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19.06.2017

Wo die Hühner die Zukunft gackern

Ein Lokalaugenschein in Kosovo

 

 

Es war grauenhaft, das ganz Dorf brannte“, erklärt Abdullah Krasniqi, der den militärischen Konflikt zwischen Serbien und der Befreiungsarmee des Kosovo der Jahre 1998 und 1999 hautnah miterlebt hat. Erst Drohungen der NATO, Luftangriffe auf die damalige Bundesrepublik Jugoslawien zu fliegen, beendeten den Krieg um die Unabhängigkeisbestrebungen.

 

Brannte die Erde im Krieg, so blüht sie heute auf.  Der Kosovo, ein Land mit der Fläche vergleichbar mit Oberösterreich, hat 1,8 Millionen Einwohner.

 

Abdullah Krasniqi wohnt im Dorf Maqiteve oberhalb von Suva Reka, dort wo die Soldaten der österreichischen KFOR-Truppe zur Friedenssicherung dienen. Krasniqi betreibt eine Bienen- und Hühnerzucht. Die Erfahrung hat er beim Arbeiten in der Schweiz erworben. Damit er starten konnte, benötigte er Hilfe. Aber viele wollten seine landwirtschaftlichen Ideen nicht verstehen. Verständnis dafür zeigten erst Mitarbeiter der Austrian Develoment Agency (ADA).

 

Seit 2008 ist die Agentur der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit im Kosovo vertreten, zeitgleich mit der Unabhängigkeit des Landes.

 

Krasniqi erhielt von der ADA eine Startförderung von 12.800 Euro. Damit konnte er einen Stall für Hühner errichten und auch das Wirtschaftsgebäude ausbauen. Heute ist Abdullah Krasniqi erfolgreicher Hühnerzüchter und Vorreiter für Biolandbau im Kosovo. Zwei Brüder arbeiten im Betrieb. Mit dem Einkommen können alle von der Landwirtschaft leben.

 

Frauen werden gestärkt

Im nahen Suva Reka züchtet Ylfete Vata ebenfalls Hühner. 3.000 sind es, die auf dem Areal scharren. Mit ihrem Mann führt sie die Landwirtschaft.

 

Speziell ist dabei, dass diese zu einem Frauennetzwerk gehört. 19 Bäuerinnen haben sich zu einer Kooperative zusammengeschlossen. Sie züchten Bienen, betreiben Milchwirtschaft und bauen Gemüse an.

 

Die 34-jährige Miradije Kabashi zieht Paprika und verarbeitet diese zu köstlichem Ajvarmus. „Mein Mann ist sehr stolz auf mich, dass ich da ein selbstständiges Standbein habe“, freut sich Miradije. Die Mutter eines zwölfjährigen Sohns und einer vierjährigen Tochter trägt damit wesentlich zum Familieneinkommen bei. Auch hier war und ist Hilfe aus Österreich essenziell.

 

Es ist das Projekt „SUSI-LDF“, und steht für „Sustainable Smallholder Initiative - Local Development Fund“, das von der ADA, der Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit unterstützt wird. Mit 3,6 Millionen Euro konnten mehr als 1.600 Kleinbauern ihre Projekte, wie Ausbau von Ställen und Verbesserung der landwirtschaftlichen Struktur umsetzen.

 

Eine zweite Phase kommt nun besonders Landwirtinnen wie auch Ganimete Vata in Suva Reka zugute. Sie betreibt einen Milchhof mit 18 Kühen und konnte mit der österreichischer Unterstützung einen Lagerraum für Milch errichten.  „Das Projekt hat mein Leben um 100 Prozent verändert, im Sommer hält die Milch ohne Kühlung nicht länger als einen Tag, nun habe ich bessere Bedingungen“, freut sie sich. Ganimete Vata liefert ihre Milch an 40 Familien in der Umgebung. Die schätzen die Qualität sowie den von ihr produzierten Käse.

 

Projektkoordinatorin von „SUSI-LDF“ ist Bernardina Krasniqi, sie schildert, dass die Männer mit der Tätigkeit der Frauen sehr zufrieden sind: „Sie freuen sich, dass sie so fleißige Frauen haben, die etwas von Landwirtschaft verstehen und einen wichtigen Beitrag zum Familienbudget leisten.

 

Ausbildung kommender Generationen

Am  Stadtrand der kosovarischen Hauptstadt Prishtina befindet sich eine landwirtschaftliche Schule. Glashäuser, in denen Tomaten und Gurken gezogen werden, prägen das Areal von außen, drinnen sind moderne Geräte zur Lebensmittelanalyse. Jugendliche erhalten hier landwirtschaftliche Ausbildung, die den Bedürfnissen des Agrarmarkts im Kosovo entpricht. Denn ein Drittel der Jugendlichen des Landes ist arbeitslos, die meisten wollen daher ins Ausland.

 

Mit den erworbenen Fertigkeiten, soll die Abwanderung gestoppt werden, ist doch der Agrarbereich der größte Hoffnungsgeber im Land. Denn nach wie vor müssen mehr Lebensmittel importiert werden als produziert werden.

 

Der 16-jährige Flandrit Krasniqi lernt seit zwei Jahren hier. Zwar möchte auch er nach Ende seiner Ausbildung im Ausland studieren, „aber danach will ich mich in meiner Heimat einbringen“. Das gilt auch für seine Freundin Marsiana Kabashi, sie kommt aus einer achtköpfigen Familie aus dem Süden des Kosovo. Beide sind Hoffnungsträger für das Land. Denn viele versuchen ihr Glück im Ausland.


Integration nach Rückkehr

Hanife Kurtaliqi ging im Februar 2014 nach Österreich. Sie hoffte auf Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Situation. Hanife war in Wien und  Traiskirchen, half in Hollabrunn in einem Altersheim mit und lernte Deutsch. Dann wurde sie schwanger.

 

Ein Jahr lebte sie dann im „Haus der Frauen“ in Hollabrunn. Aber nach der Geburt ihrer Zwillinge Aula und Alea kam der negative Asylbescheid und auch die Abschiebung in den Kosovo.

 

Dank der Rückkehrerhilfe, die von der Caritas im Kosovo durchgeführt und von der ADA aus Österreich unterstützt wird, fand Hanife Kurtaliqi in Ferizaj, 20 Kilometer von der mazedonischen Grenze entfernt, einen Job als Friseurin. Die mittlerweile geschiedene 34-jährige Frau kann so ihre Kinder ernähren.

 

Insgesamt sind es bisher 70 Menschen, die nach ihrer Abschiebung aus Österreich im Kosovo integriert werden konnten.

 

Lorik Macula, Koordinator der Rückkehrerhilfe der Caritas unterstreicht: „Wenn wir die benachteiligten Menschen im Kosovo nicht unterstützen, haben sie keine Zukunftschance.

 

Es gibt nur eine Alternative und die bedeutet Hilfe!“