Wie fühlt es sich an, als junger, unbegleiteter Flüchtling nach Österreich zu kommen? Der Verein "Don Bosco Flüchtlingswerk" versucht diese harte Lebensrealität allen Interessierten in Wien zumindest ansatzweise zu vermitteln. Zum "Langen Tag der Flucht" schlüpfen Besucher am Freitagvormittag, 29. September 2017 im Jugendzentrum "Sale für alle" (3. Bezirk, Eingang Dietrichgasse) in das Leben eines jungen Flüchtlings, erhalten für die Dauer eines Workshops eine neue Identität und Vergangenheit und sind dem äußerst beschwerlichen Weg des Asylverfahrens ausgeliefert.
Nacherlebbar macht der Workshop "Feel like a refugee" u.a. die Anzweiflung der Angaben sowie der Identität, das Altersgutachten, das schwierige Leben mit Sprach- und Systembarrieren und nicht zuletzt die Befragung beim Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA), die über das gesamte weitere Leben entscheidet. Auch der Sprachkurs und Schlüsselmomente wie die Bekanntgabe des Bescheides sind Teil des Programms, wobei das Gefühl der Enge, die standardisierte Kommunikation, das Infragestellen der Angaben, das Nichtverstehen der Sprache und das Warten "durchaus beabsichtigt" sind, wie es heißt.
Die Aktion soll darauf aufmerksam machen, "dass in der Asylpolitik sehr oft auf den Menschen hinter dem Flüchtling vergessen wird", erklärte Flüchtlingswerk-Geschäftsführerin Eva Kern in einer Aussendung vom Mittwoch den Sinn des Workshops. Flüchtlinge würden "als Bittsteller und als Menschen 2. Klasse behandelt", denn Österreichs Asylpolitik scheine ihnen "jegliche Hoffnung auf ein gelingendes Leben nehmen zu wollen". Darauf gehen am Ende des Workshops Gespräche mit Mitarbeitern des Don Bosco Flüchtlingswerks - der Verein ist eine Initiative der Salesianer Don Boscos, der Don Bosco Schwestern und des Hilfswerks "Jugend Eine Welt" - ein.