Dienstag 19. Mai 2026

Schnellsuche auf der Website

01.07.2017

Kardinal Müller dementiert Differenzen mit Papst und will in Rom bleiben

"Differenzen zwischen mir und Papst Franziskus gab es nicht", sagte er der in Mainz erscheinenden "Allgemeinen Zeitung".

Kardinal Gerhard Ludwig Müller hat sich zu zu seiner Ablösung als Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation geäußert. "Differenzen zwischen mir und Papst Franziskus gab es nicht", sagte er der in Mainz erscheinenden "Allgemeinen Zeitung" (Sonntagausgabe), am 2. Juli 2017. Der Kurienkardinal, der aus Mainz stammt und Diözesanbischof in Regensburg war, hält sich an diesem Wochenende in seiner Heimatstadt auf, weil er mit früheren Klassenkameraden sein 50-jähriges Maturajubiläum feiert. Am Sonntag feierte er auf Einladung des Mainzer Domkapitels ein Pontifikalamt im Mainzer Dom, wie die deutsche katholische Nachrichtenagentur KNA auf "Kathpress"-Anfrage bestätigte.

Kardinal Müller sagte im Interview weiter, dass es auch über das päpstliche Schreiben "Amoris laetitia" keinen Streit gegeben habe. Bedauern bekundete er darüber, dass der Papst vor wenigen Wochen drei seiner Mitarbeiter entlassen habe. "Das waren kompetetente Leute."

Er selbst habe am Freitagmittag von Franziskus erfahren, dass dieser die Position neu besetzen wolle. "Mir macht das wenig aus", so der Kardinal. "Jeder muss mal aufhören." Seine fünfjährige Amtszeit sei abgelaufen. Der Papst habe ihm mitgeteilt, dass er dazu übergehen wolle, die Amtszeiten generell auf fünf Jahre zu begrenzen, "und da war ich der Erste, bei dem er das umgesetzt hat".

Er werde im Vatikan bleiben, kündigte Müller an: "Ich werde wissenschaftlich arbeiten, meine Funktion als Kardinal weiter ausüben, in der Seelsorge tätig sein. Ich habe in Rom genug zu tun."

Der emeritierte Regensburger Dogmatiker Wolfgang Beinert sagte der "Deutschen Presse-Agentur", das Verhältnis zwischen Franziskus und Müller sei von Anfang an nie sehr innig gewesen. "Das sind von der Chemie her zwei verschiedene Leute, die von Natur aus nicht zusammenpassen." Eine Ablösung Müllers als Chef der Glaubenskongregation im Vatikan sei allerdings eine Strafe. "Das ist eine Entlassung ins Nichts", sagte der ehemalige Hochschulprofessor: "Wo wollen Sie so einen Mann hintun?" Es gebe keine adäquate Lösung. Zumal Müller mit 69 Jahren für einen Kardinal recht jung und arbeitsfähig sei.

Der Regensburger Generalvikar Michael Fuchs sagte gegenüber der "Mittelbayerischen Zeitung" (Sonntagausgabe), das Revirement in der Glaubenskongregation komme sehr überraschend. Für eine Stellungnahme sei es noch zu früh.

"Für mich ist es keine Überraschung, dass es so gekommen ist", sagte demgegenüber Fritz Wallner, der frühere Vorsitzende des Regensburger Diözesanrats der Katholiken - ein Laiengremium, das Müller als Regensburger Bischof 2005 aufgelöst hatte, um danach ein Diözesankomitee einzusetzen. "Während seiner zehn Jahre als Bischof von Regensburg hat er wiederholt gezeigt, dass er aufgrund seiner mangelnden sozialen Kompetenz nicht zusammenführen kann, sondern eher zerstört. Warum sollte dies in Rom in der neuen Aufgabe anders gewesen sein?"

Der Regensburger Regionalbischof Hans-Martin Weiss äußerte sich aus grundsätzlichen Gründen nicht zur Personalentscheidung des Vatikans. Sein Verhältnis zu Müller war in der Regensburger Zeit teilweise angespannt. "Trotz manch ärgerlicher Situationen, habe ich mir aber die Achtung vor dem Menschen Gerhard Ludwig Müller bewahrt", sagte er.

 

Vor Journalisten sagte Kardinal Müller am Sonntag im Anschluss an die Messe im Mainzer Dom, er wolle weiter den Glauben "und die Wahrheit des Evangeliums verkünden und nicht den Leuten nach dem Munde reden". Er betonte, wie bereits am Vortag, zwischen Papst Franziskus und ihm gebe es keine Auseinandersetzung, das Verhältnis sei gut. Die Gründe, warum seine Amtszeit nicht verlängert worden sei, kenne er nicht.

Müller feierte den Gottesdienst in Konzelebration mit dem Mainzer Weihbischof Udo Markus Bentz, dem ernannten Mainzer Bischof Peter Kohlgraf und dem Mainzer Domstift. Zugegen war auch der vormalige langjährige Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann.

In seiner Predigt erinnerte Müller an Bischof Kardinal Hermann Volk, dessen Todestag sich am Samstag zum 29. Mal jährte. Volk hatte Müller zum Priester geweiht. Hermann Volk, der die Diözese Mainz von 1962 bis 1982 leitete, sei ein "großer Zeuge und Bekenner unseres christlichen, katholischen Glaubens" gewesen, sagte der Kardinal.


"Ein sehr kluger, intelligenter Theologe"

Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann ist nach eigenen Worten von der Nachricht über die Entlassung Müllers als Präfekt der Römischen Glaubenskongregation überrascht worden. Bei der Spekulation über die Gründe der Entscheidung riet der Bischof beim "Sonntags-Stammtisch" des Bayerischen Fernsehens zum Abwarten.


Bisher kursierten dazu "verschiedene Versionen", sagte Hofmann. Die einen sprächen von einem Zerwürfnis zwischen dem Kardinal und dem Papst. Müller selbst habe dazu gesagt, dass Franziskus einen neuen Weg einschlage und fünfjährige Amtszeiten an der Kurie nicht mehr verlängern wolle.

Hofmann fügte hinzu, im Grunde verträten der Kardinal und der Papst in Glaubensfragen "eine einzige Richtung". Das könne er sich nicht anders denken. Vielleicht gebe es aber zwischen beiden "unterschiedliche Auffassungen, wie man da rangeht, wie man das umsetzt", mutmaßte der Bischof. Für ihn sei jedoch klar, dass die Glaubenskongregation und der Papst "ganz auf dem Boden der Kirche" stünden. Der Kardinal sei zudem "ein sehr kluger, intelligenter Theologe". In seiner Zeit als Bischof von Regensburg habe Müller bei Beratungen der bayerischen Bischöfe immer neben ihm, Hofmann, gesessen.