Das Thema ist ideal um auch Gespräche und eine Diskussion führen zu können“, freut sich Sarah Al Amidin. Die Soziologiestudentin aus Wien ist eine der Kulturvermittlerinnen bei der Islam-Ausstellung. Die Tochter einer Österreicherin und eines Ägypters gibt gerne Auskunft.
Die 21-jährige trägt seit einem Jahr ein Kopftuch und ist damit auch klar als Muslima erkennbar.
Die Ausstellung will bewusst zum Dialog einladen, wie Kuratorin Lisa Noggler-Gürtler unterstreicht: „Es herrscht eine große Zweiteilung in unseren Köpfen - wer sind wir, wer sind die anderen? Wir wollen zeigen, dass es viel mehr Facetten gibt.“ Dabei geht es nicht nur um die Vorstellung der zweitgrößten Weltreligion, sondern vor allem auch darum, wie Muslime in Österreich heute leben und wie die verschiedenen Religionen voneinander profitieren.
Betritt man die Ausstellung, ist man vom Thema schon eingenommen und fasziniert. Acht Themenbereiche stehen im Fokus: Besprochen, bewohnt, beseelt, begrenzt, bekleidet, bedroht, berufen, beliebt.
Ausgehend vom Teil „besprochen“ mit Information über Übersetzungen von Koran und Bibel können Besucher im Kapitel „bewohnt“ hinter Türen blicken und erfahren, wer in einer Nachbarschaft zusammenlebt.
Dabei wird folgendes Projekt mit großen Fotos gezeigt: In Wien-Favoriten verbrachte eine Gruppe von Fotografen mehrere Tage damit, Anreiner des Wiener Gemeindebezirks abzulichten. Die Fotoserie zeigt ein äußerst buntes Bild.
Verschiedenen religiösen Strömungen im Islam und der Ausübung der Religion widmet sich „beseelt“. Präsentiert werden dabei Gebetsräume sowie traditionelle Kopfbedeckungen von Derwischen und Imamen.
Spannend dabei ist auch die akustische Verbindung, einerseits sind die Rufe des Muezzin zu hören, andererseits Kirchenglocken.
Das Kapitel „begrenzt“ spielt mit geografischen Grenzen und jenen in unseren Köpfen und beschäftigt sich mit Fragen rund um Bekleidung im Schwimmbad und Halal-Essen.
Der Teil „bedroht“ thematisiert Ängste in einem Raum mit Feldbetten aus einer Erstaufnahmestelle. Gezeigt werden verschiedene Facetten - von einer Kinderzeichnung mit einer Fluchtroute bis zum Cover von Printmedien zum Islam.
Über den Umgang mit dem Gleichbehandlungsgesetz berichten vier Mitarbeiter von Betrieben in Österreich, darunter eine Krankenschwester und ein islamischer Militärseelsorger, im Kapitel „berufen“.
Unter der Überschrift „beliebt“ wird der Orient als Sehnsuchtsort präsentiert. Beweise in der Ausstellung dafür sind Gegenstände aus dem Alltag wie orientalische Gewürze, oder ein „arabisches Zimmer“, das sich ein Wiener Unternehmer um 1900 einrichten ließ. Es ist das größte Objekt, das je auf der Schallaburg ausgestellt wurde.
Ziel der Ausstellung ist es, eigene Bilder, Klischees, Ängste und tatsächliche Schwierigkeiten im Zusammenleben neu zu hinterfragen, um ein Kennenlernen zu fördern.
Es soll ein Begegnungsraum sein, wo die Ausstellung Teil eines Dialoges ist. Aus meiner Sicht ist die Miteinbeziehung von Kulturvermittlern mit muslimischen Hintergrund die auch ihre Erfahrungen schildern, dabei perfekt gelungen.
Eine Empfehlung auch für den Ausstellungskatalog zum Aufarbeiten zu Hause.