Fast drei Jahrzehnte war Josef Broukal für den Österreichischen Rundfunk tätig. Die Fernsehzuschauer erlebten ihn vor allem als Präsentator der "Zeit im Bild 1" sowie des ORF-Wissenschaftsmagazins "Modern Times". Neben seiner Tätigkeit im Journalismus baute er sich ein zweites Standbein als Trainer für anwendungsorientierte Programmiersprachen auf. Seit den Anfängen des World Wide Webs in den 1990er Jahren trug er als "Mister Internet" zur Verbreitung des neuen Mediums in Österreich bei und hält heute noch Vorträge zu dem Thema, unter anderem auch in unserer Erzdiözese bei einer Informationsveranstaltung über die neuen pfarrlichen Mailadressen mit der Domain "katholischekirche.at".
Haben Sie sich in den 90er Jahren gedacht, dass das Internet jemals eine solche Verbreitung haben und eine solche Entwicklung nehmen wird?
Josef Broukal: Es gab sehr früh in Österreich eine Sozialforschungseinrichtung, die GfK, die immer gefragt hat: "Wie viele Personen haben einen Internetzugang?" Ich kann mich erinnern, die erste Zahl, die es gab, war 30.000. Wir liegen heute bei einigen Millionen, fast jeder hat Internet und sei es auf dem Smartphone. Ich habe mir dies nicht gedacht, vor allem aus dem Grund, weil es damals diese Programme gar nicht gab, die Menschen heutzutage ins Internet bringen: Instagram, Facebook, Twitter. Damals hat man Mails geschrieben und es galt schon als tolle Sache. Jetzt ist das E-Mail-Schreiben schon sehr "old school". Das machen nur noch Menschen meines Alters. Es gab auch sonst im Internet viel weniger zu sehen als in unseren Tagen. Zeitungen waren noch nicht im Netz, die Wikipedia gab es noch gar nicht. Also das waren damals ganz unstrukturierte Zeiten und dementsprechend hatten die Leute doch wenig Grund, sich mit dem Internet zu beschäftigen. Es hat danach Jahre gedauert, bis die erste Bank den Kontoauszug und das Überweisen übers Internet eingeführt hat.
Welche Bedeutung kommt der Sicherheit im Datenverkehr zu?
Josef Broukal: Vor vielen Jahrzehnten hatte einmal ein Vortragender in den ersten Tagen von Internet und E-Mail gemeint, ein E-Mail hat die Verlässlichkeit einer auf der Straße weggeworfenen Postkarte. Es kann jeder lesen, der sich bemüht. Der Absender ist klar, der Empfänger ist klar. Das alles passiert. Man kann sich dagegen schützen, indem man das E-Mail-Konto nicht bei irgendwelchen Anbietern hat, sondern bei einem großen verlässlichen, wie etwa Microsoft. Bei diesem werden Datensicherheit großgeschrieben und die Daten nach neuesten Methoden verschlüsselt. Die Versuche der US-amerikanischen Regierung, alles lesen zu dürfen, was irgendjemand im Netz schreibt, werden abgewehrt.
Wie sieht es mit den Guten und den Bösen im Internet aus?
Josef Broukal: Die Zeit, in der wir glaubten und man hat es eine Zeit lang wirklich glauben können, dass das Internet Bildung, Freiheit, demokratische Diskussion, Verständnis zwischen den Menschen, den Völkern, den Kulturen bringen würde, ist bestenfalls eine Halbwahrheit. Die andere Hälfte der Wahrheit ist: Da sind skrupellose Geschäftemacher unterwegs und es geht nur darum, dich auf diverse Internetseiten zu locken, so viel Daten wie möglich von dir zu bekommen, dich ständig mit Werbung zu bombardieren. Es gibt Stellen im Internet, wo man Pistolen kaufen oder Baupläne für schmutzige Atombomben herunterladen kann. Die Propaganda des Islamischen Staates (IS) funktionierte eine Zeit lang sehr gut übers Internet. Dieser Dienst hat so viele Schattenseiten, dass man ein eindeutiges Urteil nicht fällen kann. Es kann ein wunderbares Instrument sein, wenn wir an die Website der Erzdiözese Wien denken. Oder an die Wikipedia: Jeder junge Mensch hat heute kostenlos das Wissen der Welt an der Hand - ganz aktuell. Vor 20 Jahren hat das noch Tausende Schilling, nach heutigem Geld Hunderte Euro, gekostet, eine CD zu kaufen, die nach einem Jahr dann wieder veraltet war, worauf man die nächste CD kaufen durfte. Das ist alles vorbei. Die staatlichen Behörden sind im Internet, sie bekommen heute Auskünfte ohne Ende. Es hat wirklich zwei Seiten dieses Ding. Ich versuche mich mit der hellen Seite zu beschäftigen.
Viel wird in diesen Tagen von der Digitalisierung in unseren verschiedenen Lebensbereichen gesprochen. Was sind Ihrer Meinung nach die Vor- und Nachteile?
Josef Broukal: Es stellt sich die Frage, wer kann davon profitieren und wer nicht. Auf der einen Seite können Menschen, die in Startups Glück haben, sehr reich werden. Jene, welche die Internettechnik im kleinen Finger haben, können gute Einkommen erzielen. Aber andererseits mittlere Angestelltentätigkeiten, die in unserer Gesellschaft Wohlstand und Zufrieden verbreitet haben, werden immer mehr eingeschränkt. Der Gouverneur der Österreichischen Nationalbank Ewald Nowotny hat vor kurzem gesagt: Er schätzt, dass noch ein Drittel aller Arbeitsplätze in Banken und Versicherungen in den nächsten Jahren wegfallen werden. Das ist nur ein Beispiel von vielen. Unsere Computer sind heute so leistungsfähig, dass sie Arbeiten, von denen man vor einigen Jahren noch angenommen hat, das braucht die Intelligenz eines Menschen, genauso gut erledigen können. Wir sehen immer nur die Beispiele, die uns in Erstaunen versetzen: Computerprogramme sind im Auswerten von Röntgenbildern heute der ärztlichen Diagnose schon überlegen, weil sie einfach nie müde oder abgelenkt sind, auf eine Wissensdatenbank zugreifen können, die vermutlich ein einzelner Mensch auch im ganzen Leben nicht mehr erwerben kann. Aber wir sehen nicht, dass es daneben viele ganz normale Arbeitsplätze mit gutem Einkommen gibt, die einfach wegfallen. Die Leute werden dann abgetrieben in schlechter bezahlte Jobs. Sie bekommen ein Problem mit dem bisherigen Lebensstandard. Es passiert etwas, dass wir in Europa viele Jahrzehnte nicht kannten: Es geht für viele Menschen nicht mehr vorwärts, sondern zurück.