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14.06.2017

Österreichische Imame: Erklärung "gegen Extremismus und Terror"

Deklaration wurde von über 300 Imamen der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich unterzeichnet.

Mit einer Erklärung "gegen Extremismus und Terror" setzen die Imame der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) ein Zeichen des Friedens und des guten Willens im Blick auf das gesellschaftliche Miteinander in Österreich: Die von 312 Imamen unterzeichnete Erklärung war am Mittwoch, 14. Juni 2017 vor dem Islamischen Zentrum in Wien-Floridsdorf, Standort der größten Moschee Österreichs, von IGGiÖ-Präsident Ibrahim Olgun präsentiert worden. Darin werden terroristische Akte im Namen des Islam weltweit verurteilt und zugleich die Muslime in Österreich zur aktiven gesellschaftlichen Integration aufgerufen. "Eine Religion, die für Frieden steht, kann keine fundamentalistischen, terroristischen oder radikalen Züge haben", betonte Olgun bei der Präsentation.

 

Neben der Verurteilung terroristischer Gewalttaten wird weiters festgehalten, "dass es zur Aufgabe eines jeden Muslims und jeder Muslimin gehört, sich für die Sicherheit und den Frieden des Landes sowie seiner Bürger und Bürgerinnen aktiv einzusetzen". Betont wird auch das "Festhalten an verfassungsrechtlichen Prinzipien in der Republik Österreich, darin eingeschlossen und besonders hervorzuheben die Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz, Pluralismus, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit". Zudem unterstrichen die islamischen Geistlichen die Bedeutung der Präventions-und Deradikalisierungsarbeit, vor allem im Zusammenhang mit Jugendarbeit.

 

Ausdrücklich warnen die Imame vor einer "pauschalierten Stigmatisierung der muslimischen Bevölkerung und antimuslimischen Rassismus in Österreich". Stigmatisierungen würden einen "perfekten Nährboden" für einen "extremistische Tendenzen in vielen Teilen der Gesellschaft" bieten. In der aktuellen Situation sei es daher wichtiger denn je, "klar zu differenzieren, um religiöse Minderheiten vor populistischem Missbrauch und Anfeindungen zu schützen".

 

"Wir stehen für unsere Verantwortung für ein besseres Miteinander in Österreich ein", heißt es in der Erklärung abschließend. "In diesem Sinne möchten wir, die Imame in Österreich, ein klares Zeichen setzen und mit der Unterzeichnung dieser Deklaration jegliche Art von Terror, Extremismus und Gewalt deutlich verurteilen!"

 

Menschenkette für den 30. Juni geplant

Von den mehr als 300 Unterzeichnern waren rund 180 persönlich zum Akt gekommen, weitere Geistliche haben sich laut IGGiÖ etwa via E-Mail deklariert. Noch ein paar Tage haben auch Imame, die nicht der IGGiÖ angehören Zeit, zu unterschreiben. Dann sollen Kopien an Politiker sowie Vertreter der Glaubensgemeinschaften und der Zivilgesellschaft ergehen.

 

Für Ende Juni ist außerdem noch ein weiterer symbolischer Akt als Zeichen des interreligiösen Schulterschlusses für den Frieden geplant: eine Menschenkette von der Moschee bis zur nächstgelegenen christlichen Kirche. Wie der Pfarrer der Pfarre Bruckhaufen, Richard Tatzreiter, gegenüber "Kathpress" bestätigte, habe es bereits Vorgespräche für einen solchen symbolischen Akt gegeben. Dieser sei aller Voraussicht nach für den 30. Juni geplant. Die konkrete Ausgestaltung sei allerdings noch offen.

 

Tatzreiter, dessen Pfarre unmittelbar an das Gelände des Islamischen Zentrums angrenzt, betonte zugleich die guten Beziehungen zur Moscheegemeinde und er begrüßte entsprechend die Deklaration der Imame. Diese sei "eine gute Grundlage für ein friedvolles Zusammenleben" und zugleich eine "Bestätigung der guten interreligiösen Beziehungen, die wir untereinander pflegen", so Tatzreiter gegenüber "Kathpress".