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14.04.2017

"Mary's Meals"-Gründer: "Es ist die Frucht des Gebetes"

Magnus MacFarlane-Barrow glaubt fest daran, dass Maria, die Mutter Jesu, ihm bei seiner Mission hilft.

In der Vorbereitung auf dieses Interview dachte ich an meine Schottlandreise im Sommer 2014. Als ich am Abend des 3. August in Oban, einer Stadt an der Westküste, durch die Straßen schlenderte, fiel mir ein blaues Schild mit der Aufschrift "Mary's Meals" über einem Second-Hand-Geschäft auf. Ich kannte damals bereits die Mission der Hilfsorganisation: hungernden Kindern täglich eine warme Mahlzeit in der Schule zu ermöglichen. Und ich wusste, dass ein Schotte diese gegründet hatte. Vor zwei Wochen beim Lesen seines Buches, das nun unter dem deutschen Titel "Eine Schale Getreide verändert die Welt"  erschienen ist, bemerkte ich, dass Magnus MacFarlane-Barrow nur etwa 30 Kilometer östlich von Oban aufgewachsen ist und ich nicht wissend an diesem Augusttag an seinem Heimatort Dalmally vorbeigefahren bin.

 

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Als ich von seiner Buchpräsentation in Wien erfuhr, wollte ich die Chance nutzen, um ihn kennenzulernen. Das Pressegespräch fand an einem nicht alltäglichen Interviewort, dem Stadtpalais Liechtenstein in der Wiener Innenstadt statt. Während meine Journalistenkollegen mehr über die Arbeit von "Mary's Meals" zu erfahren suchten, galt mein vorangiges Interesse dem Menschen, der hinter der Organisation steht.

 

Magnus, im Jahr 1983 besuchten Sie als Fünfzehnjähriger den bosnischen Wallfahrtsort Medjugorje. Wie hat diese Erfahrung – Sie nennen es ein Gefühl von tiefer Freude –  Ihr eigenes Leben verändert?


In der jetzigen Phase meines Lebens kann ich mir nur schwer vorstellen, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn wir nicht nach Medjugorje gegangen wären. Dieser Ort hat einen großen Eindruck auf meine Familie hinterlassen. Wir waren schon vorher eine praktizierende katholische Familie, aber diese Erfahrung erneuerte unseren Glauben und führte zur Entscheidung, Gott immer an erste Stelle zu stellen. Meine Eltern entschlossen sich, die alte Jagdhütte, unser Zuhause, in ein katholisches Exerzitienhaus umzuwandeln. Sie öffneten die Türen für alle Menschen, die kommen wollten, um sich für das Gebet zurückzuziehen. Das veränderte unser Familienleben. Von überall her kamen die Menschen. Es war nicht immer leicht, aber die meiste Zeit eine große Freude, so viele interessante und gute Leute kennenzulernen. Rückblickend denke ich, dass die ungewöhnlichen Entscheidungen meiner Eltern es mir später leichter machten, meine eigenen Entscheidungen zu treffen, als ich mit der karitativen Arbeit begann.

 

Woher kommt Ihr unerschütterlicher, starker Glaube?


Der Glaube ist ein Geschenk. Sicher erfuhr ich die Gnade Gottes auf eine neue Weise durch Medjugorje. Das hat meinen Glauben gestärkt. Aber ich denke nicht, dass unsere Glaubenswege etwas mit einem einzigen Ereignis oder einem einzelnen Tag zu tun haben. Vielmehr geht es darum, sich dafür zu entscheiden, Gottes Gnade jeden Tag anzunehmen. Ich betrachte Mary's Meals als Frucht des Gebets, und ich glaube das wirklich selbst. Eine sehr wichtige andere Art, an der Mission teilzunehmen, sehe ich darin, wenn Menschen für unsere Arbeit beten. Es ist für mich kein Zufall, dass unser Projekt fast genau zehn Jahre nach unserer ersten Reise nach Medjugorje begann. In all den Jahren wurde im Einkehrzentrum meiner Eltern inständig gebetet. Das Projekt war nicht von uns geplant, wir haben es nicht erwartet. Gott gibt uns jeden Tag das Geschenk des Glaubens. Wir müssen mit dieser Gnade Gottes zusammenarbeiten, und das Gebet ist der Schlüssel dazu.

