
Um 1600 haben die Jesuiten in Spanisch-Amerika das Volk der Guaranís in feste Siedlungen eingeladen und sie „zusammengeführt“ (= reduccion).
Es war ein Projekt der Evangelisierung und gleichzeitig ein effektiver Schutz vor den Sklavenjägern. Über hundert Jahre hinweg wurden Dutzende solche Dorfgemeinschaften aufgebaut.
Sie entwickelten sich zu einem Wunder an Kultur und wirtschaftlichem Erfolg: Schulpflicht, Alphabetisierung, Handwerk, der Bau großer Kirchen, Orchester und Chöre, Kompositionen gehörten zum Leben der Dorfbewohner.
Der wirtschaftliche Erfolg beruhte darauf, dass die Reduktionen im Gegensatz zu den ausbeuterischen Plantagen sauberer und effektiver, weil frei, produzierten.
Die Baumwolle, das Getreide, die landwirtschaftliche Produktion war weltweit gefragt. Neid und Hass der Kolonialherren war die Folge.
Das „Heilige Experiment“ wurde gewaltsam beendet und alle Jesuiten vertrieben.
Die Ausstellung gibt Einblicke in das Leben der Menschen in diesen Siedlungen. Sie beleuchtet auch den Untergang sowie die Spuren, die heute noch geblieben sind.
Einer der ausgewiesenen Jesuiten hieß Florian Paucke. Er fand sein Exil im Stift Zwettl. Dort bewegte ihn der Abt, seine Erfahrungen aufzuzeichnen.
Das Ergebnis war ein 1.100 Seiten starker Kodex mit wertvollen und berührenden Bildern.