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22.05.2017

Er wollte keine Kirche gründen

Ein Sammelband beleuchtet, was man im Jahr des Reformationsgedenkens über Luther wissen soll.

 

„Durch seine Kritik am mittelalterlichen Ablasswesen wollte er die Kirche reformieren; seine Reformimpulse, vor allem seine Infragestellung der päpstlichen Autorität, haben dann aber, ohne dass er dies wollte, zur Reformation und konfessionellen Ausdifferenzierung der lateinischen Westkirche geführt“, schreiben die beiden Herausgeber des Sammelbandes „Martin Luther im Widerstreit der Konfessionen. Historische und theologische Perspektiven“ (Herder-Verlag), Christian Danz und Jan-Heiner Tück.

 

Kurz gesagt: Martin Luther wollte ursprünglich keine neue Kirche gründen, sondern die bestehende reformieren. An der Epochenschwelle zur Neuzeit stellt Luther die für ihn entscheidende Frage: „Wie kriege ich einen gnädigen Gott?“

 

Ausgangspunkt seiner Kritik waren die Ablasspredigten, die den Eindruck erweckten, als könne man sich bei Gott durch Finanzmittel freikaufen.

 

Der Sammelband geht auf eine gemeinsame Tagung der Katholischen und Evangelischen Fakultät der Universität Wien zurück.

 

Er bietet Beiträge über „historische Brennpunkte“, etwa Luthers Schriftverständnis, weiters „systematische Brennpunkte“ wie Luthers Kreuzes-Theologie oder seine Kirchenlehre.

 

Brisant sind die Beiträge über „Luther und die Juden“  sowie „Luther, die Türken und der Islam“. Aus Sicht der Kirchen handelt Bischof Michael Bünker über die „Reformation und die Einheit der Kirche“, Kardinal Kurt Koch beleuchtet „Reform oder Reformation? Martin Luther in der ökumenischen Sicht der Katholischen Kirche“.


Der Sammelband ist ein wertvoller Diskussionsbeitrag zur Halbzeit des Reformationsgedenkens. Empfehlenswert!