Dienstag 19. Mai 2026

Schnellsuche auf der Website

24.05.2017

Irakischer Erzbischof prangert Waffenhandel an

Bagdader Erzbischof Sleiman in Wien: "Wer Waffen verkauft kann nicht zugleich von sich behaupten, den Terrorismus zu bekämpfen."

"Wer Waffen verkauft kann nicht zugleich von sich behaupten, den Terrorismus zu bekämpfen." Mit diesen Worten - ohne konkrete Namen zu nennen aber doch deutlich auf den jüngsten US-Deal mit Saudi Arabien bezogen - hat der irakische Erzbischof Jean Benjamin Sleiman das Grundprobleme der Konflikte im Nahen Osten zusammengefasst. Der römisch-katholische Erzbischof von Bagdad besucht in dieser Woche Österreich, wo er an mehreren Orten - in Wien, Linz, Graz und Mariazell - über die Situation der Christen im Nahen Osten, insbesondere im Irak, berichten wird. Am Dienstag, 23. Mai 2017, äußerte er sich im Rahmen eines Pressegesprächs in Wien.

 

Freude über zurückkehrende Christen

Er freue sich, dass so viele Christen in ihre zurückeroberten Dörfer und Städte, die unter IS-Herrschaft standen, zurückkehren wollen. Freilich sei die Situation nicht einfach. Zuallererst brauche es noch mehr Sicherheit und vor allem auch eine politische Lösung für die gesamte Region.

 

Der Bischof sprach auch von Problemen bei der Verteilung der Hilfsgelder. Verlassene Häuser in Mossul seien beispielsweise von anderen Bürgern okkupiert worden. Auf internationaler Ebene sei das Vertrauen in die Vereinten Nationen und den UNO-Sicherheitsrat gesunken. Dazu komme das Spiel der Großmächte: "Sie verfolgen ökonomische Interessen", so Sleiman, ohne Namen zu nennen.

 

Gefahr Teilung des Iraks

Die Gefahr der Teilung des Irak sei evident, so Sleiman. "Ich habe Angst vor dem was kommt, wenn der IS endgültig besiegt ist", sagte der Erzbischof. Die von der Terrormiliz zurückeroberten Territorien wie etwa die Ninive-Ebene im Norden seien politisch heftig umstritten.

 

Von einem diskutierten autonomen Status klar definierter Christengebiete im Nordirak hielt der Erzbischof wenig. Der Irak habe nur dann eine Zukunft, wenn es gelingt, rechtsstaatliche Strukturen aufzubauen. Das Stammesdenken und Denken in konfessionellen Kategorien müsse überwunden werden, zeigte sich Sleiman überzeugt. Sonst hätten auch Wahlen nichts mit Demokratie zu tun, sondern seinen letztendlich "nur die Weiterführung des Krieges mit anderen Mitteln". Eindringlich warnte der Erzbischof auch Europa vor dem islamistischen Extremismus.

 

Eine im März durchgeführte Umfrage unter irakischen christlichen Binneflüchtlingen hatte ergeben, dass 41 Prozent der Familien definitiv in ihre Häuser in der Ninive-Ebene zurückkehren wollen, die sie 2014 verlassen mussten. Weitere 46 Prozent würden eine Rückkehr ernsthaft in Erwägung ziehen, wie Herbert Rechberger, Direktor von "Kirche in Not/Österreich" sagte. Diese Menschen bräuchten jetzt konkrete Hilfe, so Rechberger, sonst würden sie das Land wohl verlassen müssen.

 

Die Wiener VP-Gemeinderätin Gudrun Kugler zeigte sich überzeugt, dass die internationale Staatengemeinschaft nicht mehr länger wegsehen dürfe. Sie erinnerte daran, dass der Wiener Gemeinderat die Verbrechen des IS an den religiösen Minderheiten im Irak und in Syrien als Völkermord verurteilt hatte.

 

Erzbischof Sleiman traf auch mit Außenminister Sebastian Kurz zusammen, um ihn über die aktuelle Lage im Irak zu informieren. Weitere Begegnung sind in dieser Woche noch mit Kardinal Christoph Schönborn, Bischof Wilhelm Kautwaschl, Bischof Manfred Scheuer und Nuntius Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen geplant.

 

Tour durch Österreich

Am Mittwoch ist Sleiman in Linz bei einer Veranstaltung unter dem Titel "Eine Rose für den Frieden im Irak". Er feiert um 17.30 Uhr eine Messe in der Karmelitenkirche, referiert um 19 Uhr in Anwesenheit des Linzer Bischofs Manfred Scheuer über die Lage des mesopotamischen Christentums und leitet einen Gebetsabend.

 

Am Donnerstag wird der Erzbischof aus Bagdad gemeinsam mit Kardinal Schönborn dem Festgottesdienst zu Christi Himmelfahrt im Wiener Stephansdom vorstehen.

 

Am Freitag ist Sleiman bei einem "Gebetsabend für verfolgte Christen" im Stephansdom. Er feiert um 19 Uhr die Messe und leitet eine anschließende Lobpreis-Andacht.

 

Am Samstag pilgert der Erzbischof nach Mariazell, wo er um 14 Uhr die Heilige Messe für verfolgte Christen feiern wird.

 

Auch für den Sonntag ist um 18 Uhr eine Messe mit dem Erzbischof für verfolgte Christen vorgesehen - in der Wiener Karmelitenkirche (19., Silbergasse). Der Erzbischof gehört dem Karmelitenorden an.

 

Am kommenden Montag steht Graz auf dem Programm, mit einem Vortrag über minoritäre Religionsgemeinschaften im Irak um 19 Uhr im Priesterseminar.

 

Am Donnerstag, 1. Juni, spricht Erzbischof Sleiman schließlich um 18.30 Uhr an der Wiener Universität im Hörsaal 46 über "Die politische Lage im Nahen Osten und die Religionsfreiheit".

 

Der Besuch des Erzbischofs von Bagdad erfolgt auf Einladung seiner Mitbrüder, der Karmeliten in Österreich, und geschieht in Zusammenarbeit mit "Missio", der "Initiative Christlicher Orient" (ICO), "Kirche in Not", der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, "Pro Oriente" und dem "Welthaus der Diözese Graz-Seckau". Sleimans Orden der Unbeschuhten Karmeliten hat im heutigen Irak eine bis ins 16. Jahrhundert zurückreichende Geschichte.