Wenig Hoffnung für die Christen im Nahen Osten sieht der US-Journalist und Buchautor Daniel Williams - besonders wenn die USA und Europa ihre derzeitige Politik fortsetzen. In seinem neuen Buch "Die Christen des Nahen Ostens: verfolgt und vergessen" macht Williams einen Durchgang durch Syrien, den Irak, den Libanon, Palästina und Israel sowie Ägypten. Auch jenseits der Kriegsgebiete im Irak und in Syrien gibt es laut Williams massive Anzeichen dafür, "dass die Koexistenz zwischen Christen und Muslimen ein Ende findet", so sein wenig erfreulicher Befund.
Das liegt für den Journalisten zum einen schon darin begründet, dass der Westen nicht bereit sei, die Christenverfolgung klar anzusprechen. So schreibt Williams etwa hinsichtlich der Situation in Syrien: "Zu sagen, dass die Christen nicht das einzige Ziel dieses Bürgerkriegs darstellen, bedeutet nicht, dass die christlichen Gemeinden nicht in existenzieller Not sind." Die Christen würden einer mehr als ungewissen Zukunft entgegensehen. "Wenn Assad den Krieg verliert, werden sie als Kollaborateure verfolgt werden. Wenn Assad siegt, wird ihre Zukunft in einer verbitterten sunnitischen Mehrheitsbevölkerung nicht gesichert sein."
Gar nicht gut kommt bei dem US-Journalisten die Nahostpolitik seines eigenen Landes weg. Der Schutz von Minderheiten und darunter auch der Christen sei nie auf der amerikanischen Agenda gestanden, kritisiert Williams. So hält er hinsichtlich des Irak wörtlich fest: "Während der amerikanischen Besetzung des Irak weigerte sich die Bush-Regierung, den Christen besonderen Schutz zu gewähren aus Furcht, dass die die Unruhen steigern würde. Es war der US-geführte Krieg, der dazu führte, dass die ethnischen und religiösen Spannungen im Irak anstiegen."
Williams gibt bisher zum Teil wenig bekannte Einblicke in die vielfältigen Verfolgungssituationen, denen Christen im Nahen Osten ausgesetzt sind. Er stellt neben die historische Entwicklung politische Analysen und Berichte aus erster Hand und entfaltet eine von den Christen Europas und Amerikas kaum beachtete Tragödie.
Große Sorgen bereiten dem Nahost-Experten u.a. auch die Entwicklungen in Palästina. Der Kampf der Palästinenser um Freiheit und einen eigenen Staat werde immer mehr von islamistischen Positionen unterwandert. Dies bringe die palästinensischen Christen in eine zunehmend schwierigere Position, schließlich wollten sie nicht für einen eigenen Staat unter islamischem Recht kämpfen.
Williams arbeitete als Korrespondent für die Washington Post, Los Angeles Times und Bloomberg News im Nahen Osten, Europa, Russland und Lateinamerika. Als Senior Researcher innerhalb von "Human Rights Watch" konzentrierte er sich auf die Rechtsverletzungen im Verlauf des Arabischen Frühlings.