Etwa 500 christliche Familien - knapp 2.500 Menschen - haben dieser Tage die lang ersehnte Rückkehr in ihre früheren Städte und Dörfer in der Nineve-Ebene gefeiert und ein Zeichen für den Neubeginn gesetzt. Das berichtete das internationale katholische Hilfswerk "Kirche in Not" (KiN/ACN) am Dienstag, 3. Oktober 2017 in Wien.
In Karakosch (Baghdeda), der größten christlichen Stadt in Ninive, hielten Priester und Gläubige bei einer Prozession Olivenzweige in den Händen und sangen in der Sprache Jesu aramäische Gesänge. Im Schutz von Sicherheitskräften in gepanzerten Fahrzeugen wurde die Prozession von Priestern angeführt, die Kreuze hochhielten. In der syrisch-katholischen Kirche der Unbefleckten Empfängnis fand ein Gottesdienst statt. Diese Kirche im Stadtzentrum war von Kämpfern des IS entweiht und angezündet worden. Während der Zeremonie rief der ACN-Projektbeauftragte für den Nahen Osten, Pater Andrzej Halemba, die Menschen dazu auf, denen zu vergeben, die sie aus ihren Häusern vertrieben und ihre Städte und Dörfer angegriffen hatten.
"Natürlich weinen wir angesichts der Gewalt, die ausgeübt wurde, doch wir sollten die Wut aus unseren Herzen entfernen. Es sollte kein Hass in unseren Herzen sein. Wir sollten uns mit unserem Nachbarn versöhnen", so Halemba. Mindestens 2.000 Familien - 10.000 Personen - kehrten Berichten zufolge nach Karakosch zurück. Weitere 500 Familien - 2.500 Personen - werden in den nächsten Monaten erwartet. ACN beteiligt sich am Wiederaufbau zahlreicher Wohnungen in einigen mehrheitlich christlichen Städten und Dörfern, die vor und nach der Besetzung der Region durch den IS (August 2014-Oktober 2016) zerstört wurden. Das Hilfswerk engagiert sich auch beim Wiederaufbau von Kirchen in beiden Städten sowie in Telskuf, wo die Renovierung der Georgskirche weit fortgeschritten ist.
Bei einer ACN-Konferenz in Rom, an der auch Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin teilnahm, sagte der chaldäisch-katholische Patriarch von Bagdad, Louis Raphael I. Sako, es gebe fünf Bereiche, in denen Handlungsbedarf bestehe: Die Bildung unterstützen, politische Unterstützung anbieten, die befreiten Gegenden sichern und stabilisieren, und zuletzt den Fundamentalismus und den Terrorismus besiegen.
Herbert Rechberger, KiN/ACN-Nationaldirektor für Österreich, betont in der Aussendung von Dienstag, man benötige verstärkt Hilfe, um Dörfer wieder aufzubauen und die Rechte der Christen abzusichern: "Wir sind uns dessen bewusst, dass sich der Irak weiterhin in einer schwierigen Lage befindet. Wir wissen aber auch: Wenn wir den Christen jetzt nicht helfen, wird ein Ursprungsland des Christentums einmal christenfrei sein und dann brauchen wir morgen nicht mehr darüber zu sprechen." Die Webseite www.irak-wiederaufbau.at informiert über diese große und wichtige Initiative mit neuesten Nachrichten, Fotos und Videos (Spendeninfos auch unter www.kircheinnot.at).