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epd/Uschmann
21.08.2017

Ein Bischof rockt

Porträt des Bischof der Evangelisch-lutherischen Kirche Österreichs: Michael Bünker

 

 

Leidenschaftlicher Schlagzeuger und Seelsorger für die Menschen: Michael Bünker ist seit 2008 Bischof der Evangelisch-lutherischen Kirche in Österreich.

 

Die Musik prägte sein Leben früh.

„Rückblickend kommt einem die Kindheit immer kurz vor. Vielleicht zu kurz“, meint Bünker schmunzelnd, der im Industrieort Radenthein aufwuchs. „Das Pfarrerskind ist immer ein bisschen behütet, aber auch ein wenig exponiert“, stellt der heute 63-jährige fest. Trotzdem habe er seine Kindheit sehr genossen.

 

Bünker fuhr jeden Tag mit dem Bus nach Villach, wo er das Gymnasium besuchte. „Diese Fahrgemeinschaft hat uns Schüler sehr verbunden“, erinnert er sich lächelnd.

 

Seine Jugend beschreibt er als „bewegte Zeit, mit viel ‚Aufbruchmusik’, die unseren Eltern und Großeltern nicht so gut gefiel“.

 

„Kreuzweh“ lässt es krachen

Schon damals spielte er in einer Band Schlagzeug, „völlig dilettantisch, dafür sehr laut“. In der katholischen Nikolaikirche in Villach durfte seine Band üben.

 

„Dafür verpflichteten wir uns, einmal im Monat bei einem Gottesdienst mitzuspielen“, erzählt Bünker. Dabei habe er die katholischen Messen kennen und schätzen gelernt.


Heute noch ist der Bischof Schlagzeuger in der Band „Kreuzweh“, die seit zehn Jahren besteht. „Nachdem drei Ärzte und ein Bischof dabei sind, sollte der Bandname irgendetwas Medizinisches und eine religiöse Anspielung beinhalten. Also einigten wir uns auf Kreuzweh – auch, um unser Alter zu dokumentieren“, erklärt Bünker mit einem Schuss Selbstironie.


Das beste Mittel gegen Kreuzweh sei Rockmusik, weshalb seine Band „lauten, dreckigen Rock“ spiele. „Mehr als einen Auftritt pro Jahr schaffen wir nicht“, gesteht er. „Wir wollen ja auch Neues dazulernen. Aber einmal im Jahr lassen wir es krachen!“

 

Passend zu seiner Rock-Passion, ist Bünker „ein rauchender Bischof“. Diese kleine ‚Schwäche’ gönnt er sich. Seine Auftritte als Teil der „Floridsdorfer Kirchengfraster“ hat er eingestellt. „Als Bischof soll man im Kabarett vorkommen, aber es nicht selbst machen“, begründet er seine Entscheidung.

 

Wege aus der Krise

Schon als Jugendlicher kannte Bünker theologische Revolte-Phasen. Sein Vater sei Zweifeln immer engagiert entgegen getreten und habe ihn nie zu etwas gezwungen.

 

Auch Bünkers Kinder durften ihren Zugang zur Religion selbst finden. „Sie studierten beide nicht Theologie – eine neue Entwicklung in der Bünker-Tradition“, sagt Bünker augenzwinkernd.

 

Auch als Bischof habe er ab und zu Glaubenskrisen: „Der Zweifel gehört zum Glauben dazu.“ Was man dagegen tun kann? „Sich mit dem eigenen Glauben zurückzunehmen und auf ein Signal warten“, sei laut ihm eine Möglichkeit.


„Für Evangelische ist es auch wichtig, in der Bibel zu lesen. Da findet man viele Beispiele von Menschen in Glaubenskrisen.“ Das Gebet sei eine weitere Möglichkeit, Zweifeln zu begegnen. „Manchmal tue ich mir schwer, mit eigenen Worten zu beten. Da hilft es, die Psalmen oder ein Kirchenlied herzunehmen, also bereits bewährte Kirchentexte.“

 

Die Tradition habe für Bünker etwas Entlastendes: „Ich muss nicht immer selber für meinen Glauben einstehen. Ich kann mich zurückfallen lassen in die Gemeinschaft derer, die vor mir geglaubt haben oder jetzt diesen Glauben teilen.“