Martin Luther wollte keine Kirchenspaltung und keine politische Reformbewegung anstoßen, sondern eine Erneuerung der Kirche“, sagt der evangelische Diakonie-Direktor Michael Chalupka zum SONNTAG. Chalupka hält am 23. März bei der „Weinviertelakademie“ im Bildungshaus Schloss Großrußbach (Beginn: 18.30 Uhr) das Impulsreferat zum Thema „Welche Reform(ation) braucht unsere Gesellschaft/Kirche heute?“.
„Als Christinnen und Christen sind wir der Überzeugung, dass die Frohe Botschaft nicht nur Bedeutung für den Kreis der Gläubigen hat, sondern immer auch Verantwortung für die gesamte Schöpfung mit einschließt“, ist er überzeugt. Chalupka: „Ziel einer sich ständig reformierenden Kirche sind Gerechtigkeit, Friede und Bewahrung der Schöpfung. In einer Welt in der, die einen immer reicher werden und andere hungern, in der Krieg herrscht und der Mensch, das weltweite Klima aus dem Gleichgewicht bringt, sind dieser Ziele wichtiger denn je.“
Welche Reform die katholische Kirche braucht? „Einem Protestanten steht es nicht an, der katholischen Schwesterkirche gute Ratschläge zu geben, doch derzeit scheint Papsttreue ein guter Weg zur Reform zu sein und fällt manchen schwerer als zuvor“, sagt Chalupka: „Dass es Katholiken und Protestanten immer noch nicht möglich ist, Brot und Wein am Tisch des Herrn zu teilen, ist schmerzlich und untergräbt unsere Glaubwürdigkeit, Gottes Gaben gerecht unter allen Menschen zu teilen.“ Die Evangelischen Kirchen sollten nach 500 Jahren über ihre „landesherrliche“, nationale Verfasstheit nachdenken. Chalupka: „Gerade in der Flüchtlingskrise haben wir bemerkt, dass der Weg, sich als weltweite Kirche zu verstehen, noch weit ist.“
Chalupka im Hinblick auf den rasanten gesellschaftlichen Wandel, gerade auch in Österreich: „Wir stehen vor großen Herausforderungen: Wie werden wir die Pflege alter Menschen organisieren? Wie werden wir mit Menschen auf der Flucht umgehen? Wie können wir allen Kindern faire Bildungschancen ermöglichen? Wie werden Frauen und Männer gleichberechtigt? Das alles kann nur gelingen, wenn wir zu einem Wir-Gefühl kommen, dass sich nicht auf Kosten anderer definiert, das andere nicht abwertet und zu Gegner macht.“
„Weinviertelakademie“ im Bildungshaus Schloss Großrußbach, 23. März, 18.30 bis 21 Uhr. 20 Uhr: Podiumsgespräch mit Publikumsbeteiligung: Pfarrer Michael Chalupka, Elisabeth Kerschbaum (Stadträtin Umwelt & Energie), Weihbischof Stephan Turnovszky, Pastoralamtsleiterin Veronika Prüller-Jagenteufel. Moderation: Michael Ausserer, Chefredakteur des SONNTAG.