 

Haben Sie auf Ihren Einsatzreisen jemals Angst erfahren oder war Ihr Gottvertrauen immer so groß?


Ich verspürte mehrmals Furcht. Ich bin überhaupt kein mutiger Mann. (Er lacht.)

 

 

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Magnus MacFarlane-Barrow: "Das Rosenkranzgebet war und ist für mich immer eine besonders mächtige Form des Betens."

 

 

Welche Rolle spielte das Gebet in solchen Situationen?


Ich erinnere mich an eine Begebenheit 2011 in Somalia während der letzten Hungersnot in diesem Land. Das war eine sehr angsteinflößende Umgebung, vielleicht die schlimmste, in der ich mich jemals befunden habe. Ich reiste mit einigen guten Freunden, die in Somalia als freiwillige Helfer, vorwiegend als Ärzte, im Einsatz waren. Wir hatten Nahrungsmittel in Malawi gekauft und brachten sie nach Somalia. Als ich am ersten Morgen in Mogadischu aufwachte, war ich sehr erschrocken. Die Nacht zuvor, als wir gerade zu Fuß ankamen, war eine Bombe in unmittelbarer Nähe explodiert. Ich erinnere mich immer zurück an den jungen Somalier, der uns in seinem Haus aufnahm. Während der Explosion sprang ich hoch vor Angst, und er sagte mir, als ob ich ein kleines Kind wäre: "Mach dir keine Sorgen, bleibe ruhig. Das war nur eine Bombe." Als ob ich mich diese Worte beruhigen konnten. Als ich in der Früh dann aufwachte, waren alle meine Begleiter, die im selben großen Raum geschlafen hatten, bereits aufgestanden und beteten als Muslime auf ihren Gebetsteppichen. Ich war zurückgeblieben und blickte auf meinen Rosenkranz. Während des Rosenkranzgebets wurde mir klar, dass heute Mariä Geburt war, der 8. September. Und mich überkam eine große innere Freude. Denn mir wurde bewusst, dass der Grund, warum wir da waren – um den hungernden Menschen Nahrung zu bringen – das beste Geschenk war, das wir der Muttergottes an ihrem eigenen Geburtstag machen konnten. Das Rosenkranzgebet war und ist für mich immer eine besonders mächtige Form des Betens. Durch das Gebet war meine Angst wieder verflogen.

 

Sie schreiben in Ihrem Buch, dass es bei wahrer Nächstenliebe nicht nur um materielle Güter oder Projekte geht. Worum dann?


Es geht um ein Werk der Liebe. Wir haben jetzt viel über meinen Glauben gesprochen, doch bei Mary's Meals geht es um einen universellen Auftrag – an alle Menschen guten Willens, egal welcher Glaubensrichtung und Religion sie angehören. Was uns alle vereint, ist die Liebe zu Kindern. Wenn wir Kinder sehen, die hungrig sind, so drängt es uns, ihnen zu essen zu geben. Deshalb ist es für mich wichtig, wenn unser Projekt wächst, dass wir nicht nur über Zahlen sprechen oder über messbare Ziele. Wichtig ist, dass es immer eine Arbeit bleibt, die ihre Wurzeln in der Liebe hat.

 

Sie haben sieben Kinder, reisen viel. Wie lässt sich dieser Einsatz mit dem Familienleben vereinbaren?


Alles funktioniert nur deshalb, weil ich eine wunderbare Familie habe. Ich habe meine Frau Julie kennengelernt, als ich mit Hilfsaktivitäten in Bosnien begann. Sie glaubt an diese Mission genauso wie ich. Wir alle stehten dahinter. Wir reden in der Familie viel darüber, wenn es etwa eine Einladung für mich gibt, entscheiden wir gemeinsam, ob ich jetzt hingehen sollte oder nicht. Und es ist uns sehr klar, dass meine erste Berufung nur die eines Ehemanns und Vaters sein kann. Ich muss jedoch viel reisen. Das bedeutet für uns alle, dass wir kleine Opfer bringen, damit das gelingt.