Welches Gewicht hat ein Wort des Papstes für uns Katholiken?
Auch dann, wenn es nicht das feierliche letzte Wort zu Kerninhalten der kirchlichen Lehre ist. Sondern nur ein vorletztes Wort, vielleicht sogar ein vorvorletztes? Zum Beispiel seine Botschaft zum kommenden Welttag der Migranten, die vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde?
Da gibt Papst Franziskus der Politik ganz konkrete Tipps und formuliert Prinzipien. Und die haben es in sich. Zum Beispiel sagt er, dass die „Sicherheit der (notleidenden) Personen stets der Sicherheit des Landes voranzustellen“ sei. Und er fordert „breitere Möglichkeiten für eine sichere und legale Einreise in die Zielländer“.
Was, wenn nun etwa ein katholischer Politiker sagt, dass das nicht geht? Etwa weil eine Regierung, die so handle, die Wähler überfordere. Stellt sich so ein Politiker gegen den Papst?
Das Zweite Vatikanische Konzil sagt doch, dass der Gläubige den vom Papst „vorgetragenen Urteilen aufrichtige Anhänglichkeit zollen“ muss. Diese „Anhänglichkeit“ kann aber je nach den Umständen unterschiedlich sein.
Bei so konkreten politischen Aussagen kann ein Katholik auch redlich zu anderen Schlüssen kommen und diese vertreten. Aber eines geht nicht: den Papst ignorieren oder gar schlechtreden. Seine Äußerungen einfach als Gerede abtun. Denn der Papst ist ein bevorzugtes Werkzeug des Heiligen Geistes. Es besteht immer die „Gefahr“, dass doch am Ende er Recht hatte und nicht ich. Dass er doch mehr Einblick in die Würde des Menschen und die Wege der Gnade hatte, als ich zu denken gewagt habe.
Es ist zwar durchaus komfortabel, wenn der Papst das wiederholt, was auch ich für richtig halte. Aber aus meinen eigenen engen Grenzen hilft er mir nur dann, wenn er mir widerspricht und mich provoziert, mich zum Nachdenken zwingt.
Dann ist der Papst nicht irrelevant, sondern, ganz im Gegenteil, besonders
wertvoll.