Dienstag 19. Mai 2026

Schnellsuche auf der Website

28.06.2017

Sozialakademie nimmt dritte Flughafenpiste unter die Lupe

Aktuelles Dossier der Katholischen Sozialakademie befasst sich u.a. mit gerechter Mobilität und Wohlstandsvorstellungen jenseits herkömmlicher Wachstumsparadigmen.

Die Katholische Sozialakademie (ksoe) hat sich in ihrem aktuellen Dossier "Sozial-ökologische Transformation" u.a. auch der heftig diskutierten dritten Piste für den Flughafen Wien-Schwechat angenommen. Vorgestellt wurde das Dossier dieser Tage in Wien, dabei erläuterte Magdalena Heuwieser von der Initiative "System Change, not Climate Change" die ablehnende Haltung ihrer Organisation zu dem umstrittenen Projekt. In diesem Konflikt gehe es nicht nur um eine "veraltete, fossile Infrastruktur", die durch die dritte Piste in die Landschaft "einbetoniert" würde, so Heuwieser, es gehe auch um Fragen nach einer umweltgerechten Mobilität, um Bodenzerstörung und gesundheitsschädigende Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung durch Lärm oder Feinstaub.

 

Im Kern gehe es um das Festhalten am Wachstums-Paradigma. Dabei gelte es, die Verlierer und Gewinner zu benennen, so Heuwieser. Nur fünf Prozent der Weltbevölkerung, die Einkommensstärksten, hätten aktuell die Gelegenheit, überhaupt in ein Flugzeug zu steigen. Aufgezeigt werden müsse die Ungleichheit, die mit dem Flugverkehr verbunden ist. So würden Personen mit den höchsten Einkommen in Deutschland 6,6 mal pro Jahr mit dem Flugzeug unterwegs sein, Personen mit den untersten Einkommen nur 0,6 mal.

 

Derzeit engagiere sich "System Change, not Climate Change" auch gegen die geplante Verfassungsbestimmung, die Wachstum und Wettbewerb undifferenziert als Staatsziele festschreiben will - "als Reaktion auf die dritte Piste", wie Heuwieser betont. Die Initiative fordert stattdessen eine "Rote Linie für Flugwachstum". Heuwieser sprach hinsichtlich der Piste auch von einem der "größten klimaschädlichen Projekte" in Österreich.

 

Der Wiener Politikwissenschaftler und Betriebswirt Prof. Ulrich Brand ging in seinem Statement auch auf den Flughafen ein. Der Konflikt um die dritte Piste erinnere ihn klar an die Diskussionen um Zwentendorf und Hainburg. Analysen der - beispielsweise gewerkschaftlichen - Debatten von damals und heute würden zeigen, dass diese exakt dieselben seien: Wegen des tief eingeschrieben Wachstums-Paradigmas würden Arbeitsplätze über alles gestellt. Brand hoffte, dass der aktuelle Konflikt um die dritte Piste in fünf Jahren zu einer gesellschaftlichen Verständigung über Flugverkehr und Mobilität geführt haben wird, wie es damals die gesellschaftliche Verständigung über den Verzicht von Atomkraft in Österreich war.

 

Brand plädierte in seinem Statement weiters dafür, Wohlstand anders zu schaffen als durch herkömmliches Wachstum. Es gehe um andere soziale und ökologische Strukturen, die eine Alternative zu den "imperialen Lebens- und Produktionsweisen" darstellten. Der Semantik des "Verzichts" stehe er skeptisch gegenüber, weil damit Ängste geschürt würden, so Brand. Narrative wie Post-Wachstum oder "de-growth" würden hingegen darauf verweisen, dass es um andere Wohlstandsmodelle geht.

 

Ganzheitliche Entwicklung

Die Ordensfrau und Theologin Anneliese Herzig, die in der Dreikönigsaktion (DKA) engagiert ist, ging in ihren Ausführungen auf die internationale Rohstoffgewinnung ein. Von vielen Regierungen werde der Abbau von Ressourcen in großem Stil für die globalen Märkte vorangetriebene. Dadurch würden Umwelt und soziale Strukturen - besonders von Indigenen - zerstört und eine hohe Abhängigkeit vom Weltmarkt gefördert.

 

Die DKA setze sich stattdessen für einen "umfassenden Menschenrechts-Schutz" und eine "ganzheitliche Entwicklung" ein. Während die Menschenrechte vielerorts "mit Füßen getreten" würden, wolle Gott "für alle Menschen ein gutes Leben", so die Theologin. In diesem Sinne wolle die DKA ihre "prophetische Stimme" erheben und u.a. mit Unternehmen, Politik, und Kirchen über eine sozial-ökologisch ausgerichtete Veränderung ins Gespräch kommen. Herzig: "Es braucht eine Transformation unseres Lebensstils - auch in unserer Kirche".