Die deutsche Erzdiözese München und Freising leitet das Seligsprechungsverfahren für den Religionsphilosophen Romano Guardini (1885-1968) ein. Wie das Erzbischöfliche Ordinariat am Dienstag, 24. Oktober 2017 mitteilte, wird Kardinal Reinhard Marx das Verfahren mit einem Gottesdienst am 16. Dezember im Münchner Liebfrauendom eröffnen. Gleichzeitig startet das diözesane Seligsprechungsverfahren für den Publizisten Fritz Gerlich (1883-1934).
Romano Guardini gilt als einer der einflussreichsten katholischen Denker des 20. Jahrhunderts. Der aus Verona stammende Mainzer Diözesanpriester lehrte in Berlin, Tübingen und München Religionsphilosophie. Die Lehrstühle wurden eigens auf ihn zugeschnitten. Guardini nahm gestaltend Einfluss auf die katholische Jugend- und Liturgiebewegung und wurde so zu einem geistigen Wegbereiter des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965). In München zählte er zu den Mitbegründern der Katholischen Akademie in Bayern, die bis heute seinen Nachlass verwaltet und einen nach ihm benannten Preis verleiht.
Der Historiker Gerlich war in den 1920er Jahren Chefredakteur der "Münchner Neuesten Nachrichten", der Vorgängerin der "Süddeutschen Zeitung". Nach seinem dortigen Ausscheiden formte er als Herausgeber ab 1930 die bis dahin politisch harmlose Zeitschrift "Illustrierter Sonntag" zu einem Kampfblatt um und gab ihr den Titel "Der gerade Weg". Mit scharfen publizistischen Attacken versuchte er, die Machtergreifung der Nationalsozialisten zu verhindern. Im März 1933 wurde Gerlich verhaftet und blieb ohne Prozess eingesperrt, bis er in der Nacht auf den 1. Juli 1934 nach Dachau gebracht und dort erschossen wurde.
In der diözesanen Phase der Seligsprechungsverfahren werden Zeugen befragt, die über Persönlichkeit, Biografie und Wirken von Gerlich und Guardini Auskunft geben können. Alle Gläubigen sind aufgerufen, mögliche Kenntnisse den vereidigten Bischöflichen Beauftragten und Kirchenanwälten zukommen zu lassen. Die gesammelten Informationen sollen auch etwaige persönliche Verfehlungen oder problematische Äußerungen umfassen.
Die erste Etappe des Verfahrens wird voraussichtlich mehrere Jahre dauern. Nach ihrem Abschluss setzt die vatikanische Heiligsprechungskongregation die Prüfungen fort. Im Fall von Gerlich könnte es schneller gehen. Sollte die Kirche zum Ergebnis kommen, dass der Publizist nicht nur als politischer Gegner der Nazis, sondern aus Hass auf seinen Glauben getötet wurde, könnte er als Märtyrer anerkannt werden. Der ansonsten geforderte Nachweis eines Wunders infolge einer Gebetserhörung ist dann nicht mehr notwendig.