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27.02.2017

Gefängnisseelsorge in Österreich

Hohe Mauern, Gewalt, Hoffnungslosigkeit – Gefängnisse in Österreich. Niemand will freiwillig dort sein, Ausnahme sind die Gefängnisseelsorger.

Die Arbeit der GefängnisseelsorgerInnen beinhaltet zum einen die Feier von Gottesdiensten und die Sakramentsspendung. Zum anderen geht es stark um Gespräche, Zellenbesuche sowie um die regelmäßige Kontaktpflege mit Verwandten und die Vermittlung von Hilfsangeboten. Die Gefängnisseelsorger Markus Fellinger und Christine Hubka gehören zu den wenigen Menschen, die die Justizanstalten von innen kennen, ohne Häftling zu sein.

 

Zusammen mit seiner Kollegin Christine Hubka hat Markus Fellinger das Buch "Die Haftfalle – Begegnung im Gefängnis“ veröffentlicht. Er verarbeitet darin die Eindrücke aus seinem Alltag in lyrischen Texten: „Erhängt. Sie arbeiten am Leib mit Pumpen und Schocks. Beamte führen ein Protokoll. Um 17:52 Uhr Abbruch. Keiner weint. Eine Zelle wird frei. Das Kreuz auf die Stirn gezeichnet. Die einzig zärtliche Geste, dann gehe auch ich“.

 

Systems Gefängnis

Markus Fellinger betreut als Leiter der evangelischen Seelsorge Gefängnisse in Niederösterreich. Auch Gefängnisseelsorgerin Christine Hubka ist regelmäßig im „Grauen Haus“, dem größten Gefängnis Österreichs, mitten im 8. Wiener Gemeindebezirk. Im Interview mit Gerlinde Wellner von radio klassik Stephansdom spricht sie unter anderem über den ihrer Meinung nach hoffnungslosen Zustand des Gebäudes, sowie über die Auswirkung des Systems Gefängnis auf die österreichische Gesellschaft. Der Gesellschaft, so Christine Hubke, „kann es nicht wurscht sein, wie die Leute herauskommen. Sie kommen zu 99% eines Tages wieder heraus. Also, will ich dass jemand […] so kaputt ist, dass er eigentlich ein Sozialfall ist, weil er sowohl im Kopf als auch im Körper nicht mehr fähig ist irgendetwas zu arbeiten und sich selbst zu erhalten?“.

 

„Wer sagt einem Justizwachebeamten denn schon ‚Danke‘“?

Beide Gefängnisseelsorger erzählen von den Tätigkeiten der Beamten, die aufgrund der überfüllten Justizanstalten äußerst schwierig sein können. „Die Qualität des Vollzugs liegt eigentlich darin, ob es dem Beamten gut geht“, so Christine Hubka.

Für die Freizeitgestaltung haben Insassen oft schwierige Entscheidungen zu treffen. Es geht um Entscheidungen, an die ein freier Mensch nicht denken muss: „Man bekommt vom Papa Staat keinen Fernseher zur Verfügung gestellt, sondern das ist eine bewusste Entscheidung“, so Christine Hubka. Einen Fernseher müssen sich die Insassen leisten können und für ein paar Stunden mieten. „Entscheide ich mich für einen Fernseher, dann wird es mir sehr schwer fallen noch einen Tabak zu kaufen“, erzählt sie weiter.

 

Wie oft dürfen Insassen duschen? Und wie oft dürfen sie telefonieren, bzw. wovon hängt die Erlaubnis dafür ab?

 

Die radio klassik Stephansdom Sendung "Gefangen – ein Leben in der Zelle" zum Nachhören.