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14.08.2017

Roma und Sinti bereichern die katholische Kirche

22. Roma-Wallfahrt nach Mariazell, mit dabei war Weihbischof Scharl.
Und im Weinviertler Wallfahrtsort Karnabrunn hat sich seit 2016 internationale Sinit-Wallfahrt etabliert

Die Roma und Sinti sind ein wichtiger Teil der katholischen Kirche und ihre Kultur bereichert das Leben der Kirche. Darauf hat der Wiener Weihbischof Franz Scharl einmal mehr hingewiesen. Er stand am Sonntag der traditionellen Roma-Wallfahrt nach Mariazell vor. Roma und Sinti aus Österreich, Deutschland und Ungarn waren in das steirische Marienheiligtum gekommen. Die Wallfahrt fand bereits zum 22. Mal statt. In seiner Predigt rief der Weihbischof die Wallfahrer in Anlehnung an das Tagesevangelium auf, ihren Blick stets fest auf Jesus zu richten. Wer sich hingegen von Jesus abwende und von den Schwieirgkeiten und Problemen des Lebens zu sehr vereinnahmen lasse, "der geht unter".

 

Nach dem Festgottesdienst gab es vor der Basilika u.a. kleinere kulturelle Darbietungen der Roma und Glaubenszeugnisse von Pilgern. Die Wallfahrt endete am Nachmittag mit einer Andacht.

 

Die Pilgerreise der Roma (vor allem aus dem Burgenland) in das steirische Marienheiligtum weist eine jahrhundertlange Tradition auf, die während des NS-Regimes unterbunden und im August 1996 von den österreichischen Roma-Vereinen wieder ins Leben gerufen wurde.

 

Scharl:Roma und Sinti mehr integrieren

Weihbischof Scharl ist in der Österreichischen Bischofskonferenz u.a. für die Roma und Sinti zuständig. Er wolle sich bemühen, so Scharl bereits mehrmals gegenüber "Kathpress", Roma und Sinti verstärkt ins kirchliche Leben zu integrieren. Er wird deshalb demnächst auch mit der Roma-Beauftragten der Diözese Eisenstadt, Manuela Horvath, die Roma-Siedlungen und Gemeinschaften im Burgenland besuchen, "um die Menschen persönlich kennenzulernen und um mir ein besseres Bild von ihnen und ihren Lebensumständen machen zu können".

 

Sinti-Wallfahrt nach Karnabrunn

Die Mariazell-Wallfahrt der Roma ist nicht die einzige derartige Initiative in Österreich. Seit 2016 gibt es auch - jeweils im Juni - eine Wallfahrt der Sinit in die Weinviertler Pfarre Karnabrunn. Zum Gottesdienst in diesem Jahr hatte der Sinti-Musiker Zipflo Weinrich im Auftrag von Weihbischof Scharl eine eigene Komposition verfasst, die uraufgeführt wurde. Scharl begründete die Initiative damit, die Kultur der Sinti und Roma stärker in den katholischen Gottesdienst integrieren zu wollen. Weinrich dazu wörtlicht: "Es ist sehr reizvoll, so etwas habe ich noch nie gemacht, aber es war letztendlich sehr einfach, weil da spricht das Herz, der Text, alles mit Gott verbunden".

Zur Meßfeier, der der Wiener Weihbischof vorstand, reisten Sinti aus ganz Österreich und Deutschland an. Der Glaube habe bei den Sinti immer eine große Rolle, so Zipflo Weinrich; besonders auch die Verehrung der Gottesmutter: "Maria war bei uns immer sehr hochgestellt".

 

Scharl bemüht sich derzeit auch, den Roma und Sinti neben punktuellen Wallfahrten eine dauerhafte örtliche "Andockstation" zu bieten. Als solche Örtlichkeit für die Roma- und Sintiseelsorge sei die Wiener Pfarre St. Martin-Aspern im Gespräch, so der Weihbischof.

 

In Österreich leben rund 40.000 Roma und Sinti. Seit den 1990er Jahren bemüht sich die katholische Kirche verstärkt um die Roma und Sinti, sei es im Rahmen der Bischofskonferenz oder in einzelnen Diözesen wie im Burgenland. Viele Roma und Sinti sind römisch-katholisch, es gibt aber auch evangelische, orthodoxe und muslimische. Vor allem in den Städten wenden sich auch immer mehr Roma den Freikirchen zu.