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06.10.2017

Friedensnobelpreis für Kampagne zur Abschaffung der Atomwaffen

Globales Bündnis ICAN begleitete Gespräche über UN-Abkommen für ein Kernwaffenverbot

Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr an die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN). Das teilte das Norwegische Nobelkomitee am Freitag in Oslo mit.

 

Die Organisation erhalte die Auszeichnung "für ihre Arbeit, mit der sie die Aufmerksamkeit auf die katastrophalen humanitären Konsequenzen eines jeglichen Einsatzes von Atomwaffen lenkt und für ihre bahnbrechenden Bemühungen, ein vertragliches Verbot solcher Waffen zu erreichen".

 

Das Komitee fügte hinzu: "Wir leben in einer Welt, in der das Risiko des Einsatzes von Atomwaffen größer ist als seit langem". Einige Staaten modernisierten ihre nuklearen Arsenale, und es bestehe eine echte Gefahr, dass mehr Länder versuchen werden, sich Atomwaffen zu verschaffen, wie das Beispiel Nordkorea zeige.

 

Nuklearwaffen stellten "eine ständige Bedrohung für die Menschheit und alles Leben auf der Erde dar", betonte das Nobelkomitee.

 

Der diesjährige Friedensnobelpreis sei daher auch ein Aufruf an Atomwaffenstaaten, "ernsthafte Verhandlungen mit dem Ziel der schrittweisen, ausgewogenen und sorgfältig überwachten Beseitigung der fast 15.000 Atomwaffen in der Welt zu initiieren".

 

Die International Campaign to Abolish Nuclear Weapons (ICAN) ist nach eigenen Angaben ein globales Bündnis von über 450 Organisationen in 100 Ländern. Die Organisation hatte unter anderem das vor wenigen Tagen während der UN-Vollversammlung in New York von mehr als 50 Staaten, darunter auch Österreich und der Vatikan, unterzeichnete UN-Abkommen für ein Atomwaffenverbot begleitet. Außenminister Sebastian Kurz lobte den Friedensnobelpreis für ICAN am Freitag als "gebührende Anerkennung" für den "weltweiten Einsatz gegen atomare Massenvernichtungswaffen, die eine existenzielle Bedrohung für die gesamte Menschheit darstellen".

 

Das Nobelkomitee betonte, dass die internationale Gemeinschaft bereits Verbote gegen Landminen, Streumunition sowie gegen biologische und chemische Waffen verabschiedet habe. "Atomwaffen sind noch zerstörerischer, aber sie wurden bislang noch nicht zum Gegenstand eines ähnlichen internationalen Verbots gemacht." ICAN habe "mehr als jeder andere im vergangenen Jahr den Bemühungen, eine Welt ohne Atomwaffen zu erreichen, eine neue Richtung und neue Kraft gegeben".

 

Insgesamt waren nach Angaben des Nobelkomitees in diesem Jahr 318 Kandidaten nominiert, darunter 215 Personen und 103 Organisationen. Der Friedensnobelpreis ist einer der fünf von Alfred Nobel gestifteten Preise. Von 1901 bis 2016 wurde die Auszeichnung an insgesamt 130 Personen und Organisationen verliehen. Der Preis ist in diesem Jahr mit neun Millionen Kronen (rund 944.000 Euro) dotiert.