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10.10.2017

Teresianischer Karmel - Gott ist uns immer nahe

P. Antonio Sagardoy OCD über den "Karmel"

 

Gebet

der heiligen Teresa

Dein Wille, Herr, geschehe an mir,

wie du es möchtest und

wie es dir beliebt, mein Herr!


Willst du, dass es durch Leiden geschehe,

so gib mir die Kraft dazu;

dann mögen sie kommen!

 

Willst du, dass es Verfolgungen, Krankheiten,

Ehrverlust und Entbehrungen seien, dann siehe: Hier bin ich!


Gewähre du mir vielmehr die Gnade, mir dein Reich,

das dein Sohn ja für mich erbeten hat, zu schenken,

damit ich deinen Willen erfüllen kann;

und verfüge über mich nach deinem Wohlgefallen

wie über dein Eigentum!


aus dem Weg der Vollkommenheit, Kapitel 32


 

P. Antonio Sagardoy OCD

ist Bischofsvikar für die Orden

in der Diözese Gurk-Klagenfurt.

 

Es war Anfang des 13. Jahrhunderts, als sich Albert, Patriarch von Jerusalem, entschloss einer Gruppe von Einsiedlern, die auf dem Berg Karmel in Israel in der Nähe der Elijasquelle lebten eine eigene Lebensordnung zu geben, die ihrer Lebensform entsprechen wollte.

 

Im Laufe der Zeit wanderten die Einsiedler nach Europa aus, wo sie kirchlich anerkannt wurden – allerdings unter der Bedingung, zu den Bettelmönchen (Mendikanten) zu gehören. Die ursprünglich rein kontemplative Lebensweise öffnete sich auf Apostolatstätigkeit nach außen.

 

Neubelebung

Durch verschiedene Umstände bedingt, erschlaffte diese ursprüngliche Lebendigkeit und Strenge im Karmel mit der Zeit. Doch im 16. Jahrhundert gelang es Teresa von Avila (1515-1582) zusammen mit Johannes vom Kreuz (1542-1591) den Orden zu erneuern, d.h. im Orden die spezielle Ausrichtung des Ursprungs neu zu beleben und ihm eine neue Gestaltung zu geben. Dieser neue Zweig heißt seither Teresianischer Karmel oder Unbeschuhte Karmeliten.

 

„Teresa entdeckt in der Regel den Rahmen, das Karmelleben als einen Weg in und aus der Freundschaft mit Jesus zu gestalten“, sagt P. Antonio Sagardoy, selbst Mitglied des Theresianischen Karmels und Bischofsvikar für die Orden in der Diözese Gurk-Klagenfurt.

 

 

Vom Wort Gottes umfangen

Beim Lesen der Regel fällt die starke Betonung von Bibelzitaten auf. „Der Karmelit ist vom Wort Gottes umfangen“, sagt P. Antonio Sagardoy: „Das Leben aus der Verbindung mit dem Wort Gottes prägt den Tagesablauf des Karmels: Das Wort lesen, kauen, meditieren.

 

Es soll ja in eurem Herzen und in eurem Mund sein.“ Wer vom Wort Gottes erfüllt und durchdrungen ist, wird es mit Freude weitergeben, das ist der Gedanke, der dem zugrunde liegt.

 

„Zu weiteren markanten Akzenten der Ordensregel zähle ich außerdem das Gleichgewicht zwischen Sprechen und Schweigen, zwischen persönlichem und gemeinsamem Gebet, zwischen Einsamkeit und Gemeinschaft etwa.“


Auch die Marienverehrung habe im Karmel eine große Bedeutung. „Auch wenn das Wort Maria im Text der Regel nicht vorkommt“, wie P. Sagardoy betont: „Vielleicht haben die Karmeliten, mit der Zeit ein Vorbild gesucht, um mit dem Wort Gottes richtig umzugehen?“

 

Maria sei ja der Mensch, der das Wort Gottes hört, wie Papst Paul VI. sagte, darüber nachdenkt und sich den Forderungen des Wortes Gottes in den konkreten Lebensverhältnissen ganz zur Verfügung stellt. „Hier sehe ich den Platz von Maria im Karmel: ein Vorbild für den Umgang mit dem Wort, in der Lectio divina, in der Meditation, in der Gestaltung des Lebens, in der Predigt und Verkündigung.“

 

Karmelspiritualität

„Es ist uns Karmeliten wichtig, eine gesunde und gesundmachende Spiritualität zu pflegen und zu bezeugen“, sagt P. Antonio Sagardoy über die Karmelspiritualität: „Eine Spiritualität, die nicht Gebetsübungen multipliziert, sondern uns Wege öffnet zu einem vertrauensvollen Leben mit Gott und aus Gott.

 

Der Karmelit steht vor der Aufgabe, ein Erfahrener im Gebetsleben und im Umgang mit Gott zu sein.“ Die Zeit vor Gott, also das Gebet, wird ergänzt durch den apostolischen Einsatz für Gott.


Auch wenn im Teresianischen Karmel vorwiegend spirituelle Aufgaben übernommen werden, dürften die Not der Kirche nicht übersehen werden. „Gott wirkt in uns und durch uns.

 

Die Frage, die vor uns steht, lautet nicht, welche apostolische Dienste wir übernehmen sollen, sondern wie, aus welchem Geist, aus welcher spirituellen Kraft wir diese Dienste übernehmen und erfüllen: Beichthören, Vorträge, geistliche Begleitung, Exerzitien, Schriftenapostolat, Mission, Pfarrtätigkeit.“

 

In jeder Lebenslage ist uns Gott nahe

Von den Gründern „seines Ordens“, die heilige Teresa und der heilige Johannes vom Kreuz, sei er jeden Tag neu inspiriert, sagt P. Antonio Sagardoy. Was besonders auffalle, sei, dass die beiden das dunkle im Glauben nicht leugnen.

 

„Der Weg mit Gott besteht nicht nur aus sonnigen Tagen, sondern auch aus sehr dunkeln Momenten – das ist eine Tatsache, die den Karmeliten durchaus bewusst ist. Unsere Mystiker – Teresa von Avila und Johannes vom Kreuz – berichten von Gottes Erfahrungen in solchen Situationen.

 

Johannes vom Kreuz bezeugt, dass Dunkelheit im Glauben Befreiung und Heilung bedeuten kann. Er zeigt Hilfen um festzustellen, ob solche Momente eine Therapie sind, die Gott verwendet, um uns zu heilen. Er bestimmt die Dauer und Intensität der Behandlung, nicht wir.“


Teresa ihrerseits, die „18 Jahre Trockenheit im Gebet erlebte“ wie P. Sagardoy betont, „ermutigt uns auf dem Weg des Gebetes nicht aufzugeben, egal welchen Hindernissen wir unterwegs begegnen.

 

Es ist nicht entscheidend, ob wir das Gefühl der Gottes Nähe haben oder nicht. Entscheidend ist vielmehr die innere Gewissheit, dass Gott uns nahe ist, wenn wir Ihn spüren und wenn wir Ihn nicht spüren.“

 

Die Teresianische Ordensfamilie

Nach dem Charisma der hl. Teresa von Avila richten heute zahlreiche Gemeinschaften ihr Leben. P. Antonio Sagardoy: „Zu unserer Teresianischen Ordensfamilie gehören die Karmelitinnen OCD, die Karmeliten OCD, eine große Anzahl von Kongregationen (in Österreich die Marienschwestern vom Karmel und Karmelitinnen von Herzen Jesu), Säkularinstitute und einige Gemeinschaften des sogenannten Drittordens.“