"Solidarität mit Franziskus": Unter diesem Titel hat sich von Österreich ausgehend eine Internationale Initiative engagierter Katholiken gebildet, die Papst Franziskus gegenüber oft "unqualifizierter Kritik" verteidigt und sich zu seinem Reformkurs bekennt, wie es in einer entsprechenden Erklärung heißt. Angestoßen vom "Netzwerk: zeitgemäß glauben" in Wien unterstützen alle Unterzeichnerinnen und Unterzeichner öffentlich Franziskus auf seinem Weg, "die Kirche zu einer dem Leben dienenden, mitfühlenden Kirche zu wandeln". An die Bischöfe ergeht der Appell, dazu "mutige Vorschläge" zu entwickeln und diese in Abstimmung mit dem Bischof von Rom in ihren Diözesen "freudig umzusetzen".
"Solidarität mit Franziskus" bekunden in diesem Sinne als Erstunterzeichner prominente Kirchenvertreter aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und der Slowakei: Darunter sind Theologen wie der Bibelwissenschaftler Walter Kirchschläger (Luzern), der Dogmatiker Roman Siebenrock (Innsbruck), der Religionspädagoge Anton A. Bucher (Salzburg) oder der Gründer des interdisziplinären Instituts für Theologie, Wissenschaft und Kultur (Tübingen), Hermann Häring; die Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs, Veronika Pernsteiner, Abtpräses Christian Haidinger OSB und P. Franz Helm SVD von der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs, die Gründerin und Präsidentin des Vereins vom Zölibat betroffener Frauen (ZöFra) in der Schweiz, Gabriella Loser-Friedli, der Wiener Religionsjournalist und Initiator der "Plattform Christen und Muslime", Peter Pawlowsky, der Freckenhorster Kreis (Duisburg) und das "Theoforum" in der Slowakei.
Die Entscheidungen und der Amtsstil des Bischofs von Rom können wie bei seinen Vorgängern auch kritisiert werden, halten die Unterstützer fest. Kritik sei jedoch "konstruktiv, offen, direkt, sachlich und unter Achtung der Würde aller" vorzutragen. Zuletzt war dies laut dem Gründer des "Netzwerk: zeitgemäß glauben", Hans Peter Hurka, nicht immer der Fall - sogar bei hochrangigen Kirchenvertretern: Er verwies auf die öffentliche Brief-Anfrage von vier Kardinälen an das nachsynodale Papstdokument "Amoris laetitia" und die jüngste Plakatkampagne im Rom als Beispiele. "Herabsetzungen und Verunglimpfungen" seien beim Äußern von Kritik auszuschließen. "Ein fairer Dialog, der unterschiedliche Meinungen an der Botschaft Jesu misst, ist der Weg."
Lob und Dank wird Franziskus in der Unterstützungserklärung u.a. gezollt für sein "öffentlichkeitswirksames Eintreten" für Frieden und Gerechtigkeit sowie einen gesunden Lebensraum, für eine "faire Wirtschaft", die gleichberechtigte Achtung aller Frauen und Männer, für Menschen in Randzonen der Gesellschaft und für eine "gerechte, partizipative, verzeihende und barmherzige Kirche". Weiter heißt es über Franziskus: "Wir schätzen seine Bescheidenheit, seine eindrücklichen, menschlichen Zeichen und ... unterstützen ausdrücklich seine Versuche, die Grundsätze Jesu pastoral und strukturell im Leben der Kirche zu integrieren."
An die Bischöfe richten die Unterzeichner die Bitte, den Weg des Papstes "noch deutlicher - nicht nur mit Worten, sondern vor allem durch Taten - zu unterstützen". Es gelte die "Zeichen der Zeit" wahrzunehmen und mutige Reformvorschläge zu entwickeln und diese in Abstimmung mit dem Papst auch zu realisieren. Auch die Gemeinden gelte es zu Selbständigkeit und Eigenverantwortung zu ermutigen, "ermöglichen Sie ihre Leitung durch geeignete Frauen und Männer sowie Eucharistie durch Alternativen zum Zölibat".
Auch eine "Selbstverpflichtung" umfasst die Solidaritätsadresse: "Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner verpflichten sich allen Menschen gegenüber - soweit sie können - einen zeitgemäßen Glauben zu vertreten, sich den Fragen der Zeit zu stellen, die theologischen Entwicklungen zu verfolgen sowie für Gerechtigkeit und Frieden, für menschenwürdige Behandlung aller Menschen einzutreten und flüchtenden, arbeitsuchenden, alleinerziehenden, diskriminierten oder sich in anderer sozialer Not befindlichen Menschen beizustehen." Eingeladen zur Unterstützung dieser Anliegen sind alle Einzelpersonen, Gruppen und Organisationen.