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28.10.2017

Spaniens Bischöfe in Sorge wegen Katalonien-Krise

Barcelonas Erzbischof Kardinal Omella: "Konfrontation vermeiden und friedliche Zukunft gestalten".

Die katholischen Bischöfe Spaniens haben sich angesichts der politischen Eskalation in Katalonien besorgt geäußert. Der Vorsitzende der Spanischen Bischofskonferenz, Kardinal Ricardo Blazquez, sprach Medienberichten vom Samstag, 28. Oktober 2017 zufolge bei einer Tagung in seiner Erzdiözese Valladolid von "Trauer wegen der Unabhängigkeitserklärung Kataloniens". Er verteidigte zudem die "Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Ordnung" durch die Zentralregierung in Madrid. Blazquez beendete seine kurze Erklärung mit der Bitte an Gott um "ein friedliches Zusammenleben aller Bürger".

Der Erzbischof von Madrid, Kardinal Carlos Osoro Sierra, veröffentlichte über Twitter folgende Kurzbotschaft: "Christus fordert uns auf, keine Mauern zu errichten, sondern nach Verständigung und Versöhnung zu streben." In Spanien sei dies derzeit ganz besonders nötig.

Bereits am späten Freitagabend hatte sich Erzbischof von Barcelona, Kardinal Juan Jose Omella, in einer emotionalen Stellungnahme an die Öffentlichkeit gewandt. Er bitte Gott, "dass er uns hilft, die Konfrontation zu vermeiden und eine friedliche Zukunft zu gestalten", sagte er nach Angaben der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR in Rom am Rande der Dialogveranstaltung "(Re)thinking Europe" der Kommission der katholischen Bischofskonferenzen in der EU (ComECE).

Der aus einem kleinen Ort an der Grenze zur Region Katalonien stammende Omella ist seit zwei Jahren Erzbischof von Barcelona. Als Bischof teile er "den Schmerz und das Leid der Menschen", meinte der Kardinal. "Mein Herz weint mit ihnen." Er liebe Barcelona und Katalonien, sagte Omella: "Die Katalanen sind wundervolle Menschen, und ich liebe auch Spanien, ich liebe Europa, zu dem wir gehören."

Der Sprecher der Spanischen katholischen Bischofskonferenz, Jose Maria Gil Tamayo, berichtete ebenfalls bereits am Freitag in seinem Twitter-Account vom "Schmerz" der Bischöfe über die Ereignisse. "Der Respekt für die Rechtsstaatlichkeit und die Verfassung sorgen für unser Zusammenleben in Frieden", betonte er nach Angaben spanischer Medien.

Das katalanische Regionalparlament hatte am Freitag mit einer Mehrheit von 70 der 135 Abgeordneten für einen Prozess zur Loslösung von Spanien und zur Gründung eines unabhängigen Staates gestimmt - allerdings ohne einen Zeitplan festzulegen. Das spanische Parlament in Madrid votierte im Anschluss für die Aktivierung von Artikel 155 der Verfassung und gab der Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy damit die Erlaubnis zur Entmachtung der katalanischen Separatisten. Rajoy gab noch am Abend die Absetzung der gesamten Regionalregierung und die Auflösung des Regionalparlaments in Barcelona bekannt. Für 21. Dezember kündigte er Neuwahlen in Katalonien an.

Die Spanische Bischofskonferenz hatte im Vorfeld des katalanischen Unabhängigkeits-Referendums vom 1. Oktober aufgerufen, die spanische Verfassung zu respektieren und von "unumkehrbaren und folgenschweren" Handlungen abzusehen. Mehrere hundert katalanische Priester und Diakone hatten sich hingegen öffentlich hinter das Referendum gestellt.