Ja, selbstverständlich“, so lautet die klare und knappe Antwort von Ordens-Bischofsvikar P. Michael Zacherl SJ auf die Frage, ob er noch immer gerne Jesuit ist.
Zacherl ist 1955, mit 18 Jahren, in den Orden eingetreten. „Das war damals nicht so ungewöhnlich, heute würde man sagen: Geh vorher noch ein paar Jahre woanders hin“, sagt der Bischofsvikar lächelnd.
Seine Berufungsgeschichte in Kurzform: „Ich bin schon bei den Jesuiten in die Schule gegangen und habe dort Jesuiten kennen- und ihren Einsatz schätzengelernt.“ Zacherl hat „wenig Umschau“ gehalten, ob eventuell ein anderer Orden in Frage käme. Er sah, dass das „etwas Gutes und Wertvolles ist“ und hat dann diesen Weg gewählt. Und er ist im Orden glücklich. Zacherl: „Weil das, was ich schon vor vielen Jahrzehnten gesehen und erlebt habe, noch immer seine Gültigkeit hat. Auf der einen Seite herrscht eine große Offenheit, auf der anderen Seite eine große Entschiedenheit in der Arbeit. Letztlich hat auch die Brüderlichkeit ihre große Geltung in der Gemeinschaft.“
Wenn Sie die Aufgaben eines Bischofsvikars für die – vereinfacht gesagt – Orden in wenigen Sätzen erklären müssen, wie lauten diese Sätze?
Zacherl: Als Bischofsvikar bin ich der Vertreter des Bischofs bzw. habe eine Mittler-Position inne zwischen dem Bischof und den Ordensgemeinschaften. Und da geht es in die eine oder die andere Richtung, etwa wenn es Fragen gibt, die zu klären sind. Da geht das Meiste über meinen Schreibtisch.
Nachdem unsere Erzdiözese so groß ist und außerdem unser Erzbischof auch noch viele andere Aufgaben hat, über die Erzdiözese hinaus, ist es ihm wichtig, hier jemanden zu haben, der ihm hilfreich ist. Und so kommt mit dem Bischofsvikariat gerade auch den Ordensgemeinschaften gegenüber zum Ausdruck, wie sehr die Diözesanleitung die Aktivitäten der Orden wertschätzt und anerkennt.
Papst Franziskus gehört selbst einer Ordensgemeinschaft an. Wie schlägt sich das „Jesuitische“ bei ihm durch?
Zacherl: Ich glaube, dass er in verstärkter Weise um die Unterscheidung der Geister und um Entschiedenheit bemüht ist. Er ist auch bemüht, sich am Evangelium zu orientieren. Mir scheint, für einen Ordensmann ist es leichter, von allem Machtstreben abzusehen. Weil er, basierend auf einer Gemeinschaft, das weniger nötig hat. Auch sein An-die-Ränder-Gehen ist etwas, was durchaus mit dem Jesuitenorden zusammenhängt.
Welche drei Punkte möchten Sie anlässlich des heurigen „Tages des geweihten Lebens“ den Menschen, die diese Lebensform gewählt haben, mitgeben?
Zacherl: Ich wünsche ihnen, dass sie sich in ihrer ordenseigenen Spiritualität immer mehr festigen, dass sie noch mehr für die Menschen in der Kirche und in der Welt da sind und auch für sie eintreten, für ihre Nöte und Bedürfnisse.
Und ich hoffe, dass sie dem Fatima-Jubiläum Beachtung schenken und dass so die Verehrung der Gottesmutter gefördert wird.
Stichwort Wertschätzung: Was würde fehlen, gäbe es bei uns keine Ordens-gemeinschaften und Ordensleute?
Zacherl: Jede Ordensgemeinschaft hat eine bestimmte Spiritualität, einen besonderen Akzent. Und der würde auf jeden Fall fehlen. Leider ist es oft so, dass die einzelnen Gemeinschaften ihre Spezifika nicht so zum Zug kommen lassen können, weil sie schauen müssen, dass sie Dinge tun, die ihnen auch das Nötige zum Leben geben und bringen.
Jedenfalls halte ich es für ein Geschenk an die Ortskirche, wenn diese oder jene Gemeinschaft hier ansässig ist und das Ihre einbringen kann. Und das sollte gefördert werden.
Welche Motive bewegen Menschen heute, sich zu einem „geweihten“ Leben zu entschließen?
Zacherl: Sie suchen die Nähe zu Christus, und sie sind darauf aus, aus ihrem Leben etwas Sinnvolles zu machen und sich einzubringen für Andere. Auch das gemeinschaftliche Element kann für junge Menschen durchaus anziehend sein.
„Erneuerung des Ordenslebens heißt: ständige Rückkehr zu den Quellen jedes christlichen Lebens und zum Geist des Ursprungs der einzelnen Institute, zugleich aber deren Anpassung an die veränderten Zeitverhältnisse.“
Wie verstehen Sie diese Aussage des Zweiten Vatikanischen Konzils?
Zacherl: Dieser Ruf „Zurück zu den Quellen“ bezieht sich zum einen auf die Spiritualität. Auf der anderen Seite ist es notwendig, vor allem für Ordensgemeinschaften, die sehr zeitbedingt für eine besondere Aufgabe gegründet worden sind, dass sie Ausschau halten nach den heutigen Nöten der Menschen und in der Kirche. Und so wird für manche Gemeinschaften, die sehr stark auf Kranke oder auf die Schule ausgerichtet waren, in einer Zeit wie unserer, in der vieles vom Staat übernommen worden ist, eine gewisse Neuorientierung nötig sein.
Stichwort „Zeitbedingtes“: Es kann also sein, dass sich die Aufgaben einer Ordensgemeinschaft wandeln können?
Zacherl: Zumindest, dass sie neue Akzente bekommen. Es wird immer die ursprüngliche Spiritualität weiterwirken, aber die Aufgabe kann sich insofern wandeln, wenn Manches von der öffentlichen Hand viel stärker wahrgenommen wird, sodass man sich da eher etwas zurückziehen kann. Man kann dann auf diesem Sektor spirituelle Fundamente legen und mithelfen, dass diese Arbeit einerseits in selbstloser Weise und andererseits mit dem Blick auf den Menschen als Ganzes besser wahrgenommen wird.
Auf welche aktuellen Ängste und Nöte könnten Orden reagieren?
Zacherl: Es gilt, die Menschen bei ihrer Konsumhaltung, ihrer materialistischen Einstellung abzuholen und ihnen den Sinn des Lebens aufzuzeigen. Für die Orden gilt die Frage: Wie können wir die christlichen Werte noch besser wahrnehmen und umsetzen? Und so Zeugnis geben für andere, die entweder davon schon sehr weit entfernt sind, oder Christus überhaupt noch nicht kennengelernt haben.