
Unsere syrisch-christliche Familie aus Aleppo, die zu Weihnachten 2015 in unsere Pfarrwohnung einzog, die im Herbst 2016 von der Polizei mit Blaulicht aus der Pfarre abgeführt und nach Kroatien abgeschoben wurde, kehrt zu uns zurück.
Wie groß war die Erleichterung und Freude, als wir Artin und seine Kinder aus Traiskirchen im Dezember 2015 abholten. Wie bereichernd waren all die Kontakte zu ihnen, ihre Erfolge beim Erlernen der Sprache und bei der Integration im Gymnasium. Wie groß war die Verzweiflung, als sie uns im Oktober 2016 entrissen wurden.
Von einem Moment auf den anderen wurden wir mit der brutalen Realität konfrontiert: Es geht nicht um Menschen, es geht um den Vollzug von Gesetzen.
Aber wir haben nicht aufgegeben. Haben sie nicht vergessen, auch wenn wir nicht mehr an ihre Türe im Pfarrhaus klopfen konnten und sie zu einem Spaziergang einladen oder sie uns bei einem Tee von ihrer Heimat erzählen konnten.
Wir haben das nicht einfach hingenommen, haben uns für die Familie eingesetzt, haben unmenschliche europäische Regeln in Frage gestellt, und wurden belohnt – in wenigen Wochen dürfen wir unsere Freunde wieder hier in Wien in die Arme schließen.
Diese wunderbaren Menschen, die nichts sehnlicher erhoffen als endlich Frieden zu finden, haben nun die Chance, ihre schrecklichen Erinnerungen aufzuarbeiten und in eine positive Zukunft zu blicken.
Für uns als Pfarre ist es ein unbeschreiblich schönes Erlebnis zu sehen, dass ein gemeinsames Eintreten gegen Ungerechtigkeit und Unmenschlichkeit zu einem großen Erfolg führen kann, der das Schicksal einzelner Menschen so nachhaltig verändern kann.