Freitag 26. Juni 2026

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Othmar Schneeberger
privat
08.09.2017

Sehnsucht nach dem lebendigen Christus

Der 87-jährige Othmar Schneeberger begleitet Gefangene auf ihrem Glaubensweg. 

 

Mörder, Diebe, Vergewaltiger. Sie alle sitzen in einem Raum und hören ihm zu. Othmar Schneeberger spricht über das, was ihn in seinem Leben bewegt: über Jesus Christus, das Gebet, die Bibel. Die Gefangenen der Justizanstalt hängen an seinen Lippen. Begeistert erzählt er von seinen Erfahrungen mit Gott. Von Einheit zu Einheit werden die Zuhörer aufmerksamer. Othmar Schneeberger spricht mit ruhiger Stimme. Bedacht. Authentisch.

 

Es war eine harte Zeit

Geboren wurde Schneeberger in Aspang in der Buckligen Welt im Süden Niederösterreichs. Nach einer kaufmännischen Lehre hat er nach dem Zweiten Weltkrieg ein kleines „Tante-Emma-Geschäft“ übernommen: „Das war eine harte Zeit. Am Anfang haben meine Frau und ich auf einer Luftmatratze im Geschäft geschlafen.“ Später wechselte er als Vertreter in die Textilbranche, vor der Pension arbeitete er im Bereich gesunde Ernährung.

 

Sinnsuche mit 50

Schneeberger ging schon in jungen Jahren aus Traditionsbewusstsein in die Kirche: „Ich war katholisch, so wie die Mehrheit bei uns im Dorf.“ Mit 50 Jahren machte er sich dann auf die Suche nach Sinn im Leben. Er interessierte sich für fernöstliche Spiritualitäten, wollte etwas Anderes kennenlernen als das „verstaubte Katholische“, mit dem er tagtäglich seit Kindertagen konfrontiert war. Bei Scientology machte Schneeberger damals mit seiner Frau einen Kommunikationskurs. Erfüllung fand er dadurch nicht.

 

Die Sehnsucht blieb

Durch einen neuen Priester in der Pfarre Leobersdorf lernte er das katholische Glaubensleben neu kennen: „Der Pfarrer hat viele Menschen bewegt, hat ihre Sehnsüchte ernst genommen.“ Schneeberger wurde in den 90er-Jahren Pfarrgemeinderat und engagierte sich in verschiedenen Gruppen der Pfarre ehrenamtlich. Seine Sehnsucht war dennoch nicht gestillt. Unbewusst war er noch immer auf der Suche.

 

Eine Bekannte lud ihn dann Ende der 90er-Jahre in eine freichristliche Gemeinde ein: „Dadurch habe ich ins Wort Gottes gefunden und eine ganz neue Tiefe kennengelernt.“ Othmar Schneeberger absolvierte eine 2-jährige Bibelschule und fühlte sich bei den Freichristen der Ichthys-Gemeinde in Wiener Neustadt wohl. Doch zunehmend merkte er, dass ihm etwas abgeht: „Mir fehlte die Begegnung mit dem lebendigen Auferstandenen. Mit Christus in der Kommunion.“

 

Glaube - tiefer als jemals zuvor

Schneeberger fand durch die Bibelschule in der Freikirche wieder zurück in die katholische Kirche. Tiefer als jemals zuvor. „Zwei Jahre habe ich dafür gebetet, dass mir Gott einen Platz gibt, wo ich anderen Menschen diese Beziehung zu Gott ermöglichen kann.

 

Das Gebet wurde erhört.“ Durch den Franziskanerbruder Horst Reeh OFS begann er  2004 bei Alphakursen und der „Non Stop Bibelschule“ in der Justizanstalt Hirtenberg mitzuhelfen. Schneeberger wird Mitglied des Vereins „Gesprengte Ketten“, der den Anstaltsseelsorger bei seiner Arbeit unterstützt.

 

Gebet mit Gefangenen

Bis heute beeindruckt es Othmar Schneeberger, wie sich die Teilnehmer durch die Beschäftigung mit dem Glauben verändern: „Eine starke Erfahrung ist für mich vor allem das Gebet mit den Gefangenen, der gemeinsame Lobpreis. Bei vielen entsteht da eine echte Gottesbeziehung.“ Für Schneeberger selbst ist das Gebet die einzige Waffe, die er hat. Mit der er etwas bewirken kann, wie er sagt: „Ich glaube, dass Gott durch das Gebet wirkt.“


Mittlerweile tritt der überzeugte Katholik kürzer. Zweimal pro Monat fährt er in die Justizanstalt Hirtenberg, weil er gebraucht wird: seine Erfahrung, seine Begeisterung und sein Talent, über den Glauben zu sprechen.

 

Es braucht Gebet und Aktion

Bis heute ist der 87-Jährige seinem Motto treu geblieben: „Es braucht Gebet und Aktion. Ich will nicht nur ein Hörer, sondern auch ein Täter des Wortes Gottes sein.“


Nach seinem Vortrag in der Justizanstalt macht sich Othmar Schneeberger auf den Heimweg zu seiner Frau. Zu Hause nimmt er sich dann Zeit für sein persönliches Gebet, für den Rosenkranz. Mehr als eine Stunde, so wie jeden Tag: „Ich bete für kranke Menschen, außerdem für die Verstorbenen. Und natürlich für jene, denen ich in der Justizanstalt begegne.“

 

Im Gebet und in den Sakramenten hat der 87-jährige einen Schatz entdeckt, den er in seinem Leben nicht missen möchte. Und er will weiterhin Menschen von seinem Glauben erzählen. Von dem, wofür er in seinem Leben brennt: Jesus.