patriarchalresidenz in Bkerke besucht.

Saudi-Arabien verbietet im Sinn der wahabitischen Ideologie auf seinem Territorium den christlichen Gottesdienst und schon gar den Bau von Kirchen, obwohl zahlreiche christliche Arbeitsmigranten in dem Land leben, unter ihnen mindestens 1,5 Millionen Katholiken, die vor allem aus Indien und von den Philippinen stammen. Riad unterhält keine diplomatischen Beziehungen zum Heiligen Stuhl, doch am 6. November 2007 wurde der damalige König Abdullah von Papst Benedikt XVI. in Audienz empfangen. Er war damit der erste saudische König, der einen Papst besucht hatte.

Der maronitische Patriarch wie auch der Libanon verstehen sich als Brücke zwischen der arabischen Welt und dem Westen. Laut "Asianews" wird erwartet, dass Rai während seines Kurzbesuchs unter anderem den Nahostkonflikt und den Status Jerusalems anspricht.

"Fides" ordnete die Einladung Rais in den Kontext einer neuen Strategie der saudischen Regierung gegenüber dem Libanon ein. Riad will ein Gegengewicht zu den sich konsolidierenden Beziehungen zwischen dem Iran und dem Libanon schaffen. Bereits Ende Oktober hatte der libanesische Premierminister Saad Hariri den Kronprinzen Mohamed bin Salman und den saudischen Untersekretär für die Beziehungen zu den Golfländern, Thamer al Sabhan, in Riad besucht. Die maronitischen Politiker Samir Geagea und Sami Gemayel wurden vom saudiarabischen Kronprinzen bereits im September empfangen.

Das saudische Königshaus brachte in jüngerer Zeit eine Reihe von Reformen auf den Weg, die auf eine vorsichtige Öffnung gegenüber der westlichen Moderne hindeuten. Dazu gehören die Möglichkeit für Frauen, Sportveranstaltungen zu besuchen oder Auto zu fahren, aber auch eine gewisse Ablösung von fundamentalistischen Sichtweisen des Islam.

Erst in der vergangenen Woche hatte Kronprinz Salman die Rückkehr zu einem "moderaten Islam, der offen gegenüber der Welt und allen Religionen ist" angekündigt. Er äußerte die weltweit beachteten Worte bei einem Kongress mit internationalen Investoren in Riad. Salman gab dort als Teil des groß angelegten saudi-arabischen Wirtschaftsumbaus "Vision 2030" die Investition einer halben Milliarde US-Dollar in den Bau einer futuristischen Megastadt namens "Neom" am Roten Meer bekannt.