Zum vierten Mal lud das Referat Weltkirche der Erzdiözese Wien und zahlreiche kirchlichen Volontariats-Organisationen am Samstag, 25.März 2017 zu einem „Dialog für Eine Welt“ ins Don Bosco Haus in Wien ein.
Über 70 Teilnehmer, unter ihnen ehemalige Entwicklungshelfer, Volontäre und Engagierte in der pfarrlichen Flüchtlingsarbeit, beschäftigten sich einen Nachmittag lang mit der Frage der kulturellen und religiösen Pluralität und eines positiven Umgangs damit.
Die Präsenz von Menschen mit anderen – oft traumatischen – Lebenshintergründen, Identitäten und Religionen, verändert unsere Gesellschaft. Wie gehen wir mit den Veränderungen um? „Die Erfahrung und Reflexion eines Auslandseinsatzes kann eine gute Basis für einen konstruktiven und menschlichen Umgang mit Pluralität darstellen“, so die Erkenntnis von Sarah Kusché und Florian Toth vom Bildungsteam Jugend Eine Welt.
„Leben in einem pluralen interkulturellen Umfeld bedeutet immer auch an seine eigenen Grenzen des Verstehens des Anderen zu stoßen. Ohne Reflexion und Auseinandersetzung wird es schwer gelingen zu einem respektvollen Umgang miteinander zu finden“, so Martina Fürpass, Geschäftsführerin des Interkulturellen Zentrums in Wien, im Podiumsgespräch.
Doch kann der Pluralität auch in extremen Positionen begegnet werden. Mit der Radikalisierung im Islam und in der rechten Jugendszene griffen Ramazan Demir, Imam, islamischer Religionspädagoge und Gefängnisseelsorger und Natascha Strobl, eine der Autoren des Buches „Die Identitären“ in einem gemeinsamen Workshop ein höchst brisantes Konfliktthema auf. Demir, der in der Gefängnisseelsorge auch mit IS-Sympathisanten zu tun hat, hob hervor, dass Präventionsarbeit grundlegend ist, um Radikalisierung zu vermeiden. Doch stünden dafür bei weitem zu wenig öffentliche Mittel zur Verfügung. Natscha Strobl betonte, dass es intensiver persönlicher Betreuung bedürfe, junge Menschen, die in der rechtsextremen Szene eine Heimat gefunden haben, herauszuholen: „Statistisch gelingt es bei 20 Prozent – das scheint nicht viel, doch es lohnt sich um jeden einzelnen zu kämpfen.“
Integration und Verständigung bedürfen Ausdauer, viel empathischem Kontakt und Kommunikation, das zeigten auch die Erfahrungen des interreligiösen Projekts „Religionenforum Ottakring", das ursprünglich von Weihbischof Krätzl ins Leben gerufen wurde. Dessen Koordinator Wolfgang Bartsch bemüht sich bereits seit mehr als einem Jahrzehnt um ein gutes Miteinander von Menschen unterschiedlichen Glaubens, v.a. zwischen Christen und Muslimen „in der Nachbarschaft“: „Integration ist keine Einbahnstraße – es bedarf eines Aufeinanderzugehens von beiden Seiten.“
Dass der Umgang mit dem Fremden letztlich bei sich selbst ansetzen muss, war die Erkenntnis der Teilnehmer des Workshops „Das Fremde in mir entdecken – meinem Clown auf der Spur“ von Constanze Moritz alias Clownin Gwendolin Grübel.
Die Veranstaltung klang mit einem musikalisch-spirituellem Cross-Over aus: In seiner „Reise durch islamische Welten“ verband Galib Stanfel vielfältige musikalische Traditionen vom Iran über den Balkan bis hin zum alpenländischen Jodelgesang.
Ein gutes Miteinander in der Vielfalt ist also möglich – Selbstreflexion, Begegnungsmöglichkeiten in einem gut bereiteten Rahmen, Offenheit auf beiden Seiten und auch eine Portion Humor und Improvisation können dabei eine wertvolle Hilfe sein. Das zeigte sich nicht zuletzt auch beim „Dialog für Eine Welt 2017“ im Don Bosco Haus in Wien.