Mitte der 1980er Jahre in der Pfarre Maria vom Berge Karmel im 10. Bezirk. „Besonders schön habe ich die großen Festmessen in Erinnerung, wo wir am Tag davor schon Probe hatten und alles durchbesprochen haben“, sagt Ulrike Rauch-Keschmann , heute Unternehmenssprecherin der Österreich-Werbung.
Für ihr späteres berufliches Leben sieht sie den Dienst am Altar durchaus vorteilhaft, wie etwa gemeinsam etwas vorzubereiten oder einen Ablauf zu trainieren, vor allem aber hat sie Kirche sehr positiv als Gemeinschaft erfahren: „Ich hatte immer das Glück, Kirche als Gemeinschaft und Freude zu erleben. Die Zeit als Ministrantin hat mich da sicher sehr stark geprägt“, erinnert sich die Wienerin, die heute in der Pfarre St. Anna-Baumgarten beheimatet ist.
Vor 35 Jahren war das Ministrieren von Mädchen in der Katholischen Kirche noch keineswegs selbstverständlich. Noch bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts hatten nur geweihte Buben und junge Männer den Dienst am Altar ausüben dürfen. Mit der Liturgiekonstitution „Sacrosanctum Concilium“ des Zweiten Vatikanums (1962-1965) bildete sich ein neues Verständnis des Ministrierens heraus: Diese Aufgabe wird darin als „wahrhaft liturgischer Dienst“ bezeichnet, der eigenständig und nicht von einer Weihe abgeleitet ist.
In den 1960er und 1970er Jahren begannen einzelne Gemeinde Ministrantinnen zuzulassen. In der Neufassung des CIC, also dem Codex Iuris Canonici, dem für die römisch-katholische Kirche heute maßgebenden Gesetzbuch von 1983, fehlte ein ausdrückliches Verbot. Es heißt darin, dass „alle Laien Aufgaben nach Maßgabe des Rechtes wahrnehmen“ können.
Er hat gesagt, man muss die Zeichen der Zeit sehen und nach vorne schauen. Dass man nicht die Hälfte der Bevölkerung aussperren kann“, erinnert sich Elisabeth Kühnelt-Ledd-hin. „Ich wollte das immer schon machen und habe die Buben beneidet, weil sie ministrieren durften“, sagt die heutige Leiterin des Pflegenotdienstes der Johanniter.
Als Pfarrer Anton Strutzenberger Mädchen zum Ministrieren aufrief, hat sie sich sofort gemeldet. Dem liturgischen Dienst blieb Kühnelt-Leddhin über die Jahre treu. Sie leitet heute mit großem Einsatz den Liturgieausschuss sowie die Ministrantenpastoral ihrer Pfarre: „Ich sehe, dass es den Kindern Spaß macht und sage ihnen, wie wichtig ihr Dienst ist. Sie sind ein Vorbild für die Gemeinde und für die Menschen, die den Ablauf der Messe nicht so gut kennen.“
Dass auch Mädchen ministrieren, hält sie für sehr wichtig, „weil sie einfach die Hälfte der Bevölkerung darstellen. Die Mädchen verdrängen die Buben nicht. Ich habe im Moment zwei Mädchen und acht Buben in der Ministranten-Gruppe. Die Vielfalt vorne am Altar zu zeigen, ist einfach wichtig. Man kann die Hälfte der Bevölkerung nicht einfach aussperren“, betont Kühnelt-Leddhin.
Die offizielle Erlaubnis folgte am 11. Juli 1992: Papst Johannes Paul II. bestätigte damals, dass auch Mädchen den Altardienst verrichten dürfen. Veröffentlicht wurde die Erlaubnis 1994. Der Papst betonte dabei aber, es werde „immer sehr angemessen sein, der edlen Tradition zu folgen, Knaben am Altar dienen zu lassen“.
Hinter der Sorge, dass Mädchen die Buben im Ministranten-Dienst verdrängen könnten, vermutet Otto Kromer, Bildungsreferent der Jungschar Österreichs, tiefsitzende Ängste eines klerikalen Männlichkeitsdenkens.
Kromer appelliert: „Die große Herausforderung einer Ministrantenpastoral wäre, das zu thematisieren und zum Gegenstand von Beratungen auch mit den Kindern zu machen. Mit dem Ziel, dass die Burschen verstehen, dass sie, wenn sie mit Mädchen im Team gemeinsam ministrieren, nichts von ihrer Männlichkeit verlieren.“ Eine solche geschlechtssensible Pädagogik müssten Betreuer und Betreuerinnen leisten, betont Kromer.
Mit Buben als Ministranten war lange Zeit die Hoffnung auf Priester-Nachwuchs verbunden. Dass aber Ministranten später tatsächlich Priester werden, ist durch Studien nicht belegt.
Viele Ministrantinnen und Ministranten profitieren vom Dienst am Altar aber für ihr späteres Berufsleben, durch wichtige Kompetenzen wie Arbeiten im Team, Abläufe trainieren, sich auf einer „Bühne“ bewegen, durch das Kennenlernen des Kirchenjahres und den Erwerb liturgischen Wissens.
Mit ihrer Schwester war sie einst eine Pionierin im weiblichen Ministrantendienst und wirkte 1983 bei der großen Papstmesse im Donaupark mit. Auch jetzt springt sie noch manchmal ein, wenn Not am Mann oder an der Frau ist.
Sylvia Fröhlich sieht es biblisch: „Die Frauen um Jesus waren auch sehr eingebunden und haben ihren Dienst getan.“