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04.05.2017

Karfreitag – für alle frei?!

Der Karfreitag ist für 5,16 Millionen Katholiken in Österreich ein hoher Feiertag. Doch frei haben sie nicht.

Ein Arbeitnehmer aus Österreich könnte die bisherige Regelung der gesetzlichen Feiertage ins Wanken bringen. Da der Mann ohne Bekenntnis am Karfreitag im Gegensatz zu Protestanten arbeiten musste, forderte er im Gegenzug von seinem Arbeitgeber, dass ihm zusätzlich zum normalen Arbeitsentgelt auch ein Feiertagsentgelt ausgezahlt wird.


Nachdem ihm das sein Arbeitgeber aufgrund der Gesetzeslage verwehrt hat, hat der Mann zunächst vor dem Bezirksgericht wegen Diskriminierung geklagt. Von da an nahm der Weg durch die Instanzen seinen Lauf. Zuletzt ist der Fall vor dem Obersten Gerichtshof gelandet, dieser wiederum hat die Causa zum Europäischen Gerichtshof weitergeleitet. Der EuGH wird derzeit um Klärung der europarechtlichen Frage ersucht, ob die Regelung im österreichischen Arbeitsruhegesetz eine Ungleichbehandlung darstellt und daher gegen die EU- Grundrechtecharta verstößt, oder nicht.


Das Arbeitsruhegesetz sieht vor, dass der Karfreitag nur für Angehörige der evangelischen Kirche einen Feiertag darstellt und sie – aus religiösen Gründen – an diesem Tag daher nicht arbeiten müssen. Wenn sie dennoch arbeiten, haben sie Anspruch auf das zusätzliche Feiertagsentgelt. Das betrifft etwa 300.000 Protestanten.


Bekommt der Kläger recht, gibt es Experten zufolge zwei Möglichkeiten, das Gesetz zu ändern: Entweder der freie Karfreitag wird für evangelische Christen gestrichen, oder der Karfreitag wird arbeitsfrei für alle.

 

Unterschiedliche Reaktionen

Ein möglicher arbeitsfreier Karfreitag wird in Österreich aber recht unterschiedlich betrachtet. Die Katholische Aktion der Erzdiözese Wien zum Beispiel würde ihn begrüßen: „Bis jetzt war das bei uns kein Thema, das wir explizit in Angriff genommen hätten. Wir fänden es aber sehr gut, wenn der Karfreitag offizieller Feiertag für alle wäre. Damit hätten alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die freie Wahl und mehr Flexibilität, um an diesem hohen Tag zum Beispiel Gottesdienste zu besuchen. Ich kenne nämlich viele Leute in meinem Umfeld, die am Freitag lange arbeiten müssen und es deshalb nicht in den 19-Uhr-Gottesdienst schaffen“, sagt KA-Präsident Walter Rijs.


Philipp Kuhlmann hingegen sieht „hier keinen Handlungsbedarf“. Er ist Vorsitzender der Katholischen ArbeitnehmerInnen-Bewegung (KAB): „Zwecks besserer Erholungsmöglichkeiten macht es Sinn, die Arbeitszeit generell zu verkürzen. Das kann über mehr freie Tage oder geringere Wochenarbeitszeit geschehen. Einen konkreten Bedarf nach mehr katholischen Feiertagen sehe ich aber nicht“, sagt er im SONNTAGS-Interview. „Ich arbeite in einem Konzern, der in 170 Ländern vertreten ist. Unterschiedliche Feiertage sind bei uns Alltag. Selbst in Österreich hat ein Teil der Belegschaft am Karfreitag frei. Das läuft alles ohne große Probleme“, führt er weiter aus.


Wie es mit der Diskussion um den Karfreitag weitergehen wird, hängt jetzt vom Europäischen Gerichtshof ab. Wann sich dieser mit dem Thema befassen wird, steht noch nicht fest – deswegen ruht derzeit das Verfahren.

 

Feiertage als Bereicherung

Der nächste Feiertag, der aber mit Sicherheit auf uns zukommen wird, ist Christi Himmelfahrt am 18. Mai. Und an dem wird definitiv nicht gerüttelt: „Feiertage sind eine Bereicherung für alle. Sie sind eine wichtige Zeit für Erholung, Selbstfindung und Gestaltung. Für mich gehört dazu auch ein Gottesdienstbesuch“, sagt Walter Rijs (KA).


Auch Philipp Kuhlmann bringt es ähnlich auf den Punkt: „Ein ,guter Katholik‘ deutet sein Leben und die Welt im Licht des Evangeliums und gestaltet den Tag in Übereinstimmung mit seinem Gewissen. Die Begegnung mit Gott und Gemeinschaft mit anderen Gläubigen sind für mich jedenfalls zentrale Elemente eines katholischen Feiertags.“